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Viel Hop im Hip: Casper in der gut gefüllten Dresdner Messehalle

Viel Hop im Hip: Casper in der gut gefüllten Dresdner Messehalle

Merkwürdig, dass Benjamin Griffey alias Casper sein Konzert in der gut gefüllten Messehalle mit dem Lied "Im Ascheregen" beginnt. "Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen.

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Casper und sein farbenfroher Background in der Messe. Bonbonfarbener Pop?

Quelle: Patrick Johannsen

Will auf und davon und nie wiederkommen. Kein Lebewohl, will euch nicht kennen. Die Stadt muss brennen, brennen, brennen." Die Stadt entzündet er zwar, die heißt Casper dabei aber lautstark willkommen und will ihn nur ungern wieder gehen lassen. Der findet sowieso, Dresden sei die beste Stadt auf der Tour.

Dass es tatsächlich ein Rap-Konzert ist, was da vor mehr als 8000 ziemlich jungen Menschen stattfindet, wird mehrfach von der Bühne bestätigt. "Reißt eure Arme hoch, wie es richtige Rapper tun, springt und flippt aus." Genau das tun die Besucher. So gut, dass die Tribüne am Hallenende im Takt mit wackelt. Im November kam Casper schon mal zum Vorheizen mit seinem neuen Album "Hinterland" (2013, Four Music) in den Beatpol. Da stellten von den 600 Menschen (die angeblich in nur 20 Minuten das Konzert ausverkauften) die Mädchen zuverlässig die ersten Reihen. Auch in der Messehalle ist vermutlich weit mehr als die Hälfte weiblich, was der von Casper organisierte Schreitest bestätigt. Es wird viel animiert. Selbst die fünf Bandmitglieder springen oft gummiballartig hoch und runter. Viel Hop im Hip. Musikalisch ist auch nicht allzu viel zu tun. Trotz der vielen Musiker auf der Bühne kommen manche dicken Beats aus der Konserve und der Schlagzeuger garniert dann mehr, als dass er den Rhythmus anschiebt.

Zentrum des Abends sind sowieso die Worte Caspers. Und die hauen oft in dieselbe Kerbe, um dem Titel der Tour gerecht zu werden. Hinterland ist da, "wo jeder Tag aus Warten besteht und die Zeit scheinbar nie vergeht. In diesem Hinterland, verdammtes Hinterland. Wo Gedanken im Wind verweh'n und die Zeit scheinbar nie vergeht. Geliebtes Hinterland, willkommen im Hinterland. Ohehoooh." Casper kennt die Gegend, die weit weg von Großstadt in ihren schmalen Mustern existiert. Er verbrachte seine Jugend im nordrhein-westfälischen Bösingfeld, einem Ort, der keine 5000 Einwohner hat. Als er elf Jahre alt war, zog seine Mutter mit ihm und seiner Schwester nach einem gescheiterten Leben in den USA dorthin zurück. Die Provinz wurde das erste Mal sowas wie eine Heimat für ihn. Er lernte sie lieben, bald auch hassen und floh schließlich in die unendlichen Möglichkeiten der größten deutschen Großstadt. Aber er nahm sein künstlerisches Thema mit. Raus aus dem Schmerz der Vergangenheit, raus aus der Eintönigkeit der Peripherie und rein ins selbst bestimmte Leben.

Beim kleinen Klubkonzert hatte Casper seinen trotzigen Slogan "Anti alles für immer" noch auf seinen Pullover gedruckt. In der Messe konnte man höchstens erahnen, was er trägt, weshalb der Spruch mit LEDs riesengroß hinter ihn projiziert wurde. Nun gut, gegen alles ist er jetzt nicht mehr. Er hat den Absprung ja geschafft. Jetzt ist alles sogar "Ganz schön okay", wie es in einem seiner Songs heißt. Der Teil, den auf dem Album Felix Brummer von Kraftklub singt, läuft vom Band, das Chemnitzer Original ist mit dem Schreiben eines neuen Albums beschäftigt. Casper braucht auch niemanden weiter neben sich, er hat es allein so weit gebracht. "Aus den kleinsten Orten auf die größten Bühnen des Landes. Wo Abertausend draußen stehen, Applaus so laut wie nie. Kaum zu glauben, wenn ein Traum endlich laufen lernt und fliegt, yeah." Früher sei er dafür ein besserer Rapper gewesen, heißt es immer wieder, heute mache er nur noch Pop. Er sei schwul, also, eigentlich sei seine Musik schwul, was in etwa bedeutet, dass er zu viele Dinge erzählt, die ihn wirklich berühren.

Er dürfte deftige Kritik genauso häufig hören wie überschwängliches Lob, was ihn vermutlich einigermaßen frei macht in der Wahl seiner Mittel. Alles beginnt angeblich immer noch mit einem maßgeschneiderten Beat. Das Ergebnis klingt aber doch eher nach melodramatischer Popgymnastik. Warum auch nicht? In einem Interview mit der Zeit sagte Casper, dass seine Musik eine Einladung an alle sei. "Jeder soll teilhaben können. Sie soll nicht limitiert sein, nicht nur für Metal-, Punk- oder Rap-Fans, nicht nur für Dicke oder Dünne, für Hübsche oder Hässliche. In meinen Songs soll sich jeder wiederfinden können." Das scheint Casper im Jahr 2014 noch einmal ein ganzes Stück besser zu gelingen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.04.2014

Juliane Hanka

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