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Vor allem Skrjabin: Konzert mit Pervez Mody im Lingnerschloss

Vor allem Skrjabin: Konzert mit Pervez Mody im Lingnerschloss

Einem rührigen Verein ist es gelungen, das Lingnerschloss dem Dornröschenschlaf zu entreißen und seine Sanierung energisch voranzutreiben. Das hoch am Elbhang gelegene Dresdner Wahrzeichen lädt Menschen zu sich ein - nicht nur wegen des herrlichen Terrassenblicks, sondern auch wegen der musikalischen und literarischen Genüsse, die in seinen Mauern geboten werden.

Jetzt war es der deutsch-indische Pianist Pervez Mody, der mit einem sehr besonderen Programm gekommen war. Seine ganze Liebe gilt Alexander Skrjabin, jenem ebenso radikalen wie exaltierten Phantasten unter den russischen Komponisten aus der Zeit des Wechsels zum 20. Jahrhundert, der eine absolute Sonderstellung einnimmt. Auf anschauliche Weise zeigte Mody aber auch, woher der Komponist kam - aus einer tiefen Chopin- und Lisztverehrung -, und wohin sein Weg führte, nämlich in die Welt mystischer Farben und der Atonalität.

Pervez Mody setzte sich mit Leidenschaft für Skrjabin ein, schnörkellos, farbenreich und mit respektablem pianistischen Können ausgestattet. Ja, die wuchtigen und klanglich raffinierten Solostücke Skrjabins waren ganz sein, wobei es der Komponist seinen Pianistenkollegen nun ganz gewiss nicht leicht gemacht hat. Kein Problem für Mody! So ließ er sich von den virtuosen Verwicklungen der drei Etüden aus Skrjabins oft chopinesk anmutenden op. 8 nicht verblüffen, sondern spielte sie sehr natürlich und nicht aufgesetzt. Ähnliches gilt für die knappen Miniaturen Morceaux op. 2. Ein Klavierstück nur für die linke Hand - hier das Nocturne op. 9 - übt immer einen besonderen Reiz auf die Höre aus, speziell wenn es so schön dicht und fein nuanciert musiziert wird wie durch Pervez Mody an diesem Abend.

Mit seiner 5. Sonate op. 53 aus dem Jahre 1907 stieß der Klang-Ekstatiker Skrjabin endgültig das Tor zu einer harmonisch und gedanklich neuen Sonatenwelt auf. Mody folgte ihm auf diesem Weg des auskomponierten Klangrausches mit jener Übersicht und tiefen Emotionalität, die für die überwältigende Entfaltung ihrer dunkel-sinnlichen Pracht unabdingbar war.

Vor der Pause kamen dann sozusagen Skrjabins geistige "Lehrmeister" zu Wort - Mendelssohn mit dem flirrenden Zauber seines Scherzo op. 16 oder der durch die Liszt-Transkription aufgeweichten Schlichtheit des Liedes ohne Worte "Auf Flügeln des Gesangs". Und natürlich Chopin - nicht harmlos verträumt, sondern recht kraftvoll, gelegentlich zu kraftvoll und laut, etwa im einleitenden Scherzo cis-Moll op. 39 oder in der heroisch auftrumpfenden Fantasie op. 49. Da wäre insgesamt eine subtilere Herangehensweise von Vorteil gewesen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2015

Mareile Hanns

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