Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Vielstimmiges Gewimmel: "Die Torte ist weg" als Premiere am Dresdner Theater Junge Generation

Vielstimmiges Gewimmel: "Die Torte ist weg" als Premiere am Dresdner Theater Junge Generation

Wie bringt man ein Wimmelbuch auf die Bühne? Am besten gar nicht, denn es ist doch unmöglich, die unzähligen Details und Szenen, von denen es in diesen Büchern nur so wimmelt, gleichzeitig vor den Augen der Zuschauer auszubreiten.

Voriger Artikel
Gelebte Hoffnung: Benefizkonzert des Sonnenstrahl e.V. in der Dresdner Kreuzkirche
Nächster Artikel
"... möchte ich schon mit dir": Roland Kaiser begeistert 3000 Fans in der Dresdner Messe

Dorothee Carls und Patrick Borck in "Die Torte ist weg".

Quelle: Klaus Gigga

Ist es das wirklich? Das Theater Junge Generation beweist mit seiner aktuellen Inszenierung des Wimmelbuch-Klassikers "Die Torte ist weg" auf äußerst amüsante Weise das Gegenteil.

Während die preisgekrönte Vorlage des niederländischen Kinderbuchillustrators Thé Tjong-Khing ganz ohne Worte auskommt, beginnt das tjg-Stück in der Regie von Lorenz Seib mit einem wahren Wortschwall. Gestärkt durch einen Schluck Kaffee, treten die drei Darsteller (überragend: Patrick Borck, Dorothee Carls und Ulrike Schuster) an den Bühnenrand und erzählen, gestikulieren, spielen, beschwören - jeder für sich und alle drei gleichzeitig - die zahlreichen Episoden des Buches.

Das Stimmengewirr ist chaotisch und witzig zugleich, und es übersetzt das optische Chaos der Wimmelbücher in die Sprache der Bühne. Immer mal wieder schafft es eine Stimme, sich gegen die anderen durchzusetzen, rückt eine ausgewählte Szene des Buches gleichsam ins Scheinwerferlicht, dann setzt das Chaos wieder ein. Nur wenige Minuten dauert dieser bewusst verwirrende Prolog, der die Geschichte im Zeitraffer vorwegnimmt. Für den Rest des Stückes beschränken sich die Spieler auf äußerst sparsame Kommentare.

Dennoch ist das Stück unglaublich vielstimmig, denn Hunde und Hasen, Ratten und Katzen, Schweine, Frösche und Enten kommen alle auf ihre eigene Art zu Wort. Was im Prolog alles auf einmal auf die Zuschauer einstürmte, das wird nun mit unglaublicher Liebe zum Detail aufgeblättert und vorgeführt. Wie die Entenmutter ihren Kindern das Schwimmen beibringt, immer mal durchzählt und stutzt, wenn das letzte Küken fehlt. Wie Familie Schwein den Geburtstag ihres Ferkelchens feiert, sich vor lauter Liebe auf den Bauch prustet und vom Berg herab um die Wette spuckt, wie der Storch bei seinen Flugversuchen immer wieder abstürzt.

So wie beim Betrachten eines Wimmelbuches der Blick mal auf dieser, mal auf jener Szene ruht, so ziehen die Sequenzen des Stückes am Publikum vorbei. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mit drei kreisrunden Wänden, die sich gegeneinander bewegen lassen, hat die Ausstatterin Lisette Schürer eine wirkungsvolle Kulisse für die Verfolgungsjagden der Geschichte geschaffen. Darauf balancieren, schlendern, hüpfen, tänzeln und rasen die Figuren zur größten Freude ihrer jungen Zuschauer entlang. Es sind Plüschtiere, die Lisette Schürer von den Flohmärkten der Stadt zusammengesammelt hat, um sie für die Geschichte umzunähen, einzukleiden, spielbar zu machen.

Sie alle verlieren etwas: ein Kind, ein Kuscheltier, einen Hut, die Torte. Sei es beleidigt maunzend, laut schreiend, wehmütig traurig oder entschlossen rachsüchtig - die Geschichte vom Verlust und vom Suchen wird in vielerlei Tonarten vorgeführt. Dabei wäre das Stück ohne die Musik von Christoph Hamann nur halb so viel wert. Er gibt der Geschichte ihr Tempo, ihren Klang, ihren Rhythmus - ist mit dem Klavier eigentlich der vierte Darsteller des Stückes. Und macht jeglichen Wortwechsel überflüssig.

Es ist wunderbar, wie sich zum Schluss die einzelnen Geschichten wieder vermischen, zusammentreffen, sich beeinflussen, das große Gesamtbild ergeben, das am Anfang so chaotisch wirkte. Wie der Blick vom Einzelnen dann doch wieder aufs Ganze schwenken kann, ohne dass es verwirrend wäre - eben ganz wie in einem guten Wimmelbuch. Ob man das überhaupt auf die Bühne bringen kann? Wer diese turbulente und gelungene Inszenierung gesehen hat, muss zugeben: Unbedingt!

Aufführungen: 29. und 30.4., 2.5., 25., 26. und 27.6. tjg Puppentheater im Rundkino

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2013

Birgit Andert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr