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Versöhnung durch Verstehen: Alan Russell wird am Montag 80 Jahre alt

Versöhnung durch Verstehen: Alan Russell wird am Montag 80 Jahre alt

Er ist ein Versöhner, ein Brückenbauer par excellence. Er verkörpert das christlich-humanistische Leitbild Frieden, Hoffnung und Begegnung der Dresdner Frauenkirche, deren Wiederaufbau seinem Leben einen ganz wichtigen Impuls gab.

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Verkörpert das christlich-humanistisch Leitbild Frieden, Hoffnung und Begegnung der Dresdner Frauenkirche: der gebürtige Londoner Alan Russel.

Quelle: Archiv

Von GENIA BLEIER

Heute begeht Dr. Alan Russell seinen 80. Geburtstag, Dresdens englischer Bürger mit Wohnsitzen in Chichester, einer Kleinstadt in West Sussex, und in der Inneren Neustadt von Dresden.

Die Liebe des Briten zu einer deutschen Stadt und die Verwurzelung in beiden Kulturen sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie sind der Auseinandersetzung mit Geschichte, insbesondere der des Zweiten Weltkriegs, aber auch einem Charakter geschuldet, der Gräben durch Verstehen zuschütten möchte. Russell selbst hat die deutschen Angriffe auf London erlebt, verurteilt generell Luftangriffe und war vom Ausmaß der Zerstörung Dresdens erschüttert. In diesem Spannungsfeld erklang der Ruf aus Dresden zur Wiedererrichtung der Frauenkirche. Bei Russell fand er ein nachhaltiges Echo.

So initiierte der gebürtige Londoner 1992 die Gründung des Dresden Trust, dessen Präsident er bis heute ist. Die gemeinnützige Stiftung unter Schirmherrschaft des Herzogs von Kent sammelte über eine Million Euro Spendengelder für die Frauenkirche und übergab das im Königreich gefertigte Kuppelkreuz. Der Vater des englischen Kunstschmieds war einer der Bomberpiloten der Royal Air Force. Sinnfälliger kann Aussöhnung nicht zelebriert werden. Für den ehemaligen Diplomaten Russell fanden die Zeichen der Freundschaft damit aber nicht ihr Ende. "Die Menschen, deren Stadt zerstört wurde, haben uns Briten mit offenen Armen aufgenommen. Das empfinden wir als große Befriedigung", sagte er einmal.

Der Dresden Trust setzt sich für vielfältige britisch-deutsche Beziehungen ein, kümmert sich um Jugendaustausch, organisiert Veranstaltungen, publiziert Dresden in England. Dank der Triebkraft des rührigen Präsidenten sind Gedenkorte für die Opfer des Krieges entstanden: in Staffordshire ein gemeinsamer Friedensgarten; in Dresden gegenüber der Neuen Synagoge ein Rosengarten. "Wir wollten etwas Lebendiges, Heranwachsendes schaffen", betonte Russell zur Eröffnung 2011. Vielleicht unbeabsichtigt, blühen Rosen nun statt wie ehemals am Trümmerberg der Frauenkirche nur wenige Meter entfernt. Erst in diesem Jahr übergab der Jubilar in der Kreuzkirche ein Postament - gestiftet für die drei Pfarrer und zehn Kruzianer, die hier 1945 den Tod gefunden haben.

Alan Russell studierte Volkswirtschaft, Politik, Philosophie und Geschichte. Nach der Promotion ging er für zwölf Jahre als Vertreter des Auswärtigen Amtes nach Malawi. Russell arbeitete u.a. in der EWG, war Direktor eines Umwelt-Instituts und beschäftigte sich im höheren Lebensalter noch mit Architektur und Denkmalpflege. Er wurde zweimal mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Dresden würdigte ihn mit der Ehrenmedaille, als Ehrenmitglied der Frauenkirchen-Gesellschaft und mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2012

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