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Vom Tippen und Toben - Bei der Kunstausstellung "Springhouse" verschwimmen die Grenzen

Vom Tippen und Toben - Bei der Kunstausstellung "Springhouse" verschwimmen die Grenzen

Ein nervöses Kribbeln bleibt nicht aus. Wer klopft schon gerne an eine Bürotür, ohne zu wissen, was einen dahinter erwartet und mit welcher bürokratischen Finesse hier gleich eine beflissene Beamtin aufwarten wird? Doch das installative "BUERO" im Zimmer 313 des Bürokomplexes auf der Tannenstraße ist zum Glück ganz anders.

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Jeannine Große und Philine Kuhn, die Schöpferinnen des Buero.

Quelle: Amac Garbe

Zwei nette junge Frauen bitten in einem gemütlichen Sessel Platz zu nehmen, neben dem üblichen Büroinventar quellen bunte Kleider und Kuscheltiere aus dem tristen Schrank. Das Thema der Sprechzeit darf selbst gewählt werden - zum Beispiel eine Anzeige aufgeben und archivieren lassen, sich für ein partizipatives Kunstprojekt anwerben lassen oder erfahren, was BUERO für seine Erfinderinnen ist. Geöffnet haben die beiden BUERO-Künstlerinnen Jeannine Große und Philine Kuhn um 17 Uhr und um 20 Uhr für jeweils eine Dreiviertelstunde. "Den Rest der Zeit verbringen wir mit Tippen und Toben."

Das BUERO der beiden Kunststudenten aus Halle bildet geradezu eine konzeptuelle Klammer um das Kunstfestival "Springhouse", das sich in diesem Jahr dem thematischen Schwerpunkt "Wie wollen wir leben? Wie wollen wir arbeiten?" widmet. So wie das BUERO-Künstlerduo die Kunst als Werkzeug benutzt, indem es detaillierte, liebevolle Anträge an Wohngeldstellen und Krankenkassen versendet und damit die prekäre Lebenssituation vieler Kreativer thematisiert, haben sich die meisten der 30 eingeladenen Künstler mit dem gegebenen Arbeitsumfeld auseinandergesetzt.

Hinter jeder Ecke des Außengeländes und in den labyrinthischen Gängen des ehemaligen DDR-Baukombinats, in dem heute verschiedene Firmen und Freelancer ihre Büros haben, trifft vom 22. bis 24. Mai Kunst auf Bürotristesse und Alltagsspuren.

Bereits im ehemaligen Pförtnerhäuschen am Haupteingang dürfen Besucher im "Informationsbüro" der Künstlerin Svenja Wichmann Informationen über Dresden abgeben. Auf einer Anhöhe hinter dem Gebäudekomplex hat sich die polnische Künstlerin Paulina Pankiewicz mit einer Videoinstallation die Alte Kantine erobert, und auf der Wiese ragt eine imposante, stoffverhüllte Skulptur empor. "Irgendwie kommt mir die Form bekannt vor," überlegt ein vorbeilaufender Besucher. So ginge es vielen Dresdnern, erzählt der Erschaffer der mysteriösen Plastik. Der australische Künstler Damien Rudd durchforstete in Vorbereitung auf die "Springhouse"-Ausstellung Kataloge über Dresden und fand eher am Rande einen Eintrag über die alte, in der Reichskristallnacht abgebrannte Synagoge und die heute unweit der neuen Synagoge aufgestellte Gedenkstele. Ob jener konkrete Denkmalnachbau oder einfach die Verhüllung an sich, das weiße Etwas regt in jedem Fall zu Assoziationen an.

Assoziieren und schwadronieren lässt es sich auf dem von "Springhouse" eingenommenen Büroareal sowieso allerorten dank der zum Verweilen einladenden Betten und Holzmöbel der französischen Künstlergruppe "boijeot.renauld.turon". Sie sind temporäres Wohninventar für alle residierenden Künstler, die hier bereits eine Woche vor Ausstellungsbeginn gelebt und gearbeitet haben. Während der Ausstellungszeit dürfen sich alle Besucher darauf tummeln, und sie tun es offensichtlich mit Freuden - bevorzugt in der Nähe der ebenfalls temporär aufgestellten Außenbar.

Um sich im verwinkelten Bürogebäude zurechtzufinden, gibt es übersichtliche Abreißzettel mit Etagengrundrissen oder für den intensiv-subjektiven Zugang die "AudioGYTES" in Form von retroesken Walkmans der Dresdner Künstlerin Lucy Freynhagen.

Erschließt sich einiges auch nicht sofort, so hält der Spaziergang durch die drei Etagen doch ein überraschendes Potpourri an unterschiedlichsten Künstlerpositionen bereit. So laden die noch nach altem Kaffee riechenden Tassen des Künstlers Volker Renner dazu ein, über Sinn und Unsinn eskapistischer Geschirrbedruckung nachzudenken, indem er seine Kaffeepötte mit trögen Bürotristessefotos versehen hat, und Anna Schimkats Soundperformance öffnet die Ohren für die Geräusche des Gebäudes, denn selbige hat sie an einem gewöhnlichen Arbeitstag im Bürogebäude aufgenommen und mischt sie live zu einer beeindruckenden Soundcollage.

Sowieso ist hier alles ständig in Bewegung. Gerade haben die Mädels vom BUERO Feierabend. Jetzt kommt der Toben-Teil.

Die temporäre Kunstausstellung "Springhouse" ist am heutigen Samstag noch einmal von 14 bis 21 Uhr im Bürokomplex auf der Tannenstraße 2 (über dem Alaunpark) geöffnet. www.spring-house.de Um 16 Uhr gibt es eine Kuratoren-Führung durch die Ausstellung, um 17 Uhr die Tanzperformance AIVD, und um 18 Uhr laden verschiedene Künstler zur Podiumsdiskussion in englischer Sprache über "How to live? Alternative forms of communication and living". Ab 21 Uhr endet das Kunstfestival mit einer Klangperformance und der Finissageparty.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2014

Susanne Magister

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