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Vor 15 Jahren gründete die Familie Kröser die Brücke-Most-Stiftung zum deutsch-tschechischen Austausch

Vor 15 Jahren gründete die Familie Kröser die Brücke-Most-Stiftung zum deutsch-tschechischen Austausch

Es ist ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie privates Engagement eines Einzelnen ein ganzes Netz an Kulturbeziehungen zwischen zwei Nachbarländern entstehen lässt.

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Professor Helmut Köser

1997 haben der Freiburger Politikwissenschaftsprofessor Helmut Köser und seine Mutter einen beträchtlichen Teil ihres Familienvermögens aus der Hand gegeben, um eine Stiftung zu gründen, die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik, Begegnungen und grenzüberschreitende Bildungsarbeit finanziert. Im 15. Jahr ihres Bestehens ist die "Brücke/Most-Stiftung" Mitorganisator eines tschechisch-deutschen Kulturfestivals, organisiert Zeitzeugenprojekte, anspruchsvollen Tourismus und unterstützt tschechische Musikstudenten. Ihr Jubiläum feiert sie mit einem Konzert am 16. September (17 Uhr) an ihrem Sitz in Dresden, der "Brücke-Villa", einem Jugendstil-Gebäude in Blasewitz.

Das Erlebnis des Prager Frühlings 1968 hat Helmut Köser, heute 72, in einem Interview mit der "Prager Zeitung" als ein Motiv genannt, das ihn zur Gründung der Stiftung be-wog. Ein zweites: Was er während des politischen Umbruchs 1989 und in den Jahren danach erlebte, als er in sächsischen Kommunen als Berater unterwegs war. Zudem tauch-ten in seinen Politikwissenschafts- seminaren mehr und mehr Studenten aus der Tschechischen Republik auf. Vor allem jedoch: "Es ist das Land und seine Kultur, seine Geschichte. Das alles hat mich wohl ebenso fasziniert wie die politischen Themen."

Hart getroffen hat die Brücke/Most-Stiftung wie alle Stiftungen die Finanzkrise von 2008. Mit dem allgemeinen Zinsniveau sanken auch die Erträge, aus denen sie ihre Arbeit finanziert. Konnte sie 2004 noch mit sechs Prozent aus den rund 4,5 Millionen Euro Stiftungskapital rechnen, so sind es heute maximal anderthalb Prozent. "Die Folgen sind dramatisch", sagt Stiftungs-Geschäftsführer Peter Baumann. "Wir mussten mehr als hunderttausend Euro einsparen." Zusätzliche Aufgaben hatten die Mitarbeiter nun selbst zu bewältigen, dazu waren die Ausgaben zu senken. Das Büro in Freiburg im Breisgau, dritter Standort neben Dresden und der Außenstelle in Prag, wurde zu einem Vorstands-Sekretariat verkleinert. Schon sah Helmut Köser die Tschechisch-Deutschen Kulturtage in Dresden in Gefahr. Denn auch das Tschechische Zentrum - wichtigster Mitveranstalter - wurde 2010 geschlossen.

Mittlerweile hat sich die Stiftung gefangen. Die Kulturtage wird es auch in diesem Jahr geben, Ende Oktober / Anfang November. Ähnliche Veranstaltungen gibt es ebenso andernorts. "Doch dies ist die größte Präsentation tschechischer Kultur im Ausland", sagt Peter Baumann. Seit 2004 kommen jedes Jahr um die 10 000 Besucher.

"Geschichte verbindet" heißt ein weiteres Projekt der Stiftung. Schulklassen aus der deutsch-tschechischen Grenzregion suchen in ihren Orten nach Spuren aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Diktatur unter der kommunistischen Partei bis 1989. Die Schüler besuchen Archive und Gedenkstätten. Höhepunkt ist das Gespräch mit einem Zeitzeugen. Außer diesem Projekt organisiert die Stiftung Studienfahrten, Seminare, Tagungen und Workshops. Auch Fortbildungen. Die nächste am 13. September etwa, für Pädagogen und Studenten, beschäftigt sich mit Regimegegnern im Sozialismus.

Beim Jubiläumskonzert am 16. September sind jene tschechischen und slowakischen Studenten an der Dresdner Musikhochschule Carl Maria von Weber zu erleben, denen die Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austausch-dienst (DAAD) für jeweils ein Jahr ihr Hauptstudium mit einem Stipendium finanziert. Insgesamt 27 sind seit 2001 in diesen Genuss gekommen.

In der tschechischen Hauptstadt unterhält die Stiftung seit fünf Jahren "Pragkontakt" - ein Büro, das für Schulklassen, Gruppen von Erwachsenen und Senioren nach Wunsch Ausflüge in die Moldaustadt mit besonderem Programm organisiert. Begegnungen von Schülern in einem Tonstudio zum Beispiel oder ein gemeinsames Fußballspiel. Eigens ausgebildete Stadtführer leiten Touren zu Themen wie dem Prager Frühling 1968, "Charta 77", "Samtene Revolution" 1989 oder Vaclav Havel, wie Peter Baumann erzählt. "Auf denen erfahren sie wesentlich mehr als andere Touristen."

Jubiläumskonzert "15 Jahre Brücke/Most-Stiftung - 5 Jahre Pragkontakt" am Sonntag, 16. September, 17 Uhr, in der Dresdner Brücke-Villa, Reinhold-Becker-Str. 5. Stipendiaten spielen Werke von Poulenc, Chopin, Schumann, Saint-Saëns, Ganne, Dvorak

www.bruecke-most-stiftung

www.pragkontakt.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2012

Tomas Gärtner

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