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VarioVocale Dresden gab ein Benefizkonzert in der und für die Weinbergskirche

VarioVocale Dresden gab ein Benefizkonzert in der und für die Weinbergskirche

Wankende Pfeiler oder ein undichtes Dach, solche "klassischen" Sorgen beschäftigen die Kirchgemeinde in Trachenberge nicht. Doch die verschlissene Elektrik der Weinbergskirche sorgt dafür, dass der Strom schon längere Zeit nur aus provisorischen Kabeln und Licht von einigen Lampen und Scheinwerfern auf den Emporen kommt.

Da war es kein Nachteil, dass die Sonne noch kräftig durch die Kirchenfenster schien und dem Chor VarioVocale Dresden genügend Licht auf die Notenblätter warf.

Der Titel "O lichter Tag" (als Textzitat einer Motette von Pinello) für dieses Benefizkonzert zugunsten einer neuen Elektrik war also hintersinnig, und Chorleiter Gerd Reichard hatte mit seinem neun Sängerinnen und sieben Sänger zählenden Ensemble ein ebenso ernstes wie humorvolles Programm einstudiert. Dabei war es Reichard gelungen, ausschließlich Werke auszuwählen, deren Komponisten in Dresden gewirkt oder geweilt haben (oder noch wirken), was für einen erklecklichen Umfang und stilistische Abwechslung sorgte. Leicht gelangen dem Chor am Beginn einige geistliche Stücke der Romantik von Gustav Merkel, Bernhard Klein oder Rachmaninow, gut gestaltet und mit kräftiger Dynamik. Die Idee, den Motetten der frühbarocken Meister (Scandello, Pinello, Praetorius und Schütz) mit viel Piano kammermusikalische Eleganz zu geben, ließ die Konturen der Sätze eher verwischen. Die Ausnahme war da Scandellos "Ein Hennlein weiß", bei dem nicht nur der Spaß an der Musik mitreißend wirkte, sondern auch der kraftvollere Gestus den Chorklang merklich straffte. Die Jubilare des Jahres, Hans Leo Hassler und Joseph Schuster, sorgten nebeneinander gestellt für einen Spagat, bei dem die Sängerinnen und Sänger von rhythmischer Strenge (Mein G'müt ist mir verwirret) zum schon skurrilen Stil eines Chores aus Schusters Oper "Il pazzo di forza" springen mussten.

Wie zu Beginn der geistlichen war auch der unterhaltsamen Romantik von Weber, Reissiger, dem Ehepaar Schumann oder Richard Wagner anzumerken, dass VarioVocale diese Chorliteratur besonders liegt. Emotionalität und gesangliche Energie bereiteten trotz kleiner Unsicherheiten ordentliches Hörvergnügen. Von den Zeitgenossen stammten in diesem Chorkonzert einmal die humorvollsten Beiträge: Dieter Westenhöfer (früherer Kantor der Weinbergskirche) hat das Lied "Der Schneider Jahrestag" für den Chor in einen lustig zu singenden Satz gebracht, und Gerd Reichard verfasste extra für dieses Benefizkonzert den Kanon "Ohm statt Strom" samt einem Text voller elektrotechnischer Wortspiele, mit dem auch die Zuhörer gegen den elektrischen Widerstand alter Kabel ansingen durften. Der besinnliche Schluss mit Adam Kriegers "Nun sich der Tag geendet hat" sollte dann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch so einige finanzielle Beiträge nötig sein werden, bis in der Weinbergskirche Strom durch neue Leitungen fließen kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.04.2012

Hartmut Schütz

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