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Verwaltungschef der Staatlichen Kunstsammlungen: Museen sind keine Unternehmen

Verwaltungschef der Staatlichen Kunstsammlungen: Museen sind keine Unternehmen

Museen sind keine Wirtschaftsunternehmen und dürfen nicht allein nach marktwirtschaftlichen Gesetzen beurteilt werden. Antwort: Es löst für viele, die in den Museen arbeiten, Unbehagen aus, wenn ihre klassischen Aufgaben im betriebswirtschaftlichen Sinne als Produkte bezeichnet werden.

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der Kaufmännische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Dirk Burghardt.

Quelle: dpa

Museen sind keine Wirtschaftsunternehmen und dürfen nicht allein nach marktwirtschaftlichen Gesetzen beurteilt werden. Der Kaufmännische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Dirk Burghardt, sprach mit der Nachrichtenagentur dpa über Gegebenheiten und Notwendigkeiten:

Frage: Dürfen Museen als „Produkt“ betrachtet und behandelt werden?

Antwort: Es löst für viele, die in den Museen arbeiten, Unbehagen aus, wenn ihre klassischen Aufgaben im betriebswirtschaftlichen Sinne als Produkte bezeichnet werden. Wenn Museum und Rechtsträger feststellen oder darum streiten, ob das Geld reicht, dann ist weder die Betriebswirtschaft noch die neue Rechts- oder Organisationsform die Lösung. Das Verständnis in der Politik für die Aufgaben des Museums könnte in vielen Kommunen - als Rechtsträger einer Mehrzahl der Museen in Deutschland - noch stärker ausgeprägt sein. Es müssten mehr Politiker in Kultur- sowie Haushalts- und Finanzausschüssen zugleich vertreten sein, dann steigt auch das Verständnis für die Aufgaben und Probleme der Museen.

Rechnen sich Museen denn?

Betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente im Museum können positiv wirken und den Nachweis unterstützen, wie sich tatsächlich die Kosten für Ausstellungen, Personal, Marketing oder Ankäufe angesichts der Entwicklungen auf dem Kunstmarkt verändert haben. Dann ist auch erkennbar, was bisher so war und auch bleiben wird: Museen sind und bleiben defizitär und müssen einen Zuschuss erhalten; ebenso wie Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Feuerwehr und Polizei. Verständigen sich Museumsleitung und Rechtsträger auf Ziele und Erwartungen für die klassischen Museumsaufgaben, ergeben sich auch Zuschusshöhe und nötige Personalausstattung. Dann können betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente helfen, Defizite in den Kassen am Jahresende zu vermeiden.

Braucht es eine feste Quote in öffentlichen Haushalten für die Kultur?

Es wäre schon sehr viel erreicht, wenn die Politik, und nicht nur die Kulturpolitiker, die auch außerhalb von Koalitionen schon parteiübergreifend mit einer Stimme sprechen, bereit ist, auf Augenhöhe mit den Kulturinstitutionen über deren Aufgaben und Ziele zu sprechen und die Zuschüsse zu verhandeln. Wenn diese ausreichend sind, sind es auch die Personalstellen. Es braucht ein gemeinsames Verständnis dafür, wo dauerhafte Stellen unverzichtbar und für welche Aufgaben befristete Arbeits- oder Werkverträge das Richtige sind.

Oft wird nur ökonomisch gedacht. Wie wirkt sich das aus?

Die neue Dominanz ökonomischen Denkens im Kulturbereich nimmt teils bedenkliche Ausmaße an. Wenn sich der Erfolg eines Museums nach Umstellung auf Instrumente der betriebswirtschaftlichen Steuerung allein auf Kennzahlen beschränkt, die sonst für Unternehmen mit ganz anderen „Produkten“ gelten, und nur der Deckungsgrad der Kosten zählt, dann werden die immateriellen dauerhaften Werte der Museen für eine Gesellschaft verkannt. Die Betriebswirtschaft im Museum ist nur so gut, wie man einzelne, für den Kulturbetrieb passende Elemente anwendet und die übrigen Regeln und Methoden so abwandelt, dass sie den klassischen Museumsaufgaben dienen.

Dirk Burghardt (53) ist studierter Kunsthistoriker und Jurist und seit 1999 Chef der Verwaltung bei den SKD, einem Verbund von 14 Museen.

dpa

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