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Uwe Steimle präsentiert im Schauspielhaus Dresden sein neues Buch

Uwe Steimle präsentiert im Schauspielhaus Dresden sein neues Buch

Uwe Steimle kitzelt im Schauspielhaus die sächsische Volksseele. Nicht nur einmal erprobt er so auch an den Reaktionen des Publikums, wie viel (N)ostalgie anno 2012 überhaupt noch in seinen Landsleuten steckt.

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In der gemeinsamen Erinnerung an die Fernsehserie "Vier Panzersoldaten und ein Hund" erreicht dieses Gefühl dann so etwas wie einen Höhepunkt. Als Steimle schlitzohrig ins Publikum fragt: "Und-. wie hieß der Hund?", dauert es nur wenige Sekunden, bis unisono aus dem Saal tönt "Scharik!". Dafür verteilt Steimle Bestnoten an sein Publikum und untermauert dies mit der Erläuterung "Muss man nämlich wissen-, wenn's morgen wieder anders kommt!". Jubel fast überall im gut besuchten Theater, nur einige wenige reagieren mit Kopfschütteln.

"Aus dem Leben eines Ostalgikers"

Aber auch das registriert der Kabarettist genau und setzt noch eins obendrauf. Indem er weitere zahlreiche Erinnerungen an die DDR-Zeit zutage fördert. So beschreibt er z.B. den typischen Geruch in den Intershops. "Ich rieche Fa! - nicht Antifa, sondern die Seife Fa!" Doch Westgeld war rar und in Steimles Elternhaus noch rarer als rar. Ergo trösteten die Eltern den neugierigen Sprössling mit einer kurzen und prägnanten politischen Einschätzung des Herkunftslandes dieser Intershop-Schätze hinweg; "Na ja - gut riechend, aber ausgebeutet!"

Doch bevor Steimle an dieser Station seiner Dresdner Jugend ankommt, nimmt er in einem Kapitel seines Buches das Publikum erst einmal mit nach Alttrachau; jenen Stadtteil im Dresdner Norden, in dem er 1963 zur Welt kam. "Im Gaußgässl-" sagt Steimle "... wo noch bis in die frühen 1970er Jahre Gaslaternen die Straßen beleuchteten und die Gaslaternenanzünder unterwegs waren". Durchs Gaußgässl führte nach 1970 auch sein täglicher Schulweg. Ein stimmungsvolles abendliches Winterbild von Theodor Rosenhauer wird dafür auf die Bühnenrückwand projiziert.

"Meine Oma, Marx und Jesus Christus" lautet der Titel von Uwe Steimles neuem Buch. Doch diese Aufzählung genügt dem Autor offenbar noch nicht so richtig. Ergo lässt er noch den Untertitel folgen "Aus dem Leben eines Ostalgikers". Das aber dürfte sicher nur den interessieren, der mit dem Namen des Autors so gar nichts anzufangen weiß, und ist allein schon daher überflüssig.

Im Buch erscheint die schon so oft beschriebene sächsische Schlitzohrigkeit zwar gut erzählt, wandert aber mitunter auch zu sehr auf Nebengeleisen. Viel Lesespaß hält die Beschreibung von Steimles Schulzeit bereit. Schon in der 2. Klasse bescheinigt man ihm u.a. "Uwe hat noch immer keinen Platz im Kollektiv gefunden". Ein harsches Urteil in jener Zeit, die ganz auf Ideologie getrimmt war. Diese Phase mit all ihren Attributen prägte zwar Steimles Grundeinstellung, förderte aber zugleich auch seinen kritischen Blick.

So klingt sein Resümee (nicht nur, was den Intershop betrifft) dann durchaus doppelbödig. "1989 hatten wir uns schließlich sattgerochen -!" Und er nimmt danach mit der Überlegung "Vielleicht muss es mal wieder anders kommen!" den träge gewordenen Mitbürger aufs Korn. Womit Uwe Steimle in der Gegenwart und in der Weltpolitik angekommen ist. Er zelebriert dafür genüsslich das Wortungetüm "Wirtschaftswachstumsbeschleunigungsgesetz" und resümiert knochentrocken "Bei uns hieß das mal 5-Jahrplan!". Es folgt eine minimale Kunstpause und dann der Satz "Es ist nichts zu Ende gedacht!" Womit er bei dem allgegenwärtigen Thema "Eurokrise" angekommen ist. Und das mündet bei Steimle in einem harschen Vorschlag. "Wenn es wirklich so ist, dass alle die Länder pleite sind- dann soll man sie uns doch gleich überschreiben!" In den Beifall hinein fügt Steimle noch hinzu: "Womit das Ziel des 2. Weltkriegs auf andere Art korrigiert wäre!"

Damit die Wörter nicht aussterben

Steimle findet über die Plinsen wieder zur Satire zurück. Denn an einem Stand auf dem Striezelmarkt hat er mal gelesen "Original sächsische Crepés". "Weil die ehm ni' wissen, was Plinsen sind!", resümiert Steimle und leitet daraus das eigentliche Ziel seines Buches ab "Ich habe es deshalb geschrieben, damit die Wörter nicht aussterben!"

Letztendlich sollte unbedingt erwähnt werden, dass Uwe Steimle in seinem Programm auch singt. Und dass ihn dafür ein profundes Trio begleitet; der Pianist Matthias Hänsel, der Gitarrist Hennig Protzmann und der Drummer Wolfgang "Zicke" Schneider.

Uwe Steimle. Meine Oma, Marx und Jesus Christus - Aus dem Leben eines Ostalgikers, gebunden, 173 S., 19,99 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2012

Wolfgang Zimmermann

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