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Vertane Chance: an diesem Mittwoch sollte nach einstigen Planungen Dresdens Konzerthaus am Neustädter Elbufer eröffnet werden

Vertane Chance: an diesem Mittwoch sollte nach einstigen Planungen Dresdens Konzerthaus am Neustädter Elbufer eröffnet werden

Am heutigen Tag sollte nach den Planungen der im Frühjahr 2008 ins Leben gerufenen "IG Neues Kon- zerthaus" die feierliche Einweihung des nach knapp viereinhalbjähriger Vorbereitungs- und Bauzeit am Neustädter Elbufer zwischen Blockhaus und Finanzministerium errichteten Konzerthauses stattfinden.

Von Manfred zumpe*

Was für ein großer Tag wäre das für unsere Stadt gewesen!

Leider ist diese Vision nicht in Erfüllung gegangen. Obwohl die Interessengemeinschaft schon im Frühjahr 2008, also noch vor dem Stadtratsbeschluss zum Umbau des Kulturpalastes im Juli 2008, allen zuständigen Ministerien des Freistaates Sachsen, den zuständigen Bürgermeistern der Stadt Dresden und den Fraktionsvorsitzen- den des Stadtrates die erarbeiteten Unterlagen in Form von Thesen, Argumentationen und einer Machbarkeitsstudie übergeben hatte, beschloss der Stadtrat - ohne Diskussion und Prüfung von Alternativen - den Umbau des Kulturpalastes. Erst danach kam es zu Bürgerversammlungen und Meinungsaustausch, der nichts bewirkte.

Der Schritt, den die Stadt nun gehen will, ist nach den Vorstellungen der Interessengemeinschaft viel zu kurz geraten. Die Stadt hat dabei nur an einen neuen Konzertsaal für die Philharmonie gedacht und an die Unterbringung der Stadtbibliothek und der Herkuleskeule.

Die Interessengemeinschaft, ein Bündnis von musikbegeisterten Dresd- ner Bürgern, das im Dezember 2009 den "Förderverein Konzerthaus-Stiftung Dresden e.V." gründete, der heute mehr als 100 Mitglieder hat, verfolgte von Beginn an das Ziel, für beide Dresdner Orchester und für Gastorchester aus aller Welt eine gemeinsame Spielstätte zu verwirklichen, die den hohen Ansprüchen einer zeitgemäßen Architektur und den funktionellen, akustischen und technischen Anforderungen, die heute an ein solches Haus gestellt werden müssen, in idealer Weise genügen könnte, darin eingeschlossen ein Kammermusiksaal, Probenräume etc.

Drei wichtige Voraussetzungen und Bedingungen hätten zum Gelingen dieses Projektes erfüllt werden müssen:

1. Die für die Kultur und das Bauen politisch Verantwortlichen im Freistaat Sachsen und in der Landeshauptstadt Dresden hätten sich an einem Tisch zusammenfinden und die allseitige Unterstützung dieses Vorhabens öffentlich bekunden müssen, einschließlich der gemeinsamen Finanzierung.

2. Die für die Realisierung zuständigen Ämter der Stadt hätten die Vorbereitung und Planung des Projektes konstruktiv und unbürokratisch fördern und als besonders wichtige Aufgabe unterstützen müssen.

3. Die beiden Orchester, Philharmonie und Staatskapelle im Verbund mit den Dresdner Musikfestspielen, hätten ihren festen Willen bekunden müssen, dieses neue Haus als ihre künftige Spielstätte anzunehmen und mit Leben zu erfüllen.

Eine wichtige Frage war der Erwerb der Grundstücke am Narrenhäusel. Ein Teil dieser Fläche ist Eigentum der Stadt, ein anderer Teil befindet sich im Besitz der Familie Arnhold. Mit den Vertretern der Familie Arnhold haben wir Gespräche über dieses Thema geführt, die Erfolg signalisierten. Für ein so großartiges Projekt wollten die Arnholds gern ihr Grundstück zur Verfügung stellen und waren sogar bereit, an der Projektentwicklung mitzuwirken.

