Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+
Vom Wohl und Wehe einer Doppeltournee: Der Dresdner Kreuzchor bereist Japan und Deutschland

Vom Wohl und Wehe einer Doppeltournee: Der Dresdner Kreuzchor bereist Japan und Deutschland

Das Fußballspielen ist für den Rest der Woche gestrichen. Mit einigem Grummeln nehmen die Kruzianer die Anweisung von Chordirigent Peter Kopp hin.

Nicht, dass der den Jungs die kleine Abwechslung im Probenalltag nicht gönnen würde. Was er aber jetzt beim besten Willen nicht gebrauchen kann, ist eine Grippewelle im Chor. Also: Keine erhitzten Knaben auf dem Bolzplatz unterm grau-nieseligen Novemberhimmel!

Im Dresdner Kreuzchor nämlich herrscht so schon Ausnahmezustand. Die jungen Sänger absolvieren parallel zwei Konzerttourneen. 36 Choristen sind am Montag nach Japan gestartet, wo sie unter Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile neun A-cappella-Konzerte mit adventlichen Motetten und Weihnachtslieder geben. Gestern stand in Nagoya der erste Auftritt an, heute folgt eines von drei Konzerten in Tokio. Eine größere Chor-Fraktion gibt sich derweil den letzten Schliff für die traditionell im Dezember stattfindende Deutschland-Reise. Die beginnt am Sonntag - nach der Adventsvesper am Sonnabend, 17 Uhr in der Kreuzkirche - , und führt 66 Choristen unter Peter Kopp nach Magdeburg, Dortmund, Braunschweig, Berlin und Johanngeorgenstadt.

"Gegenüber 2008, als es schon einmal so eine Doppel-Tournee gab, hatten wir diesmal eine längere Vorbereitungszeit", steht Peter Kopp der besonderen Herausforderung relativ gelassen gegenüber. Und er freut sich über "seine" Jungs: "Die Stimmung ist gut. Sie sind hoch motiviert, und es geht in Ordnung für sie, dass sie hier sind und nicht in Japan." Beide Reisen als absolut gleichwertig zu betrachten, ist allein schon aus künstlerischen Gründen notwendig. Hier wie dort sieht man sich hohen Erwartungen gegenüber, in Magdeburg wie in Osaka muss der Chorklang den Kreuzchor repräsentieren, muss stimmlich ausgewogen, musikalisch sicher und punktgenau abrufbar sein. Kreuzkantor und Chordirigent haben die Besetzungen Stimme für Stimme sorgsam abgewogen; der Tenor der Deutschland-Fraktion erhält Unterstützung durch ein paar ehemalige Kruzianer. Für die Choristen ist ein solches auseinander Dividieren durchaus mit Umstellungen verbunden. Da ist eben nicht nur das Bett des Kumpels im Alumnat leer, es fehlt auch der gewohnte Sangesnachbar. "Das sollte man wahrlich nicht zu oft machen", sagt Peter Kopp, "aber die Jungs können daran auch wachsen. Plötzlich müssen Leute Verantwortung übernehmen, die das bislang noch gar nicht gewohnt waren." Erfreut erlebt der Dirigent, wie aus eher zurückhaltenden Mitsängern Zugpferde werden, oder dass sich blitzschnell beflissener Ersatz für "Kofferträger" (die Verantwortlichen für die Anzüge) und "Ratser" (die Notenwarte) gefunden hat. "Die Noten liegen vor jeder Probe förmlich auf Kante sortiert bereit", schmunzelt Kopp.

Auch für ihn, der einst selbst Kruzianer war, ist die bevorstehende Reise etwas Besonderes: "Ich freue mich darauf, zwischen der täglichen Arbeit auch einmal bei Tournee-Konzerten als Dirigent vor dem Chor zu stehen", sagt Kopp, der die Stelle als Chordirigent jetzt seit 17 Jahren bekleidet.

Außer einem um sich greifenden Virus fürchtet er eigentlich nur noch mögliche Wetterunbilden. Die Kruzianer werden mit dem Bus unterwegs sein, und der Zeitplan speziell der ersten drei Tage ist eng gestrickt. Vormittags Fahrt, Probe am Auftrittsort, Konzert, Übernachtung, am nächsten Tag das gleiche Spiel. "In Berlin kehrt dann ein wenig Ruhe ein, da sind wir viereinhalb Tage vor Ort, darauf freuen sich die Jungs immer besonders", berichtet der Chordirigent.

Die drei Auftritte im Konzerthaus sind seit Jahrzehnten feste Konstante im Kreuzchor-Plan. Dort musiziert der Chor - nach den A-cappella-Adventsprogrammen in den anderen Städten - zusammen mit dem Konzerthausorchester; Peter Kopp hat dafür das Magnificat g-Moll von Vivaldi, die Motette "Venite pastores" von Johann Adolf Hasse sowie Baldassare Galuppis Weihnachtsmesse für San Marco ausgewählt. "Die Berliner lieben den Chor, die Konzerte dort sind immer wie ein Heimspiel. Trotzdem müssen wir natürlich sehr gut sein"

Derweil dürften sich auch die durch Japan tourenden Kruzianer einem begeisterten Publikum gegenübersehen. Doch auch sie müssen auf dieser achten Gastspielreise des Chores auf den asiatischen Kontinent ihr Bestes geben, treten doch die 36 Sänger in großen Sälen auf, darunter die Tokyo Opera City Hall, in der das japanische Staatsfernsehen NHK das Konzert aufzeichnet. Neben den schon genannten Städten stehen Sapporo und Hakodate auf dem Tourplan, zudem ein Auftritt in der Provinz Miyagi, jener Region, die besonders schwer vom Tsunami im Jahr 2011 betroffen war. "Ich erhoffe mir, dass wir mit der Musik auch unser Mitgefühl vermitteln und unsere Hochachtung vor dem Wiederaufbauwillen der Menschen erweisen können", so Kreuzkantor Kreile im Vorfeld der Tournee.

Am 10. Dezember werden "die Japaner" wieder in Dresden erwartet, einen Tag später kehren auch die anderen Kruzianer zurück. "Hinterher ist der Chor immer ganz stark, da sind sie alle Helden", weiß Peter Kopp schon jetzt. Das wird ihnen auch gut tun, denn der Dezember - und damit die Hochzeit im Kalender eines Kruzianers - ist dann noch lange nicht zu Ende. Schon am 14. Dezember steht das erste Weihnachtsoratorium an. Sybille Graf

Adventsvesper des Dresdner Kreuzchores: Sonnabend, 17 Uhr, Kreuzkirche. Unter Leitung von Peter Kopp erklingen Motetten u.a. von Reger, Grieg, Kodály, Eccard und Stobaeus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.11.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr