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Von Röttgen bis Gorbitz - Die Spätzünder luden zur Sonderausgabe ihrer Show

Von Röttgen bis Gorbitz - Die Spätzünder luden zur Sonderausgabe ihrer Show

Man sollte meinen, dass die immer rasanter werdenden derzeitigen Bocksprünge deutscher und europäischer Politik das Spätzünder-Trio Philipp Schaller, Erik Lehmann und Michael Feindler nebst der Band Les Bumms Boys zur Sonderausgabe ihres Politsatiremagazins animiert hatten.

Doch weit gefehlt. Natürlich waren die ausgesprochen gehäuft auftretenden Purzelbäume eines Herrn Röttgen und die nicht minder rasanten Hüh-und-Hott-Eskapaden der Kanzlerin und ihrer Regierungsmannschaft (wie auch die der Opposition) ein wichtiges Thema im kabarettistischen Exkurs der Juniorenmannschaft der Herkuleskeule, der sich - nicht nur, aber immer besser - als satirischer Bildungsauftrag für das nachwachsende Kabarettpublikum begreift.

Letzteres hat nicht nur mit den erstaunlich vielseitigen und vor allem rockig frischen Songs der drei Rostocker Rockmusiker zu tun, sondern natürlich auch damit, dass das ansonsten eigentlich als "politikabstinent" eingestufte jugendliche Publikum durch das Trio geschickt zum Mitdenken animiert wird. Diese Zielgruppe ist für die Zukunft des politisch-satirischen Kabaretts existenziell. Das hat mit veränderten Seh- und Hörgewohnheiten, aber auch mit einem veränderten Verhältnis zwischen Publikum und Akteuren zu tun. Die Spätzünder-Show machte und macht deutlich, dass junge Menschen durchaus bereit sind, sich der Satire zu öffnen - nur eben in einer etwas anderen Form, als der seit Jahrzehnten praktizierten. Man möchte in die Prozesse einbezogen werden, möchte sich äußern dürfen und können, möchte nicht nur im Parkett sitzen müssen, während "die da oben" sich einen abstrampeln.

Schaller, Lehmann und Feindler brechen dabei geschickt die zwar ungeschriebene, doch seit Jahrzehnten gültige Ordnung auf und werden eins mit ihrem Publikum. Dabei stellen sie dennoch alles irgendwie auf den Kopf. "Endlich weg vom Lagerfeuerimage", freut sich Feindler. Dagegen sieht sich Lehmann als Fels in der Brandung, während Schaller glaubhaft versichert: "Ich bin doch hier der Röttgen!" Schon der Auftakt des Abends überzeugte mit einer bissigen Mixtur aktueller Sichten auf die Politstimmung im Lande. Gleich danach springt Schaller mit seiner Geschichte "Wie die Gorbitzer endlich glücklich werden" mitten hinein ins soziale Herz der Landeshauptstadt.

Bissig widmet sich das Trio auch der ausufernden Anzahl von Casting-Shows. Und den durch die Juroren Detlef, Dieter und Nina (nomen est omen) abgelassenen Wertungen. Natürlich dürfen auch jene nicht von Blessuren verschont bleiben, die sich freiwillig für solch ein Panoptikum bewerben.

Zu einem wahren Höhepunkt wird die Geburt der Polit-Talk-Show mit dem wunderbar verbindlichen Titel "Blass aber leer". Das hohle Geschwätz so mancher Politgröße wird darin ausgesprochen süffisant seziert. Erfrischend auch der Besuch in der ganz besonders wertvollen Kuppel-Sendung Astro-TV. Großartig auch Lehmanns Auftritt als Russe, der zwingend logisch die politischen Erfolge Wladimir Putins erläutert und ihm das Gütesiegel "lupenreiner Demokrat" zuerkennt. W. Zimmermann

nächster Spätzünder im Juli

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2012

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