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Van Morrison bei Konzertsaalatmosphäre in der Jungen Garde Dresden

Großartige Stücke, wenig Live-Erlebnis Van Morrison bei Konzertsaalatmosphäre in der Jungen Garde Dresden

Der nordirische Songwriter ist einer der größten seiner Zunft. Am Donnerstag Abend durfte man „Mr. Van the Man“ Morrison live vor der wunderschönen Kulisse der Jungen Garde erleben. Doch ein richtig überwältigendes Live-Konzert sollte es dennoch nicht werden.

Van Morrison in der Jungen Garde bei einen seiner beiden Deutschlandauftritte 2016.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Kollege Andreas Körner sah recht zufrieden aus, zwei zufällig auf dem Heimweg getroffene Radfahrer wirkten tiefenentspannt-glücklich über das gerade erlebte Konzert, und MDR-Kultur-Kollege Stefan Melk überschlug sich bei seiner Berichterstattung geradezu.

Was also stimmt nicht mit mir?

Um es vorweg zu sagen: „Mr. Van the Man“ Morrison stand seit etlichen Jahren auf meiner Liste von Musikern, die ich unbedingt endlich einmal live erleben wollte. Der Nordire ist auch für mich einer der größten Songschreiber aller Zeiten, und wie er sämtliche Genres mit seiner charakteristischen Stimme und seinem Saxofon angeht, sich zu eigen macht, durchdringt, halte auch ich für ziemlich einmalig. Zwei Stunden mit „Astral Weeks“ auf dem Sofa kommen meiner Vorstellung von einem idealen Abend schon ziemlich nahe. Und so wird es wohl auch immer sein. Bloß live, live muss ich das nicht unbedingt ein zweites Mal haben – im Gegensatz zu so vielen anderen Künstlern, wo das tatsächliche Selbst-Erleben, das Dabeisein, so unendlich viel mehr ist als der Genuss der Konserve. Natürlich ist die Junge Garde ein geradezu magischer Ort, und so war es alles in allem ein schöner Abend, aber nicht mehr.

In seiner Heimat tritt Van Morrison seit einiger Zeit bevorzugt in Nobelhotels auf, wo 300 bis 400 Gäste teilweise beim Dinner seinen Songs lauschen. Und ich behaupte, es ist gar nicht so unpassend, wie es erscheint. Ein Künstler, der ohnehin in keinster Weise mit dem Publikum und kaum mit seinen Mitmusikern kommuniziert, sondern konzentriert sein Programm abarbeitet, quasi eine durchorganisierte Veranstaltung abliefert, den kann ich mir durchaus in so einer Umgebung vorstellen. Das mit dem Dinner nicht, nein, diese Perlen von Songs sind allesamt viel zu kostbar, um sie irgendwie nebenher zu „konsumieren“, aber so eine Art Ballsaalatmosphäre, wo man entspannt sitzt – ja. Auch in der Garde herrschte eher Konzertsaalatmosphäre, zumindest in den vorderen Reihe wurde geradezu andächtig gelauscht.

Und natürlich war es eine feine Setlist, die der gerade 71 Jahre alt Gewordene da präsentierte – dabei allerdings nicht so ungewöhnlich, wie Stefan Melk meint, sondern über weite Strecken identisch mit der des Abends vor gut zwei Wochen im Slieve Donard Resort in Newcastle, Nordirland. Ein fantastisches, direkt am Strand gelegenes viktorianisches Grand-Hotel, im übrigen. Verständlich, dass Mr. Morrison sich gern dorthin einladen lässt. Zwar gab es dort nicht den Klassiker „Moondance“ als Opener, aber das kombinierte Magic Time / Wild Night durfte auch an jenem Abend gleich an zweiter Stelle seine Magie entfalten – und ja, mit den Songs gab es in dem wunderbaren Setting des milden Sommerabends in der grünen Garde durchaus einen Hauch Magie.

Das ebenfalls kombinierte „Wild Night“/„Baby Please Don’t Go“ mit Morrison an der Mundharmonika offerierte dann einen Hauch Live-Gefühl mit einem schön losgelassenen Keyboard – vermutlich, wie in Newcastle, gespielt von Paul Moran. Abgesehen von einem unverständlichen Gemurmel, gab es natürlich keinerlei namentliche Würdigung der sehr guten Band. Wir gehen also einfach davon aus, dass es sich um Moran an Trompete, Keyboard und E-Piano, Dave Keary an Gitarre, Paul Moore an Kontra- und E-Bass, Mez Clough an Drums und Dana Masters als Background-Sängerin und Duett-Partnerin handelte.

Mit ein paar reinen Blues-Stücken kommen Erinnerungen an alte Them-Zeiten auf – aber richtig nahe geht einem das im Publikum nicht. Dafür ist „Sometimes We Cry“ im Duett mit Masters definitiv ein Highlight – der Song ist einfach unendlich schön, und die Stimmen der beiden passen gut zusammen.

Positiv betrachtet kann man auch anmerken, dass das Durchchoreografierte des Auftritts dafür sorgte, dass sämtliche Soli perfekt eingebunden waren. Was sich dann allerdings ins Gegenteil verkehrte, als die Band die einzige Zugabe „Gloria“ zehn Minuten nach Morrisons Abgang sinnlos ausdehnte.

Zwei Stücke der neuen, kommenden CD, „Too Late For Songs“ und das Titelstück, werden ein- und miteinander verbunden und klingen vielversprechend, machen Lust auf „Keep Me Singing“. „Why Must I Always Explain“, das ein wenig Clubatmosphäre erzeugt, ist ein Höhepunkt, ebenso wie „Saint James Infirmary“ vom Blue Note-Album „What’s Wrong With That Picture“ – und natürlich ist „In The Garden“ das Highlight schlechthin. Letzteres ist ja ein Stück, das im Hörer sofort die Sehnsucht nach einem idyllischen, einfachen Leben in und mit der Natur hervorruft – und das passte in der Garde natürlich ausgezeichnet. Hier gab es dann aber auch eine kleine Kostprobe von Morrisons unangenehmem Umgang mit seinen Mitmusikern: Mit einer despotischen Geste schickt er Paul Moran an das Keyboard.

Vermutlich freuen Fans sich, dass es bloß diese eine Geste war, dass er nicht gleich die ganze Band entlassen oder seine Mundharmonika zertrampelt hat, dass er seine guten Songs gut abgeliefert hat. Aber: Ein richtig überwältigend gutes Live-Konzert als Erlebnis fühlt sich einfach anders an.

Demnächst wieder auf dem Sofa.

Von Beate Baum

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