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Verdämmertes Werk: Das Dresdner Leonhardi-Museum würdigt Ernst Schroeder

Verdämmertes Werk: Das Dresdner Leonhardi-Museum würdigt Ernst Schroeder

Stille, melancholisch-umdunkelte Malerei und eine streng wirkende Grafik präsentiert zur Zeit das Leonhardi-Museum mit Landschaften und Stilleben von Ernst Schroeder (1928-1989) aus Anlass seines 25. Todestages und neuer Erkenntnisse zum Werk.

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Ernst Schroeder: "Stilleben mit Kanne und Schüssel", 1950-er Jahre, Öl auf Pappe.

Quelle: Repro: Leonhardi-Museum

Mit dieser Ausstellung und dem zugehörigen Katalog (der auch einen Nachtrag zum Werkverzeichnis enthält) bringen die Ernst-Schroeder-Gesellschaft und Bernd Heise, der Leiter des Hauses, ihre langjährige Beschäftigung mit dem Werk Schroeders zu einem guten Ende.

Zwar handelt es sich nur um ein zeitlich eng begrenztes Werk, das um 1960 verdämmerte, aber der Wert von Schroeders Kunst ist unbestritten und unter Künstlern gilt er bis heute als unbedingtes Muss, wie zum Beispiel für die Berliner Malschule unter Harald Metzkes, Manfred Böttcher und Werner Stötzer sowie die Dresdner Stefan Plenkers, Rainer Zille, Holger John, Wolfgang Kühne und viele andere. "In den 1950-er Jahren lebte ein bedeutender Maler in Berlin, dessen Bilder in keinem Museum hingen, nur in den Ateliers sei- ner damaligen Freunde...", schrieb Matthias Flügge in seiner Laudatio zur Ausstellung über den "Künstlerkünstler".

Ernst Schroeders fruchtbarstes Wirken als Maler ist auf die 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts begrenzt, aber mit großer Ausstrahlung auf die deutsche Malerei dieser Zeit. Die Leihgeber (Lindenau-Museum Altenburg, Kunstsammlung Neubrandenburg, Pommersches Landesmuseum Greifswald sowie Privatsammlungen) öffneten ihre Grafikschränke und Depots mit Ölbildern, Aquarellen und Tuschezeichnungen, die vorwiegend aus zehn Jahren intensi- ver Arbeit stammen. Das Leonhardi- Museum ehrt in einer ersten Einzelausstellung für Dresden einen Künstler, der für die Kunst in beiden Teilen Deutschlands gleichermaßen relevant gewesen ist.

Ernst Schroeder wurde am 15. Juli 1928 in Stettin geboren, lebte in Swinemünde und später in Bansin. Ab 1949 studierte er bei Max Pechstein an der HfBK Berlin-Charlottenburg und beendete sein Studium 1954 als Meisterschüler Pechsteins. Von 1956 bis 1958 war er Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste bei Otto Nagel und Heinrich Ehmsen. Danach lebte er bis zu seinem Tode zurückgezogen bei seiner Mutter in Hamburg.

Reihen sich im Erdgeschoss neben einigen wichtigen, fest gebauten, stoischen Landschaftsbildern vor allem kleinere Arbeiten in Öl auf Papier, Tuschezeichnungen und Aquarelle, so bietet das Aquarellzimmer des Museums einen Einblick in das umfangreiche Stillebenschaffen von Ernst Schroeder. Grüne Birnen, Laubblätter und andere Früchte liegen dort neben Kannen, Vasen, Stundenglas und Petroleumlampe. Einige Arbeiten haben diese fragile Dichte und Vergeistigung, die, wie auch in der Landschaft, metaphysische Dimensionen annehmen. Vorwiegend dunkel und in sonorem Braun, Grau-und Schwarztönen gehalten, stehen sie in ihrer feinen dinglichen Graziosität und Bescheidenheit und schweigen. Diese für die 50-er Jahre bezeichnende äußerliche Armut, dem Nachkrieg geschuldet, erfüllt den Bildraum mit Aufrichtigkeit und Würde und erinnert an einen Vers Rilkes im "Stundenbuch": "Armut ist ein großer Glanz von innen".

Melancholie erfüllt auch den großen Saal des Leonhardi-Museums beim Anblick der Landschaften von Nord-und Ostsee, den Küstenstreifen, Hafenszenen, aber auch der dort sich duckenden kleinen Städte, mit Blicken auf menschenleere Straßenzüge über die Dächer ("Berliner Straße") und die Silhouetten von Kirchtürmen. Ganz oben am Horizont liegt ein Boot am Strand, davor (ein bewusster Eingriff in die Gesetze der Perspektive) hängen zum Trocknen die Netze der Fischer. Breit streckt sich der Strand, graue Straßen führen in die Tiefe des Bildraumes hinein in ähnlich graue Himmel, manchmal verstärkt durch ein tiefdunkles Rot an unscheinbarer Stelle. Die durch depressive Eintrübungen bestimmte Malerei hat ihren besonderen Reiz für Künstler gehabt, die an ähnlichen Anfängen standen, gerade die ostdeutschen Künstler, für die nicht das Wirtschaftswunder, sondern das triste Alltagsgrau der DDR prägend war. Bezeichnend ist, dass aus dem Dunkel der Bilder von Ernst Schroeder ein Licht kommt, das trotz aller äußerlichen Distanz und Kühle wärmt und Hoffnung macht und auch heute, in Zeiten des oberflächlichen Flitters und der Reizüberflutung hektischer Betriebsamkeit, noch wichtige Botschaften wie die Mahnung zu größerer Stille und Tiefe zu übermitteln vermag.

bis 8. März, Leonhardi-Museum Dresden, Grundstraße 26, geöffnet Di-Fr 14-18, Sa & So 10-18 Uhr, Tel. 0351/268 35 13

www.leonhardi-museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.02.2015

Heinz Weißflog

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