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Vor 200 Jahren wurde der Dresdner Dichter Otto Ludwig geboren

Vor 200 Jahren wurde der Dresdner Dichter Otto Ludwig geboren

Das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit ist bis heute ein wichtiger Teil der literarischen Diskussion. Mitte des 19. Jahrhunderts suchte man dieses Verhältnis mit dem Begriff des Realismus zu erfassen.

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Otto Ludwig

Quelle: Archiv

Realismus ist seitdem nicht nur eine Bezeichnung für die besondere Wirklichkeitstreue eines künstlerischen Werkes, sondern auch die Bezeichnung für eine literarische Epoche, die auf die Literatur des Biedermeier und des Vormärz folgte und gegen Ende des Jahrhunderts vom Naturalismus abgelöst wurde. Ein Vertreter dieser Epoche war Otto Ludwig, der in seinen Romanstudien den Begriff des poetischen Realismus einführte und darunter eine ästhetische Bereicherung der Wirklichkeit verstand. Die Literatur sollte die Welt noch einmal schaffen, die "nackten Stellen" des Lebens "überblumen", die poetischen "nicht über die Wirklichkeit" hinausschieben, also keine phantastische Welt entstehen lassen.

Geboren wurde Otto Ludwig am 12. Februar 1813 in Eisfeld (Landkreis Hildburghausen). Zur Waise geworden, musste der Sohn des Stadtsyndikus das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und ging bei seinem Onkel, von dessen Erbe er später lebte, in eine kaufmännische Lehre. Ein Stipendium des Meininger Herzogs ermöglichte ihm ein Musikstudium bei Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, das er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Zwei frühe Opern wurden in Eisfeld aufgeführt, dann entschied sich Ludwig für die Literatur. Er lebte sehr zurückgezogen, teils in seinem Heimatstädtchen, teils in Taubenheim bei Meißen. Erste Besuche führten ihn 1843/44 und 1847 nach Dresden, wo er unter anderem mit dem Schauspieler Eduard Devrient Freundschaft schloss.

Devrient spielte dann 1850 auch die Hauptrolle in Otto Ludwigs Drama "Der Erbförster" in dem das engstirnige Rechtsbewusstsein zweier Freunde deren sich liebende Kinder in den Tod treibt. Es sollte sein erfolgreichstes Stück bleiben, die Annahme der Tragödie am Hoftheater Dresden hatte ihn zur endgültigen Übersiedlung nach Dresden bewogen. Hier entstanden weitere Stücke wie die historische Tragödie "Makkabäer" oder "Agnes Bernauer". Wie später in den "Romanstudien" setzte sich Ludwig auch mit dem Drama, in dem er die höchste dichterische Ausdrucksform sah, theoretisch auseinander. Die aus dem Nachlass veröffentlichten "Shakespeare-Studien" sind geprägt von der Bewunderung für den großen Dramatiker, enthalten aber auch eine Polemik gegen Schiller.

Selbst konnte er den theoretisch formulierten Anforderungen in seinen Stücken allerdings kaum gerecht werden. Bedeutung erlangte er dagegen durch seine realistischen Erzählungen, allen voran durch "Zwischen Himmel und Erde" (1856), einem Text, der Probleme wie Kommunikationslosigkeit und den Widerspruch zwischen Schein und Sein thematisiert und durch meisterhafte psychologische Gestaltung besticht. Die Erzählung kann als Vorläufer des modernen psychologischen Romans gelten. Die Novelle "Die Heiterethei und ihr Widerspiel" (1857) eröffnete die literarische Auseinandersetzung mit seiner thüringischen Heimat und beeinflusste die Entwicklung der Heimatliteratur in jener Zeit.

Otto Ludwig war Mitglied der "Dresdner Montagsgesellschaft", neben den Brüdern Devrient zählten Karl Gutzkow, Berthold Auerbach, Ferdinand Oehme und Ludwig Richter zu den Dresdner Freunden des scheuen Dichters. Er wohnte von 1849 bis 1852 im Gasthof "Trompeterschlösschen" am Dippoldiswalder Platz, wo später eine Gedenktafel und ein Otto-Ludwig-Zimmer bis zur Zerstörung des Hauses 1945 an seinen Aufenthalt erinnerten. Den Sommer 1853 verbrachte er in Loschwitz, im Haus Veilchenweg 1. Nach seiner Eheschließung mit Emilie Winkler (aus der Ehe gingen vier Kinder hervor) zog er in ein Gartenhäuschen in der Äußeren Rampischen Gasse (Pillnitzer Straße 35). Ab 1860 litt Ludwig an Nervenfieber, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich ständig, so dass viele Arbeiten unvollendet blieben. Literarische Texte traten zudem immer mehr hinter die theoretischen Reflexionen zurück. Otto Ludwig starb, fast mittellos, am 25. Februar 1865 in Dresden, sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof. Seit 1911 erinnert eine Porträtstele von A. Kramer auf der Bürgerwiese an den poetischen Realisten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2013

Jens Wonneberger

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