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Vier abstrakte Bilder Gerhard Richters entstanden nach KZ-Fotos und sind in Dresden erstmals zu sehen

Vier abstrakte Bilder Gerhard Richters entstanden nach KZ-Fotos und sind in Dresden erstmals zu sehen

"Wenn ich was Neues mache, dann möchte ich das gern zeigen." Sagte Gerhard Richter und lächelte sein charmantes, schwer zu entschlüsselndes Lächeln.

Der hochdotierte, aber unprätentiöse Künstler, der vor kurzem 83 Jahre alt wurde, hat gestern in Dresden vier abstrakte Bilder vorgestellt, die 2014 entstanden sind. Sie werden in Dresden zum ersten Mal überhaupt einem Publikum gezeigt. Das Ganze mündete dann in eine Neugestaltung der beiden Gerhard Richter vorbehaltenen Räume im Albertinum: Von 20 dort gezeigten Werken sind nun 17 neu.

Das brandneue Bild-Quartett, eine Leihgabe aus Privatbesitz, braucht seinen Platz - und bekommt ihn. Denn genau gegenüber hängen größenidentisch Fotografien der abstrakten Werke. "Ich fand, dass man sie auch in der Reproduktion zeigt, gleichzeitig. Die Technik ist schon so weit fortgeschritten, dass man es fast nicht mehr unterscheiden kann", begründete Richter das Ganze.

Ausgangspunkt der vier großformatigen Werke, Richters ersten Leinwand-Arbeiten seit fünf Jahren, ist ein Buch: George-Didi Hubermans "Bilder trotz allem". Darin widmet er sich vier Fotos, entstanden 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, von Häftlingen aufgenommen. Sie zeigen die Umgegend von Exekutionen. "Das Thema der Konzentrationslager hat mich schon immer beschäftigt", erzählt Richter. Es sei heikel. In seinem "Atlas", einem riesigen Konvolut aus Fotos, Skizzen, Zeitungsausschnitten, Roh- und Vormaterial, das auch in Dresden schon gezeigt worden war, finden sich beispielsweise Abbildungen von KZ-Häftlingen aus Büchern (1967). Für seine ursprünglichen Entwürfe der Gestaltung im Berliner Reichstag spielte ähnliches Fotomaterial ebenfalls eine Rolle (1997).

"Ich bin froh, dass sie abstrakt sind und nicht gegenständlich... das zeigen", sagte Richter mit Blick auf die aus den Fotos entstandenen Bilder. Der Künstler habe anfangs bei diesem Thema figurativ gearbeitet, ergänzte Dietmar Elger, Leiter des Gerhard Richter Archivs in Dresden. "Dann gab es den Wechsel und die abstrakte Lösung."

Der erste Richter-Raum im Albertinum ist nun auf diese überdimensionale Doppel-Quartett-Schau abgestimmt, der zweite - unter anderem mit "Ella", einem Tintenstrahldruck von 2014, der Richters Tochter zeigt - ergänzend dazu eingerichtet. Dort wird auch die Tafel "180 Farben (301/1-20)" von 1971 erstmals in Dresden zu sehen sein.

Natürlich spielte gestern auch das Thema Kunstmarkt wieder eine Rolle. Richter gilt als einer der teuersten und einflussreichsten zeitgenössischen Künstler. Vor zwei Wochen war ein "Abstraktes Bild" genanntes Werk von ihm in London für etwa 41 Millionen Euro auktioniert worden. Er habe es einst "für etwa 15 000 Mark verkauft und war sehr stolz", sagte Richter. Das sei 30 Jahre her. "Ich kann nicht sagen, dass ich mich darüber ärgere." Viel schlimmer sei es, "wenn keiner mehr die Bilder haben will".

Persönlich habe er aber "so gut wie nichts" davon. "Es gibt halt sehr reiche Leute, die das können. Es hat sich nicht so viel geändert, bloß die Summen sind höher geworden." Um den aktuellen Kunstmarkt zu ändern, "gibt es kein Mittel", meinte er und fügte lediglich hinzu, bei diesem Thema ratlos zu sein. "Es würde auch nichts nützen, wenn ich jetzt die Bilder billig mache. Dann gehen sie noch viel schneller in den Handel und werden sofort gekauft, als Handelsobjekte, um damit Geld zu verdienen."

Was er tue, wenn ihm ein Bild v rückblickend nicht mehr gefällt, das aber in einer Ausstellung hänge? "Nichts. Man kann sich ja irren. Ist ja menschlich. Manches ist auch so lange her, dass ich nur staune, als hätte die Bilder ein anderer gemalt." Sagt's und lächelt.

ab Sonnabend, Di-So 10-18 Uhr

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.02.2015

Torsten Klaus

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