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Vater & Sohn: Erstmals präsentiert die Galerie Holger John in Dresden Bilder von Joachim John

Vater & Sohn: Erstmals präsentiert die Galerie Holger John in Dresden Bilder von Joachim John

Er ist ein schaffensreicher Zeichner, doch die Chance zur Begegnung mit dem umfänglichen Œuvre von Joachim John ist rar. Sein Sohn schafft nun Abhilfe und präsentiert in der Galerie Holger John eine Ausstellung mit Arbeiten von "Vater & Sohn".

Der 81-jährige Senior wird zwar nicht zur Vernissage nach Dresden kommen, stand Michael Ernst aber vorab Rede und Antwort im DNN-Gespräch.

Frage: Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, aber noch nie gemeinsam mit denen Ihres Sohnes Holger John. Spüren Sie da so etwas wie Aufregung?

Joachim John: Nein, aufgeregt bin ich nicht. Ich sehe das als angenehme Möglichkeit, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen. Eigentlich ist Vater und Sohn ja ein bisschen Unsinn. Wenn man das hört, denkt man an Cranach den Älteren und den Jüngeren vor 500 Jahren oder an Breughels. Aber Kunst hat mit Familie und Verwandtschaft nichts zu tun, es gibt kein Kunstzeichner-Gen.

Wie schätzen Sie die Talente von Holger John ein?

Mir gefällt, wie er das macht. Jeder Künstler ist ein Universum für sich und zeigt sich in seinen Möglichkeiten. Er hatte immer mit Künstlern zu tun, zum Glück mit sehr guten wie etwa Otto Niemeyer-Holstein, dem er fast wie ein Enkel war. Das sind gute Voraussetzungen gewesen.

Sein Spagat als Künstler und Galerist, ist das ein Wagnis?

Ich wünsche ihm vor Herzen, dass alles gut geht! So eine Galerie an solch einem Platz, das ist doch ein richtiges Wunder. Die geistigen Qualitäten dafür hat er. Allerdings glaube ich kaum, dass man das Dasein als Künstler und Galerist verbinden kann. Dazu ist eine Galerie viel zu beanspruchend.

In Dresden zeigen Sie ausschließlich frühe Arbeiten, Landschaften vor allem. Bewusst reduziert?

Ja, ich will doch kein Lebenswerk ausstellen. Eine Sache allein, das ist gut. Die Landschaften sind alle vor der Natur hergestellt, auch die Kaltnadelarbeiten. Die Kunst des Zeichnens und der Radierung hat eine lange Tradition.

Was hat Sie da geprägt?

Beeinflusst von dem, was man kennt, von den Meistern, die es früher gegeben hat, ist wohl jeder. In Maßen zumindest. Ich bewundere Landschaftszeichner wie Carl Blechen und Camille Corot, die sind herrlich. Nichts weiter als ein paar Bäume, so wie bei Rembrandt.

Welchen Bezug haben Sie zur Malerei?

Ich habe ein paarmal damit angefangen und bin ein paarmal damit gescheitert. Wobei nicht ganz deutlich ist, wie nah Malerei, Zeichnung und Grafik sind. Ich habe drei riesengroße Panorama-Bilder hergestellt, hundert Quadratmeter groß und voller Figuren. Das ist eigentlich auch nur Zeichnerei, die dann mit bunter Soße vertieft oder gesteigert wurde. Aber diese Arbeiten gibt es nicht mehr. Bis vor zwei Jahren habe ich auch zehn Jahre lang an der Staffelei gearbeitet und inzwischen alles vernichtet, was da entstand. Weil das wohl einer meiner größeren Irrtümer war. So ist nun mal das Leben.

Wie wichtig ist Landschaft für Ihre Arbeit, einst die böhmische Heimat, heute die mecklenburgische Abgeschiedenheit?

Ich bin ein Kind im böhmisch- sächsischen Raum gewesen und bin das auch geblieben. Norddeutscher wurde ich nie. In Städten habe ich nur ganz wenig gezeichnet, in Berlin gar nichts. Weil ich mich immer unter Bäume gesehnt hab! Als Kind schon wollte ich in einem Haus leben, wo aus allen Fenstern Bäume zu sehen sind. Das habe ich jetzt hier erreicht, wo ich seit 37 Jahren lebe. Auch wenn das alles etwas baufällig ist.

Sie haben zahlreiche Künstlerkollegen gekannt, von Otto Niemeyer-Holstein und Fritz Cremer bis zu Arno Mohr und Gabriele Mucchi waren das sehr engagierte Persönlichkeiten. Sollte Kunst Ihrer Meinung nach politisch sein?

Das muss sie überhaupt nicht. Jeder wirkliche Künstler sollte das machen, was ihm zusteht. Es war ja eine blödsinnige Verkennung, dass man in der DDR-Kunst immer Engagement verlangte. Wer aus sich selbst heraus, also durch Begegnung und Umgang, engagiert wird, der mache das. Wer aber von Grund auf eine lyrische Person ist, wird Mist machen, wenn er Gesellschaftsdramatik betreibt. Ich habe in der DDR so viele Preise gekriegt, da war immer ein halber Irrtum dabei. Weil ich engagierte Kunst in die Öffentlichkeit brachte. Mich hat das Gesellschaftsdrama interessiert, aber nicht das, was die Kulturpolitik erwartete. Das Dramatische wurde honoriert, mit zum Teil völligen Fehlurteilen. Die Ansicht der Natur hat für mich mit dem Gesellschaftsdrama nichts zu tun. Ich versuche, mit eigenen Gedanken Bilder herzustellen, Zusammenhänge vielleicht, die man vorher nicht sah. Das kann ich mir alles ausdenken. Aber zwei Bäume mit Ästen und Zweigen, wenn ich den unverständlichen Zusammenhang ihrer Formen wirklich erlebe und nicht durch den Verstand wahrnehme, die kann ich mir nicht überzeugend ausdenken.

Ihre Arbeiten, wenn sie nicht ohnehin literarische Stoffe zur Grundlage haben, sind oft sehr erzählend, was treibt Sie zum Wort, zur Literatur?

Zum Schreiben kommt man durchs Lesen. Für mich ist Büchner mit seinem "Danton" ganz prägend gewesen. So gut, dass er bisher unausgeschöpft geblieben ist. An "Woyzeck" habe ich zwei Jahre lang Figurenzeichnen geübt, das wollte ich nicht an der Anatomie lernen, sondern durch literarisch geformte Figuren. Mit meinen eigenen Texten nehme ich an, dass ich auf mancherlei Voreingenommenheit stoße. Wer mich als Zeichner kennt, wird meine Bücher wahrscheinlich nicht lesen, das passt für viele Leute nicht zusammen.

iVernissage heute, 19 Uhr, Laudatio: Wulff Sailer; Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17. www.galerie-holgerjohn.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.04.2014

Michael Ernst

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