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"Vom Albertplatz zum Elbhang": Katrin Feists Bilder im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

"Vom Albertplatz zum Elbhang": Katrin Feists Bilder im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Bekannt geworden ist die Künstlerin zunächst - seit 1997 arbeitet sie frei - mit relativ stark abstrahierten Arbeiten, die strukturelle Aspekte wie die Tektonik einer Landschaft, Felsiges oder reizvolle Dachansammlungen betonten.

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Katrin Feist: Prager Straße, 80x100, Öl/Leinwand.

Quelle: Repro: HZDR

Ergebnis waren mehr oder weniger innere, selten einen Ort nennende Bilder, die hauptsächlich das Farbspektrum von Braun/Gelb und Blau, ergänzt von Weiß und konturierendem Schwarz, nutzten. Gleichwohl fühlte sich Katrin Feist (geb. 1966 in Dresden) schon damals auf die unmittelbare Begegnung mit Landschaft und Natur angewiesen, sei es im Sächsischen, in Dänemark oder in Tunesien.

Ab 2011 widmete sie sich dann verstärkt ihrer Heimatstadt. Forciert wurde dies von der Ankündigung einer existenziell bedrohenden Mieterhöhung für ihre damalige Wohnung am Albertplatz. Vermehrt bewegte sie die Frage: "In welcher Stadt lebe ich eigentlich, was prägt sie, was verändert sie?" Zunächst rückte das lebendige Areal um den Neustädter Bahnhof ins Blickfeld. Die Malerei wurde wie die Orte rau und ruppig. Feist betonte die technische Infrastruktur: Gleise, Masten, Stromleitungen, Ampeln. Die Farbpalette zeigte viel Schwarz und Grauabstufungen, die mit Rot, Blau und Gelb konkurrierten. Neue Akzente ergaben sich nach Ausdehnung des Radius in die Altstadt: Glätte und öde Weite prägen manche Bilder, ebenso Brachiales. Beispielhaft die Ansicht vom Postplatz. Neu sind Grüntöne - inspiriert von Naturinseln wie jener am Zwinger. Generell scheint die Künstlerin gerade das zu suchen, was jedem Hobbyfotografen ein Horror ist.

Viele der die aktuelle Ausstellung im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf prägenden Bilder, besonders jene, die 2013/14 entstanden, setzen zugleich neue Akzente. Man spürt eine gewisse Lockerheit - wohl Spiegel einer Entspannung im Alltag der Künstlerin, die inzwischen im Künstlerhaus wohnt. Im Ausstellungstitel "Vom Albertplatz zum Elbhang" ist dieser Ortswechsel, der zwangsläufig andere Sichten bereithält, auf den Punkt gebracht. Knüpfen zwei Bilder aus dem Jahr 2011 (Prager Straße, Baustelle Rathausgasse) an das Ruppige und technisch Affine an, erscheinen neuere Werke wie die beiden dem Hochhaus am Albertplatz oder dem Kraftwerk Mitte gewidmeten (2013/14) "gemäßigter". Von der vorgefundenen Situation ausgehend, gilt das ebenso für den Blick in die Sophienstraße oder auf den Fetscherplatz (2013). Gleichwohl sind auch diese Bilder nicht "zu harmonisch". Besonders interessant: In neueren Arbeiten wählt Katrin Feist oft kleine Ausschnitte, die sich auf technische Aspekte oder besonders öde Ecken richten, eventuell auch beides (verwiesen sei auf die Bilder Kreuzung Anton-Leipziger Straße, Schienenweiche, Stadt Metz, 2014). Hier ist ein stark sachlicher, fast fotorealistischer Duktus anzutreffen. Unweigerlich fühlt man sich bei diesen gräulich-bräunlichen Bildern an die Tradition der Neuen Sachlichkeit erinnert.

Die Künstlerin ist zudem immer städtischen Wandlungen auf der Spur. So wie sie ständiges Bauen, Technisierung und Schachtelarchitektur sowie brachiale Techniklösungen ins Zentrum stellt und damit kritisch hinterfragt (auch Am Schillerplatz, 2014), sucht sie Orte auf, die morgen vielleicht in ihrer kleinteiligen Struktur nicht mehr da sind. Nur selten wählt sie das, was man eine Fotografenansicht nennen könnte: Das Blaue Wunder, gesehen vom Eingang zur Hüblerstraße, ist wohl allerdings zu reizvoll, um es einfach links liegen zu lassen.

Künstlerisch neue Herausforderungen bringen offensichtlich der Übergang in die freie Landschaft mit den Elbwiesen beziehungsweise die relativ kleinteilige Siedlungsstruktur, die hinter dem Körnerplatz beginnt und teils in den Elbhang hineinwächst. In diesem Fall greift Katrin Feist durchaus auf frühere Erfahrungen zurück, gliedert mit kubischen Schachtelungen den Blick auf die Hänge, lässt zudem mit eher impressiven Mitteln einen Natureindruck entstehen. Statt kühler, strenger Sachlichkeit, findet man - dem Umfeld angepasst - spielerische Lockerheit, die in einem Bild wie "Am Königlichen Weinberg" (2014), wo Gebautes und Natur ineinander überzugehen scheinen, einen gewissen Höhepunkt/Endpunkt findet. Farblich sind - anders als sonst - die Akzente stark auf Gelb, Grün, Blau, Weiß und Rötlich-Bräunlich gesetzt. Letztgenannte Töne spielen bei der Imagination von Naturhaftem eine entscheidende Rolle - nicht zuletzt deshalb, weil Katrin Feist wohl nicht nur in einer Situation des Übergangs ist, sondern auch in der Natur den Übergang liebt - die Jahreszeiten, wenn sich das Grün noch kaum zeigt oder schon wieder im Vergehen ist. Als Künstlerin ist sie immer wieder mit Wandel konfrontiert. Das betrifft das eigene Leben, die gesammelten Erfahrungen, aber auch ihren Gegenstand - die Stadtlandschaft. Dies spiegelt sich in ihrer Kunst, die gerade jüngst ein gewisses Pendeln zwischen Sachlichem und Spielerischem erlebt. Ihre Bilder weisen auf den Stadtraum als lebendige Schönheit, die allerdings nicht zuletzt durch zunehmende Verwertung und Segregation gefährdet ist. Katrin Feist knüpft mit ihrer Malerei ohne jede Vordergründigkeit an solche Entwicklungen an, wandelt sie zu ansehenswerten, anregenden Bildern.

bis 26. Februar, geöffnet Mo-Fr 9-16 Uhr, Helmholtz-Zentrum Rossendorf, Bautzner Landstraße 400

www.hzdr.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2015

Lisa Werner-Art

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