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Villa Eschebach präsentiert die 75. Ausstellung - 41 Radier-Werke von Kerstin Franke-Gneuß

Villa Eschebach präsentiert die 75. Ausstellung - 41 Radier-Werke von Kerstin Franke-Gneuß

Das darf gefeiert werden: Die Dresdner Volksbank Raiffeisenbank zeigt derzeit ihre 75. Ausstellung in der Villa Eschebach. Und man kann es wohl mit Recht sagen: Ohne diese Räumlichkeit wäre das Kunstleben der Stadt um einen wichtigen Ort ärmer.

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Kerstin Franke-Gneuß. Morgen, 2013. Ätzung, Kaltnadelradierung, 88,4 x 54,7 cm.

Quelle: Repro

Über die Jahre hat sich hier ein Ausstellungsprofil verfestigt, das besonders der auf Dresdner Boden gereiften Kunst der jüngeren Vergangenheit sowie ihren heute lebenden Vertretern verpflichtet ist, sich in der Verantwortung sieht, auf deren spezifische Qualitäten aufmerksam zu machen. Eine solche ist zweifellos auch die im Sächsischen immer noch anzutreffende Finesse in der künstlerischen Grafik.

Zu jenen, die mit Leidenschaft ihre Bilder mit grafischen Mitteln, im speziellen Fall der Radiertechnik, umsetzen, gehört Kerstin Franke-Gneuß (geb. 1959 in Meißen, Studium an der HfBK Dresden bei Siegfried Klotz und Günter Horlbeck 1978-1984). Wer den Namen der Künstlerin hört, wird sich an manche Ausstellung der letzten Jahre in Dresden und Umgebung, aber auch darüber hinaus erinnern, daran, dass ihre Arbeiten das Bild einer Vollblutgrafikerin vermitteln, die sich eine ungewöhnliche Breite an Ausdrucksmöglichkeiten immer wieder neu erschließt. Dies verdeutlicht auf sehr schöne Weise auch ihre aktuelle Präsentation "Raum - Linien" in der Villa Eschebach. Die 41 Blätter, meist zwischen 2009 und 2014 entstanden, vermitteln dem Betrachter ein Spektrum an Möglichkeiten im Umgang mit Radiernadel und Säuren, das einfach nur staunen lässt.

Franke-Gneuß' abstrakte, naturhaft wirkende Linien- und Flächengebilde erreichen eine Vielfalt des Ausdrucks zwischen Härte und Weichheit, Zartheit und Kraft, Hell und Dunkel, dass sie sich vor dem inneren Auge des Betrachters fast automatisch weiterentwickeln. Sie bringen etwas zum Klingen, das die Erinnerung an die eigenen Seh- und manchmal auch Hörerfahrungen berührt: So werden aus in Schwarz-Weiß-Grau gehaltenen Motiven wogende Gräser "Im Sommerwind" (2011), raschelndes "Schilf" (2009) oder ein "Windbruch" (2011). Manchmal glaubt man das Säuseln des Windes oder das "Rauschen" (2011) eines Sturms zu hören - etwa wenn die Linien sich besonders beugen. Manchmal wiederum scheint der Wind sich in Musik zu verwandeln, Töne "springen" auf dem Blatt.

Mitunter aber entdeckt man auch Schutz bietende Räume, "Höhle(n)" (1998) oder Senken, wie man sie wohl selbst in Kindertagen beim draußen Sein gesucht hat - dann, wenn der erste Tropfen fiel. Und auch diese Tropfen ("Zarte Nässe", 2010), aber ebenso starken Regen oder Schnee ("Schneehöhle", 2012) glaubt man wahrzunehmen. Mitunter dagegen scheint alles zu frieren in Schnee und Eis, wo bestenfalls das "Schneelicht" die Stimmung aufhellt. Überhaupt das Licht: Mal bricht es ein in Dunkelheit, mal erinnert es an eine Mondnacht ("Nachtlicht", 2012), mal an die strahlende Helligkeit des Morgens ("Morgen", 2013).

Dies alles spricht in hohem Maße vom Können der Künstlerin. Gleichwohl kann sie das Ergebnis eines Radierprozesses nicht generell vorherbestimmen. Bestimmbar ist, ob eine Arbeit linearer oder flächiger angelegt ist, dünne oder breite Linien zeigt, gar kristallinisch wirkt oder mit "Fetzen" bestückt ist. Das ergibt sich daraus, welche Rolle sie beispielsweise Verfahren wie Ätzung oder Reservage beimisst. So wird es möglich, ganz breite, wie mit dem Pinsel gezogene Bahnen oder auch "(Wind)Fetzen" (2010) entstehen zu lassen, die an dahin ziehende Wolken oder an einen "Überflug" (2012) von Vögeln erinnern. Die "Fetzen" können aber ebenso zu einer, die Autorin ein wenig an Dürers "Rasenstück" erinnernden Konstellation führen, in der Kerstin Franke-Gneuß wiederum - wohl wegen der "fliegenden Fetzen" und den sich durchkreuzenden Linien - eine "Zerrissene Idylle" (2011) sah.

In jüngerer Zeit fällt, auch im Zusammenhang mit dem stärkeren Einsatz von Aussprengungen, bei einer Reihe Arbeiten ein fast malerisch erscheinender Akzent auf. Der geht teils damit einher, dass das Naturhafte in eine figurative Anmutung übergeht. Was auch schon linear ausgedrückt wurde, etwa mit einer Arbeit wie "Begegnen" (1999), bekommt in "Finden" (2011) eine nahezu körperliche Gestalt. Insgesamt zeigt sich im Schaffen der Künstlerin immer deutlicher, dass hinter der exzellenten Grafik eine im wahrsten Sinne auf die Welt als Ganzes gerichtete, an Tiefe gewinnende Anschauung steht, für die die der Künstlerin eigene tiefe Naturempfindung eine Basis ist.

bis 13. Juni, Villa Eschebach, Georgenstr.6. Mo, Mi 8.30-16 Uhr, Di, Do 8.30-18 Uhr, Fr 8.30 bis 13 Uhr. www.ddvrb.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.06.2014

Lisa Werner-Art

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