In den vergangenen Jahren hat der Förderverein in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen für den Bau dieses neuen Konzerthauses geworben. Auch die Sächsische Akademie der Künste hat sich immer wieder in diese Bemühungen eingebracht, um die politischen Kreise Dresdens und den Freistaat Sachsen von der Notwendigkeit eines Konzerthauses für Dresden zu überzeugen. Gleichzeitig sollte der architektonisch bedeutende Kulturpalast in seiner Gänze erhalten bleiben.

Die erste Veranstaltung gab es 2008 in der Sächsischen Landesärztekammer. Hervorzuheben ist das Kolloquium des George-Bähr-Forum der TU Dresden im November 2009 zum Thema "Ein neues Konzerthaus im internationalen Spannungsfeld zwischen Musik- und Baukultur", auf dem namhafte Persönlichkeiten referierten. Die Sächsische Akademie der Künste lud im Dezember 2010 den erfolgreichen Manager beim Bau des Konzert- und Festspielhauses in Luzern, Dr. Thomas Held, ein, der seine Erfahrungen und Empfehlungen anschaulich darlegte. Im Februar 2012 veranstaltete das Forum Tiberius eine Podiumsdiskussion im Hygiene-Museum mit den Intendanten der berühmten Konzerthäuser in Wien, Luxemburg, Essen und Hamburg. Übereinstimmend ermutigten sie auf Grund ihrer Erfahrungen die Verantwortlichen in Dresden, ein neues Konzerthaus zu bauen.

Musiker von Weltruf in unserer Stadt wie Theo Adam, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Hartmut Haenchen und Peter Rösel formulierten gleich am Anfang unserer Bemühungen in einem offenen Brief ihre uneingeschränkte Unterstützung für dieses Vorhaben. Im November 2009 unterzeichnen 28 weltberühmte Dirigenten, darunter Sir Collin Davis, Herbert Blomstedt, Fabio Luisi, Kurt Sanderling und Ottmar Suitner, ein gemeinsames Votum, in dem sie darauf hinwiesen, dass es Dresden nach wie vor an einem erstklassigen Konzertsaal mangelt, um sich dauerhaft mit international bedeutenden Musikmetropolen vergleichen zu können. "Ein neues Konzerthaus in Dresden könnte ein Leitbau für die zeitgenössische Architektur werden, so wie es die Semperoper und die Frauenkirche exemplarisch sind für die historische Bausubstanz der Stadt. Ein Konzerthaus könnte darüber hinaus zahlreiche Kulturtouristen anlocken und würde regelmäßig Gastspiele internationaler Spitzenorchester ermögliche und damit dem Dresdner Kulturleben neue Impulse geben", hieß es damals.

Die Verantwortlichen der Stadt argumentierten gegen ein neues Konzerthaus, immer mit dem Hinweis, dass sich Dresden den Umbau des Kulturpalastes und ein neues Konzerthaus finanziell nicht leisten könnten. Der Förderverein ist dagegen immer davon ausgegangen, dass das Bauen und das Betreiben eines solchen Hauses durch eine privat-öffentliche Partnerschaft realisiert wird, unter Einwerbung von Spenden und Einnahmen von Benefizkonzerten. Dazu gab es bereits 2008 positiv verlaufene Verhandlungen mit entsprechend kompetenten und erfahrenen Institutionen und Unternehmen. Leider war die Stadt nie dazu bereit, Gespräche darüber zu führen und auch der Freistaat hielt sich fern.

Die Politiker in unserer Stadt und in unserem Land sollten sich daran erinnern, dass es in der kläglichen und von ständigem Mangel geplagten Zeit der DDR gelungen ist, zwei Großvorhaben auf dem Gebiet der Kultur zu realisieren: den Kulturpalast und die Semperoper. Ist nicht längst auch für uns die Zeit herangereift, nach der Wiedervereinigung unseres Landes auch auf dem Gebiet der Kultur ein weithin strahlendes Zeichen zu setzen und das für die Entwicklung Dresdens als Musikmetropole von internationalem Rang unverzichtbare Konzerthaus als einen würdigen Beitrag unserer Zeit in Angriff zu nehmen?

* Professor Manfred Zumpe, fast zwei Jahrzehnte Vorsitzender des Bundes der Architekten Dresden, Mitglied im George-Bähr-Forum für Baukultur und Ingenieurbaukunst sowie Ehrenmitglied der Architektenkammer Sachsen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2012

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