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Vor 350 Jahren starb Nicolas Poussin - mehrere Werke von ihm hängen in Dresdens Alten Meistern

Vor 350 Jahren starb Nicolas Poussin - mehrere Werke von ihm hängen in Dresdens Alten Meistern

In vielen Kunstbänden über die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister erscheint auch Nicolas Poussins "Reich der Flora". Schon seit 1722 ist das Bild dort im Bestand und wurde oft reproduziert, wenn auch nicht gerade für die heimische gute Stube.

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Nicolas Poussin. Das Reich der Flora. 1630/31. Öl auf Leinwand. Gemäldegalerie Alte Meister, SKD.

Quelle: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Dresden. Denn der Franzose - und da sind wir bei einem Problem, das sein gesamtes, ungefähr 250 überlieferte Werke umfassendes Œuvre angeht - war unter technischen wie ideengeschichtlichen Gesichtspunkten immer hoch anerkannt, aber kaum wirklich populär. Zu beherrscht und anti-sinnlich, zu statuarisch-distanziert, so scheint es, schauen seine Figuren an uns vorbei (es gibt nur ganz selten direkten Blickkontakt) - selbst wenn sie als Heilige grausame Martyrien erleiden; oder, am anderen Pol seiner thematischen Palette, von göttlichen Amouren träumen wie eine ruhende Venus auf den Spuren Tizians - nur eben ohne dessen weich strahlenden Hautschimmer - und das Personal vieler anderer mythologischer Szenerien.

Die reizende junge Göttin wie auch das Dresdner Bild stammen von ungefähr 1630. Damals lebte Poussin, 1594 als Sohn eines verarmten Landedelmannes geboren, schon über fünf Jahre in Rom, war frisch verheiratet und auf dem ersten Gipfel seiner Schaffenskraft. Die Studienmöglichkeiten im Zentrum der antiken wie aktuellen katholischen Welt waren riesig; Poussin widmete sich ihnen mit Intensität wie Systematik gleichermaßen, verfasste selbst kunsttheoretische Schriften und kannte nicht nur die aktuellen Strömungen, sondern auch altrömische Reliefs und Plastiken, deren Kompositionen und Posen er unmittelbar in seine Bildwelt integrierte und mit "idealen", also ebenso frei wie schön erfundenen Architekturen und Landschaften, sowie einer kräftig-trockenen, dekorativ ausgewogenen, aber atmosphärisch eher kühlen Farbpalette verband - alles Qualitäten, die ihn zu einem Vermittler zwischen der Welt der Hochrenaissance und den späteren Klassizisten machten.

Gewaltig waren in seiner römischen Wahlheimat, wo er bis zu seinem Tod heute vor 350 Jahren (unterbrochen durch ein kurzes Paris-Zwischenspiel) verblieb, freilich nicht nur die Anregungen, sondern auch die Konkurrenz mit anderen Kollegen war es: Der geborene Normanne gelangte nie in den inneren Zirkel der päpstlichen Auftragnehmer. Die Besteller seiner Bilder waren eher Diplomaten und Verwaltungs-Aristokraten - ein elitärer, hoch gebildeter Zirkel, der diese Meisterwerke für seine Privatgalerien und -kapellen in Besitz nahm. Das begünstigte nicht nur Poussins hoch artifizielle, durchstilisierte Linearität, sondern auch allegorische Verschlüsselungen, die vor allem bei seinen komplexeren Kompositionen den heutigen Zugang nicht unbedingt leichter machen. Der drastische Selbstmord in der linken Zone des eigentlich entspannt-fröhlichen "Flora"-Bildes etwa meint den griechischen Helden Ajax, aus dessen Blut eine Hyazinthe entsprossen sein soll. Doch was uns inzwischen verrätselt anmutet, war für die damaligen Auftraggeber Teil eines intellektuellen Diskurses auf Augenhöhe; die energisch-würdevolle und nahezu aristokratische Anmutung, die sich Poussin in zwei Selbstbildnissen um 1650 gab, war in seinem Falle keineswegs nur Wunschtraum. Die romantische Künstlerlegende vom zwangsläufig unverstandenen Genie jedenfalls geht bei ihm gründlich daneben, was ja wirklich nicht gegen seine Zeit spricht - und gegen ihn als Person natürlich noch weniger.

von Gerald Felber

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