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Voller Spielwitz und Tiefe - Emanuel Ax, Donald Runnicles und die Sächsische Staatskapelle beim Konzert in Dresden

Voller Spielwitz und Tiefe - Emanuel Ax, Donald Runnicles und die Sächsische Staatskapelle beim Konzert in Dresden

Sich im Spaß zu fragen "Was wollte uns der Künstler damit sagen?" kann man sich bei Edward Elgars "Enigma-Variationen" inzwischen sparen, den findige Köpfe haben das Rätsel um die vom Komponisten charakterisierten Freunde längst gelöst.

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Kongenial: Donald Runnicles (l.) und Emanuel Ax.

Quelle: Matthias Creutziger

Seine Wirkung verfehlen die 14 kurzen Sätze dennoch nie und das Stück besetzte im 8. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle den Platz der Sinfonie, ohne dass man etwas vermisst hätte. Dazu waren Solist, Dirigent und Orchester zu gut aufgelegt.

Wenn ein Kapellmeister - hier war es der Brite Donald Runnicles, der das Konzert für seinen erkrankten, so verdienstvollen wie hochbetagten Kollegen Sir Colin Davis übernahm - darum weiß, wie sich ein Orchester auch leise ganz unglaublich zum Klingen bringen lässt, dann darf man sich als Zuhörer glücklich schätzen. Denn damit werden die Fähigkeiten der Staatskapelle richtig ausgekostet. Die Serenade für Streichorchester e-Moll von Edward Elgar bietet weniger leichte Abendunterhaltung, als verwandte Werke und Runnicles hob die drei ernsten Sätze in einer Finesse vom Erdboden hoch, die staunen ließ. So feine, sinnliche und zarte, ganz kammermusikalische Stimmungen am Beginn eines großen Abends wirkten fast anachronistisch, erwartet man da doch gern einen prächtigen Auftakt. Der Vergleich mit Sir Colin Davis lag nahe, denn er hat schon ähnlich filigran mit der Staatskapelle musiziert.

Und der auf jedes Detail zutiefst neugierige Dialog von Dirigent und Orchester bekam gleich darauf einen mehr als adäquaten Partner in Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur. Nur wenige Töne der Einleitung genügten Emanuel Ax, um eine Richtung vorzugeben, die für das Verständnis dieses Stückes ungewöhnlich war. Natürlich ist das Konzert zwischen den beiden Polen aus Spielfreude und seltener Innerlichkeit verankert, doch wie Ax und Runnicles noch der winzigsten Episode Beachtung schenkten, war bezaubernd und atemberaubend in einem. Da konnte man immer wieder tief durchatmen: Wie der Pianist gewitzt Akzente im Bass setzte, die Läufe der rechten Hand aber im Orchester aufgehen ließ, wie er Mengen von Farben formte und im ersten Satz einen dramatischen Höhepunkt wie einen Gipfel wachsen ließ. Die Kadenz wurde in ihrer Gewichtung aus Ruhe und Steigerung zum Spiegel des ganzen Satzes. Einen größeren Kontrast zwischen den energischen Streichereinwürfen und dem introvertiert vorgetragenen Solo gäbe der zweite Satz kaum her und aus diesem Dunkel mit einem maßvollen Tempo für das Finale zu unglaublichem Witz und lediglich vom Schlussakkord begrenztem Vergnügen zu finden, war eine Sache, die nicht erklärbar ist. Hier fanden die Beteiligten in einem Moment größter Übereinstimmung zueinander, die Freude an einem von Beethovens Klavierkonzerten in einem Maß ergab, das außergewöhnlich war. Keine Richtung wurde bedient - es war nicht spätromantisch dick noch historisch korrekt, es war hochmusikantisch und anregend.

So passten die Enigma-Variationen mit ihrer Schilderung der Personen um den Komponisten Elgar in ihrer lustvollen, humorig ausufernden Art ganz gut in dieses Programm und hatten mit Donald Runnicles einen vorzüglichen Gestalter. Er setzte die Effekte genau und sorgte dazwischen für satten, immer an großer Dynamik interessierten Klang, den die Staatskapelle bestens und launig zelebrierte - "Nimrod" bot dies nicht weniger, als das aus der ihm zugeschriebenen Lethargie geweckte Bratschensolo, hinreißend vorgetragen von Johanna Kubina (als Gast). Der weitergereichte Blumenstrauß des Dirigenten war dafür die verdiente Anerkennung. Dieses Konzert überträgt der Rundfunk - leider nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.03.2013

Hartmut Schütz

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