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Versöhnung auf Bengali - die indische Tripura Puppet Group gastierte am Dresdner theater junge generation

Versöhnung auf Bengali - die indische Tripura Puppet Group gastierte am Dresdner theater junge generation

Es ist eine Geschichte aus alten Zeiten, aber sie bewegt - zumindest in Indien - auch heute noch die Gemüter. Weil Menschen immer auch Menschen sind, sich schlagen und vertragen, grausige Taten begehen und zuweilen bereuen.

Vor einigen hundert Jahren hatte sich das Geschehen um den Herrscher Govindya Manikya des Fürstenstaates Tripura zugetragen, der gegen Blutopfer aufbegehrte und Opferungen auf dem Altar der Göttin untersagte. Der Dichter Rabindranath Thakur, in der westlichen Welt bekannt geworden als Rabindranath Tagore, erzählt von diesen Ereignissen in einem seiner frühen Romane, "Rajarshi" (1889). Und löste mit dem im Jahr darauf erschienenen Werk diverse Debatten zu religiöser Hingabe, Blutopfern, Vergebung aus. Als er die Geschichte nach der eigenen Vorlage auch als Theaterstück herausbrachte, nun unter dem Titel "Bisarjan" (Das Opfer - 1920 in München mit weiteren Dramen erstmals in deutscher Übertragung erschienen), gewann sie damit weitere Popularität, und auch in der Gegenwart gibt es viele Aufführungen, die nach wie vor gegensätzliche Reaktionen auslösen.

Auf ihrer derzeitigen Deutschlandtournee aus Anlass des 150. Geburtstages von Tagore hat sich die Tripura Puppet Group aus Indien justament mit zwei Aufführungen dieses Stückes auch in Dresden vorgestellt, auf der Studiobühne im Theater Junge Generation. Und bereitete damit dem (etwas spärlich erschienenen) Publikum ein wahrhaft exotisches Vergnügen. Obwohl sich verständlicherweise die Zahl jener, die Bengali verstehen und in der Tripura-Historie auskennen, ganz gewiss in Grenzen hielt. Aber die sympathischen Spieler des familiären Puppentheaters, wo schon der Jüngste geschickt mit den farbenfroh ausgestatteten Stabfiguren zu hantieren weiß, hatten mit ihren Begleitern alles dafür getan, die Grundzüge des Geschehens jedem verständlich zu machen.

Zudem nutzten die Besucher nach der Vorstellung auch die Gelegenheit, sich die von der Gruppe selbst geschaffene Ausstattung und die Figuren ganz aus der Nähe anzuschauen. Wie beispielsweise den grimmig dreinschauenden Soldaten. Oder die Dorfbewohner, die so herrlich ihre Probleme "weggetanzt" haben. Interessant auch die Materialien, aus denen die Puppen geschaffen sind, und die spezielle Art der Bewegungsführung.

Es ist schon etwas Besonderes, dass die Themen des so vielseitigen Rabindranath Tagore, der 1913 als erster Preisträger außerhalb der westlichen Hemisphäre den Nobelpreis für Literatur erhielt, unzählige Länder bereiste, speziell auch Deutschland, und sich in Dresden 1926 sowie 1930 aufhielt, derart allgegenwärtig bleiben. Seine Botschaft, die er zur Preisverleihung am 10. Dezember 1913 an die Schwedische Akademie sandte mit Dank für die Großzügigkeit des Verständnisses, "die das Entfernte nahe herbeigeholt und aus einem Fremden einen Bruder gemacht hat", klingt auch heute noch wie eine Metapher. Für Akzeptanz, Neugier, Toleranz, das Entgegenkommen. Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2012

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