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Veronika Böhmová konzertiert bei den 14. Tschechisch-Deutschen Kulturtagen in Dresden

Veronika Böhmová konzertiert bei den 14. Tschechisch-Deutschen Kulturtagen in Dresden

- der war richtig bei diesem Klavierrecital mit der jungen Pianistin Veronika Böhmová in der anheimelnden Atmosphäre der Brücke-Villa am Dresdner Elbufer.

Die zierliche, junge Frau erhielt ihre Ausbildung in Prag und Dresden, war Stipendiatin der Brücke/Most-Stiftung und Preisträgerin des diesjährigen Rubinstein-Wettbewerbes. Sie sprühte geradezu vor Temperament und Leidenschaft, setzte in ihrem Interpretationsansatz jeweils auf Kraft und energisch vorgebrachte Akzente, alles auf technisch sehr hohem Niveau. Was dem Abend fehlte, waren feinere Farbschattierungen und ein programmatischer Ruhepunkt.

Letzterer hätte Leos Janáceks nachtschwarzer Zyklus "Auf verwachsenem Pfade" werden können, jene geheimnisumwitterten, poesievollen Miniaturen, die so viel von Janáceks musikalischer und menschlicher Einsamkeit wiedergeben. Warum sich Veronika Böhmová entschieden hatte, nur drei der insgesamt zehn Stücke, die zwischen 1901 und 1908 entstanden, zu spielen, erschloss sich nicht so recht und war - angesichts der Güte der Interpretation - nur zu bedauern. Hier hatte die Musikerin die rechten Ausdrucksmittel gefunden, einen ausgewogenen, emotionalen Zugang, gestalterischen Tiefgang, satte Farben. Schade, dass dieser hierzulande selten gehörte Janácek-Zyklus von den beiden anderen Werken des Abends "erdrückt" wurde!

"Etudes Tableaux", d.h. Bilder-Etüden, sind eine Erfindung Sergej Rachmaninows. Die Fantasie des Interpreten und des Hörers sollte sich an dieser eigenwilligen Mischung zwischen Konzertetüde und effektvoller Tondichtung für Klavier entzünden - "Das Meer und die Möwen" op. 39/2, "Rotkäppchen und der Wolf" op. 39/6, ein orientalischer Marsch in op. 39/9, um nur einige Beispiele zu nennen. Dass Veronika Böhmová Rachmaninow liebt und für die prachtvoll blendende Virtuosität dieser Stücke op. 39 das richtige Gespür nebst den technischen Voraussetzungen hat, war sehr deutlich zu merken. Mitreißend und mit geradezu unbändiger Freude an den klanglichen Attraktionen und der Raffinesse der Etüden ging sie zu Werke - manchmal freilich zu grobkörnig und vor allem zu laut.

Am wenigsten glücklich wurde ich an diesem Abend mit dem Einleitungsstück, der 1. Sonate in C-Dur des noch jungen Johannes Brahms - eine allzu forsche, wenig zurückhaltende und indifferente Interpretation. Da hätten etwa die vier Variationen des Andante durchaus eine subtilere Ausformung gut getan, wären ein paar mehr Nuancen im Sturm des Finales von Nöten gewesen.

Veranstaltungstipp

Im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage gastiert heute, 21 Uhr, das Luboš Soukup Quartet im Jazzclub Tonne. Das Ensemble, 2010 in Dänemark gegründet, ist eine international besetzte Band, in deren Fokus v.a. die Musik ihres Saxophonisten Luboš Soukup steht. Mit seinen Partnern Christian Pabst (piano), Joel Illerhaag (bass) und Morten Haesum (drums) verbindet Soukup den skandinavischen und den mitteleuropäischen Blick auf den Jazz, beeinflusst von Bebop, Free Jazz bis hin zu Klassik und Folk.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2012

M. Hanns

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