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Variantenreichund sinnlich - Jana Morgenstern mit neuen Arbeiten in der Feuerwache

Variantenreichund sinnlich - Jana Morgenstern mit neuen Arbeiten in der Feuerwache

Es ist immer wieder frappierend, mit welch teils unaufwendigen Mitteln Jana Morgenstern (Jg. 1967) Arbeiten gelingen, die das Interesse des Betrachters wecken. Dies umso mehr, als sie diese Mittel obendrein sparsam und sehr bedacht einsetzt.

Jana Morgenstern: Ohne Titel, Fettkreide auf Karton, 2011. Repro: Flyer

Ebenso bedacht sind dann auch ihre Ausstellungen - gleich ob klein oder groß. Im aktuellen Fall ist eher "klein" treffend. Passend ist auch der Titel "Kontur", weist er doch auf das Medium - die Zeichnung -, ebenso aber das Vorgehen. Wie immer inspiriert von Dingen und Erscheinungen der realen Welt - hier waren es Steine und ein Spachtel -, fließen leicht und schwingend oder auch sich ineinander verschlingend und überlagernd, Linien über Bildgründe. Dort entfalten sie ein eigenwilliges, zugleich anziehendes Leben. Dafür setzt die Künstlerin in jüngerer Zeit häufig auf Fettkreide. Mit der "umrundet" sie die erwähnten Gegenstände ganz oder partiell, versetzt sie ein Stück, zeichnet wieder den Umriss nach und so weiter und so fort. Ergebnis sind dann die geheimnisvollen "Konturen".

Nicht davon zu trennen ist der Faktor Farbe. Zum einen ist die Fettkreide farbig, zum anderen überzieht die Künstlerin die Bildgründe mit dunkler Tusche, die mal mehr, mal weniger dicht beziehungsweise lasierend erscheint. Dies gibt den Konturen ein ganz eigenartig geheimnisvolles Eigenleben, das manchmal noch neu befeuert wird, wenn diese nach dem Tuschauftrag partiell verstärkt werden. So drängt mal das Eine, mal das Andere nach vorn, wobei es immer um feine Nuancierungen, nicht laute Effekte geht: Zu dunklem Blaugrau tritt etwa helles Blau, fast Türkis, zum Grau Rosa.

Besonders interessant sind die beiden Leinwandbilder, vor allem jenes von 2010. Hier arbeitet die Künstlerin mit den in ihrem Schaffen bekannten Spiegeleffekten. Basis ist eine quadratische Leinwand die in vier, in Grau und Schwarz gehaltene Quadrate aufgeteilt ist. Auf diesen wiederum sind die Konturformen platziert, die sich in der Art einer sich nach oben verstärkenden Girlande über die Gesamtfläche schwingen. Gespiegelt sind auch sie. Sichtbar ist das dort, wo einzelne Formen die Ränder der jeweiligen Bildteile überspannen. So kommt es nicht nur innerhalb der Flächen zu Farbwechseln der Formen, sondern ebenso innerhalb der Konturformen, wenn der Übergang zwischen Schwarz und Grau, Grau und Schwarz ansteht. Dann wird die blaue Kontur lila, später rosa, am nächsten Übergang wieder blau, auch weiß und so weiter. Es ist ein wunderschönes, gleichwohl sparsames Wechselspiel der Farben.

Diesen Arbeiten ist ein gerüttelt Maß Sinnlichkeit eigen. Zugleich sind sie Ausdruck eines kreativen, dem Experiment aufgeschlossenen Umgangs mit den eigenen künstlerischen Mitteln. So entdeckte Jana Morgenstern 2011 einst als Verpackung genutzte Kartons als Bildgrund für sich. Nach Auftragen von Konturen und Tusche entstand noch einmal ein ganz neuer Effekt, reagiert doch dieser Grund anders als Zeichenkarton. Obendrein scheinen oft noch Beschriftungen des ursprünglichen Zwecks durch die Überzeichnung. Schließlich ist Jana Morgenstern mit einer Arbeit auch in die dritte Dimension vorgestoßen. Der zum Objekt gemachte, auf Sockel gestellte Karton mit unbehandeltem Grund ist allover von "Konturen" in Orange überzogen.

Auch diesmal ist es eine schöne Erfahrung, dem von leisen Tönen geprägten, gleichwohl variantenreichen abstrakt-assoziativen Schaffen der Künstlerin zu begegnen, die nach einem Lehrerdiplom (Kunsterziehung/Deutsch 1985-1990) an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in der Klasse von Günther Horlbeck studierte (1990-1996), der - das war selten am Haus - selbst ein mit Formen und Abstraktion experimentierendes Werk geschaffen hat. In dieser Hinsicht ebenso aufschlussreich und inspirierend dürften zudem das Meisterschülerstudium bei Max Uhlig gewesen sein (1996-1998) sowie Stipendienaufenthalte, unter anderem 1999 in den USA.

Bis 3. Februar, Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Str. 4, So-Do, 14-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2012

Lisa Werner-Art

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