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"Vor Augen gestellet": Das Heinrich-Schütz-Musikfest 2015 verbindet Bilder und Töne - Der Vorverkauf ist gestartet -Dresden ist einer der Veranstal...

"Vor Augen gestellet": Das Heinrich-Schütz-Musikfest 2015 verbindet Bilder und Töne - Der Vorverkauf ist gestartet -Dresden ist einer der Veranstaltungsorte

Es ist eine alte Geschichte von Auge und Ohr. Der Renaissance-Komponist Orlando di Lasso (1532-1594) erhielt in München von seinem kunstsinnigen Herrn, dem Bayernherzog Albrecht V.

, 1559 den Auftrag, die sieben sogenannten Bußpsalmen zu vertonen. Was ihm mit Bravour gelang. Der Herzog soll dermaßen entzückt gewesen sein, dass er die Noten auf Pergament abschreiben, in zwei gewaltige Foliobände binden und von Malern mit kostbaren Miniaturen verzieren ließ. So zart und fein seien diese Bilder gestaltet, soll Massimo Trojano, ein Gefährte di Lassos, geschwärmt haben, als wollten die gemalten Figuren Gesänge anstimmen.

Davon können sich Besucher des von den Dresdner Neuesten Nachrichten präsentierten Heinrich-Schütz-Musikfestes in diesem Jahr ein eigenes Bild machen. Bei einem Konzert im Zeitzer Dom werden die Miniaturen per Projektion gezeigt, dazu stimmt das Dufay Ensemble di Lassos Gesänge an. Malerei und Musik, diese beiden "Geschwisterkünste", miteinander zu verbinden, wird bei dem Musikfest vom 1. bis 11. Oktober zum Leitmotiv, wie Intendantin Christina Siegfried sagt. Unter dem Motto "vor Augen gestellet" sind rund 50 Veranstaltungen in sieben Städten Sachsen, Sachsen-Anhalts und Thüringens geplant. Karten dafür kann man sich jetzt im Vorverkauf sichern.

Ein "opulentes Programm", wie die Intendantin meint, mit dem Konzertbesuchern die Musik- und Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts breit und vielfältig vor Augen gestellt werde. Von historischer Aufführungspraxis bis zu Interpretationen aus heutiger Perspektive reicht das Spektrum.

Verknüpft wird das in diesem Jahr mit dem Internationalen Heinrich-Schütz-Fest. 2013 war es in Venedig, 2014 in Kopenhagen zu Gast, dieses Jahr in Dresden. Auch hier wird das Akustische mit dem Visuellen verknüpft. Unter dem Motto "Komponierte Bilder" will es in Vorträgen, Symposien, Führungen und Konzerten "Glaubenspropaganda zwischen Luther und Schütz" beleuchten, wie Sieglinde Fröhlich, Geschäftsführerin der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft sagt. Damit folgen beide Festivals den Themenjahren der Lutherdekade, mit der die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das 500. Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet. 2015 steht unter der Überschrift "Bild und Bibel".

Im Auftaktkonzert des Internationalen Schütz-Festes interpretiert die Cappella Augustana, ein Spitzenorchester aus Italien, unter ihrem Gründer Matteo Messori in der Schlosskapelle des Dresdner Schlosses geistliche Werke von Schütz, Albrici und Peranda.

Der Dresdner Kreuzchor kann seinen Ruf als wesentlicher Interpret der Schütz-Pflege seit den 1920er Jahren unter Beweis stellen, wie Chordirigent Peter Kopp sagt. Einen "Musicalischen Cosmos" öffnet das Ensemble unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile in der Dresdner Kreuzkirche. Neben Schütz-Gesängen erklingen Werke von Sethus Calvisius und Johann Hermann Schein. In die Zeit des Musikfestes fällt der 430. Geburtstag von Heinrich Schütz (1585-1672) am 8. Oktober. Gefeiert wird das mit einem Wandelkonzert, einer musikalischen Lesung und einem Festkonzert.

Für seine Musik ließ sich Schütz von den Italienern anregen: Aus Venedig brachte er den damals neuen konzertierenden Stil mit obligatem Generalbass nach Deutschland. Hier verknüpfte er ihn in gut protestantischer Manier mit Luthers Bibelprosa. Die längste Zeit seines Lebens wirkte der Sagittarius in Dresden. Folgerichtig ist die sächsische Landeshauptstadt Schwerpunktort.

Einzigartig ist das gemeinsame Projekt mit der Komponistenklasse Dresden: Schüler zwischen 8 und 19 Jahren entwickeln und komponieren ein Musiktheater, bei dem sie sich von einem barocken Gemälde aus der Sammlung Alte Meister in Dresden inspirieren ließen. Gemeinsam mit der Serkowitzer Volksoper wird "Der Traum der Frisöse" zum Festival in Dresden und Halle uraufgeführt.

Schwerpunkt ist zudem das 30-jährige Bestehen der beiden Heinrich-Schütz-Häuser in Bad Köstritz und Weißenfels am 10. Oktober. Dazu sind an beiden Orten ein Tag der offenen Tür und Familienkonzerte geplant. Hermann Max, einer der führenden Köpfe in Erforschung, Interpretation und Vermittlung der Barockmusik, ist in diesem Jahr "artist in residence". Mit seinen beiden Ensembles "Rheinische Kantorei" und "Das Kleine Konzert" gestaltet er an den drei Hauptspielorten Weißenfels, Bad Köstritz und Dresden die Festkonzerte. Seine Erfahrungen will er auch an junge Künstler weitergeben, etwa bei einem Workshop am Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium.

Auswahl aus dem Programm für Dresden

1. Oktober: 20 Uhr, Schlosskapelle Residenzschloss, geistliche Werke von Schütz, Vincenco Albrici und Giuseppe Peranda mit der Cappella Augustana

3. Oktober: 16 Uhr, Musikhochschule, "Der Traum der Frisöse", Schüler der Komponistenklasse Dresden und Serkowitzer Volksoper; 17 Uhr, Kreuzkirche, "Musicalischer Cosmos", Calvisius, Schein, Schütz mit dem Kreuzchor

4. Oktober: 19 Uhr, Annenkirche, Festkonzert des artist in residence mit Werken von Schütz, Banchieri, Colander, Monteverdi, Schein mit der Rheinischen Kantorei und Continuo-Gruppe Das Kleine Konzert unter Hermann Max

8. Oktober: 20 Uhr, Frauenkirche, "Meine Seele erhebt den Herrn", Werke von Schütz, Orlando di Lasso, Giovanni Gabrieli, Samuel Scheidt, Claudio Monteverdi mit La Chapelle Rhénane

9. Oktober: 19.30 Uhr, Friedenskirche Radebeul, Die Geistliche Chor-Music 1648 von Schütz, Dresdner Kammerchor

10. Oktober: 19 Uhr, Stadtmuseum, "Recital - pour passer la melancolie", Werke von Johann Jacob Froberger, Georg Muffat, Louis Couperin, Johann Caspar Friedrich Fischer, mit Andreas Staier am Cembalo

11. Oktober: 9.30 Uhr, Annenkirche, Festgottesdienst mit Mitgliedern der Cappella Sagittariana Dresden und Günter Seidel an der Orgel

www.schuetz-musikfest.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.05.2015

Tomas Gärtner

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