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Verdis "Il trovatore" in neuer Besetzung in der Semperoper

Verdis "Il trovatore" in neuer Besetzung in der Semperoper

Das Orchester setzt verhalten an, wenige Takte Vorspiel zum zweiten Bild im dritten Teil, der Vorhang hebt sich. Auf Castellor, von Graf Lunas Truppen umstellt, wo der Troubadour Manrico mit Leonora glücklich vereint ist, wird die Flagge gehisst.

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Marjorie Owens (r.) als Leonora.

Quelle: Matthias Creutziger

Aber warum so langsam, immer langsamer? Warum keine Musik? Marco Berti, italienischer Tenor und korpulent, steht ziemlich dumm da. Eigentlich wollte er jetzt seiner Geliebten alle ängstlichen Gedanken angesichts des bevorstehenden Angriffs Lunas, der sie natürlich auch liebt, wegsingen. Aber die Begehrte kommt einfach nicht. Vorhang runter, Vorspiel noch mal, Vorhang wieder hoch, dann ist sie da, die Begehrte, und das verworrene Spiel um undurchsichtige Verwandtschafts- und Liebesverhältnisse feindlicher Brüder, die nicht wissen, dass sie solche sind, kann weitergehen. Wäre auch schade, denn wenn Manrico erfährt, dass seine Mutter, die geheimnisvolle Zigeunerin Azucena, hingerichtet werden soll, stürzt er auf und davon zum Befreiungskampf und singt seine berühmte Stretta, "Di quella pira". Na, ja es lodert trotz Lautstärke verhalten und der triumphale hohe Ton zum Schluss klingt alles andere als siegesgewiss.

Irgendwie will die Spannung nicht recht aufkommen am Montagabend in der Semperoper. Das mag zunächst an Michael Hampes uninspirierter Inszenierung von 2008 liegen. Die Personen kommen, sie stehen, knien oder sitzen, heben den rechten oder den linken Arm, manchmal sogar beide. Sie singen und gehen wieder. Hinknien kann zudem gefährlich sein. Die Sängerin der Azucena verheddert sich beim Aufstehen so sehr, dass man meinen könnte, im Kostüm habe sie noch nicht probiert. Man wundert sich ja auch, dass so kämpferische Haudegen wie der Conte di Luna erhebliche Mühe haben, den Degen ins Schutzfutteral zu bekommen. Nach jedem der acht Bilder, die sich eigentlich nicht so sehr voneinander unterscheiden, geht ein schwarzer Vorhang runter, es wird lautstark umgebaut, dann geht er wieder hoch.

Auf der Szene geht so gut wie nichts los, gesungen wird an der Rampe, also dann doch wenigstens die Chance nutzen und ein musikalisches Feuerwerk abbrennen. Die Sängerinnen und Sänger machen das, geben ihr Bestes. Die Sopranistin Marjorie Owens als Leonora und der Bariton Quinn Kelsey als Conte di Luna setzen die sängerischen Maßstäbe des Abends. Dem Tenor wünschte man etwas mehr an Geschmeidigkeit, mehr Raffinesse als beachtliche Lautstärke. Tichina Vaughn als Azucena liefert mutige Charaktertöne, bleibt szenisch unterfordert. Gleich zu Beginn lässt die helle, sicher geführte Sopranstimme mit lyrischer Ausstrahlung von Valda Wilson als Inez aufhorchen, wirklich schade, dass diese Partie so knapp ist.

Am Pult der Staatskapelle steht Daniel Oren. Sein Herz gehört den Sängern, sein Dirigat auch. Er führt sie, er leitet sie, er ermuntert sie, er nimmt zu ihren Gunsten den Klang des Orchesters so weit zurück, dass man es manchmal kaum vernimmt. Diese Chance wissen die Sänger nicht immer zu nutzen, denn zu dezenter, sensibler, klingender Dankbarkeit sind sie selten bereit. Lediglich die Herren des Chores wissen des Dirigenten flehentliche Gesten zu deuten und singen flugs ein himmlisches Pianissimo.

Höchst verwunderlich aber letztlich doch der Eindruck, dass die Musiker, insbesondere die Streicher, regelrecht zu zupfenden, begleitenden Dienstleistungen angehalten werden. Das ist im Falle dieses Orchesters leider ein bedauerlicher Opernirrtum.

Boris Michael Gruhl

nächste Aufführungen: heute, 18. & 21.2.

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.01.2012

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