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Vor 100 Jahren starb in Dresden die Hofschauspielerin Pauline Ulrich

Schauspielerin voller Vornehmheit Vor 100 Jahren starb in Dresden die Hofschauspielerin Pauline Ulrich

Am 25. Mai 1916 ist in Dresden die Hofschauspielerin Pauline Ulrich verstorben, die anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums 1909 zur Professorin der Schauspielkunst ernannt worden war. Das Stadtarchiv Dresden würdigt sie in einer Ausstellung.

Pauline Ulrich

Quelle: Archiv

Dresden. Es ist wahrhaft nicht so leicht, eine längst dahingegangene Persönlichkeit wieder „auferstehen“ zu lassen, sie so umfassend und nah darzustellen, dass man eine Ahnung bekommen kann von dem, was ihr Leben und Wirken so besonders machte. Am 25. Mai 1916 ist in Dresden die Hofschauspielerin Pauline Ulrich verstorben, die anlässlich ihres 50jährigen Bühnenjubiläums 1909 zur Professorin der Schauspielkunst ernannt worden war.

Im Stadtarchiv Dresden ist jetzt zu ihrem 100. Todestag eine Ausstellung eröffnet worden, die sich absolut sehen lassen kann in ihrer Vielfalt an historischen Zeugnissen, Archivalien, Büchern, Fotografien, persönlichen Erinnerungsstücken wie auch Mobiliar aus Familienbesitz, das dafür speziell nach Dresden gebracht worden ist. Da werden nicht nur recherchierte, reflektierende Materialien vorgestellt, sondern ebenso die „Dinge des Lebens“, die sie umgeben haben und sich nun in der Obhut von Nachkommen der Familie befinden. Kein Wunder also, dass zur Eröffnung der Ausstellung im Stadtarchiv gleich acht Familienmitglieder aus der Schweiz, Kanada sowie Deutschland anreisten. Und wenn man so will, dann besitzt die sympathische Sixtine Crutchfield aus der Schweiz quasi in fortgesetzter Generation durchaus auch Ähnlichkeit mit Pauline in etwas jüngeren Jahren. Sie hatte übrigens ein Buch aus den USA mit einer Sammlung von Todesanzeigen mitgebracht, in dem Pauline Ulrich mit einem Kuriosum vertreten ist. Ein übereifriger Reporter hatte in einer Depesche fälschlicherweise berichtet, diese sei auf Sylt verstorben, so dass 1886 in den „Dresdner Nachrichten“ ein Nekrolog zum Ableben der großen Künstlerin erschien. Worauf sie vermeldete, dass sie durchaus wohlauf sei. Und so lebte sie weitere 30 Jahre, starb 81-jährig im Jahre 1916 und wurde auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden neben ihren Eltern beigesetzt.

Das Grabmal erlitt durch die Flutkatastrophe 2002 erhebliche Schäden, die aber in den nachfolgenden Jahren durch eine rührige Initiative alter und neuer Verehrer wie auch Verehrerinnen (diese waren offenbar schon zur Beerdigung in der Überzahl) wieder behoben werden konnten. Den Dresdner Theaterbesuchern ist Pauline Ulrich übrigens vielleicht mehr vertraut, als sie es selbst ahnen, denn übersehen kann sie beileibe keiner, der durch das Parkettfoyer im Schauspielhaus wandelt und dabei diese imposante Gestalt auf dem 1906 entstandenen Gemälde von Georg Meckes entdeckt.

Ganz sicher kennt mancher auch noch andere Orte, die an sie erinnern. Zum Beispiel die nach ihr bereits 1926 benannte Ulrichstrasse (früher Schweizerstrasse) in Oberloschwitz. Pauline Ulrich besaß außer ihrer Stadtwohnung (Ostra-Allee 27) in Loschwitz ebenso ein Sommerhaus, die „Villa Paula“ am Körnerweg 12. Am Eingangstor finden sich noch heute ihre Initialen. Und neben dem Tor würdigt eine Sandsteintafel die Künstlerin mit der Merkwürdigkeit einer falschen Namensschreibung: „Hier wohnte 1876-1916 Pauline Ullrich Hofschauspielerein“

Beim Betrachten der entsprechenden Fotografien in der Ausstellung kam mir als allwissender Kenner glücklicherweise Bernd Beyer zu Hilfe, der natürlich auch dafür die genauen Hintergründe kennt und überhaupt viele Geschichten zu erzählen weiß. Er hat als begnadeter Sammler auch zu dieser biografischen Übersicht mehrere Objekte als Leihgaben beisteuern können.

Es gibt so viel zu sehen und zu lesen – mit, von und über Pauline Ulrich, zu ihren Rollen, den Wohnorten, ja selbst zur Versteigerung ihrer Theatergarderobe, die noch im Jahr ihres Ablebens stattgefunden hatte, dass man sich Zeit nehmen sollte für die Begegnung. Und dabei findet sich auch manch Überraschendes. So malte beispielsweise Richard Müller die Schauspielerin in markanter Haltung. Und man erfährt ebenso, mit welcherart berühmten Bildern (als Kopie) sie zusammenlebte.

Überhaupt ist es gut zu wissen, dass diese starke, besondere Frau, diese Künstlerin von spezieller Vornehmheit auch heute noch so viele Anhänger hat, und es ist höchst verdienstvoll, dass mit der Arbeit vom Frauenstadtarchiv in Kooperation mit dem Stadtarchiv sowie vielen Sammlungen, Archiven und privaten Leihgebern immer wieder hervorragende Frauen ins Gedächtnis zurückgebracht werden. Sie haben mit ihrem Wirken zum Ansehen der Stadt beigetragen, und das nicht nur auf künstlerischen Gebiet.

Wer also mehr über Pauline Ulrich erfahren, ein Stück weit in ihre Zeit und ihre Faszination eintauchen möchte, der sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Immerhin ist die Ausstellung im Stadtarchiv Dresden, Elisabeth-Boer-Strasse 1, noch bis zum 2. September zu sehen, geöffnet jeweils Montag/Mittwoch 9 bis 16 Uhr, Dienstag/Donnerstag 9 bis 18 Uhr und Freitag 9 bis 12 Uhr.

Von Gabriele Gorgas

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