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Uwe Kröger ist der Stargast im „Käfig voller Narren“ an der Staatsoperette Dresden

Vor der Premiere Uwe Kröger ist der Stargast im „Käfig voller Narren“ an der Staatsoperette Dresden

An der Staatsoperette Dresden hat am 29. Januar „La Cages aux Folles“ als Co-Produktion mit dem Salzburger Landestheater Premiere. Stargast im „Käfig voller Narren“ ist der erfolgreiche Schauspieler und Musicalstar Uwe Kröger. Ein Porträt.

Uwe Kröger als Zara mit dem Ballett der Staatsoperette Dresden
 

Quelle: Kai-Uwe Schulte Bunert

Dresden.  „Sei du selbst, dann hast du kein Problem damit, wenn andere anders sind.“ So lässt sich das Anliegen seiner Rolle für den erfolgreichen Schauspieler und Musicalstar Uwe Kröger knapp zusammenfassen, wenn er als Albin, bzw. Zaza, in „La Cage aux Folles“ am 29. Januar in der Premiere dieses Musicalerfolges auf der Bühne der Staatsoperette in Dresden singen wird „I am what I am“ - „Ich bin was ich bin“.

Vor über 40 Jahren wurde dieser Käfig voller Narren erstmal in Paris geöffnet. Sieben Jahre lang wurde dieser Boulevardhit im Théatre du Palais Royal ununterbrochen gespielt. Der Film danach von 1979, mit Michel Serrault und Ugo Tognazzi, wurde ein Welterfolg. Kein Wunder, dass es das fünf Jahre später am New Yorker Broadway uraufgeführte Musical „La Cages aux Folles“ auf Anhieb in eine Spitzenposition der internationalen Hitliste der Musicals schaffte.

Das Stück mit der Musik von Jerry Hermann, das ist der Mann, der „Hello Dolly“ zum Welterfolg machte, spielt in einem Travestieclub in St. Tropez. Star dieser glitzernden Shows mit den Männern in kostbaren Frauenroben ist Zaza, eigentlich Albin, sein Partner und Besitzer des angesagten Clubs ist Georges.

Alles scheint klar, bis Georges Sohn sich meldet; nicht nur dies, er will seine Braut vorstellen, und deren Eltern wiederum möchten die Eltern ihres künftigen Schwiegersohns kennenlernen. Was tun, wenn die „Mutter“ des Jungverliebten aber ein Mann ist und der künftige Schwiegervater ein Politiker mit erzkonservativen Ansichten...

Es geht gut aus, besser als gedacht, ein tragikomischer Moment folgt auf den anderen, und das sollte man gesehen, gehört und erlebt haben, wenn in diesem „Käfig voller Narren“, wie so oft im Leben, es eben die Narren sind, die den Moralisten die Masken der Scheinheiligkeit vom Gesicht reißen und der Wahrheit auf die Sprünge helfen.

Freundlicher wie unkomplizierter „Star“

Die Dresdner Staatsoperette kündigt Uwe Kröger als Stargast in ihrer Produktion an, die sie in der Inszenierung des Landestheaters Salzburg in der Regie von Andreas Gergen übernimmt. Kröger, nach sagenhafter Karriere im Musicalfach, gab hier sein Debüt in dieser Rolle.

Es ist aber nicht so, erfahre ich im Gespräch mit dem so freundlichen wie unkomplizierten „Star“, dass man jetzt in Dresden genau das zu sehen bekomme, was man in Salzburg erleben kann. Andreas Gergen hat für die Staatsoperette und deren Ensemble eine spezielle Fassung erarbeitet, und die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen hier sei fantastisch. Er ist gespannt darauf, wie das Stück hier ankommen wird. Auch wenn sich viel getan habe, in Sachen Gleichberechtigung und Anerkennung, für die Selbstverständlichkeit gelebter Toleranz bleibt viel zu tun. Das möchte Uwe Kröger angesichts aktueller Situationen im Umgang mit fremden Menschen und Kulturen eben nicht nur auf das Thema des Stückes, also auf die Selbstverständlichkeit gleichgeschlechtlicher Liebe und Partnerschaft bezogen sehen. Gelebte Toleranz, so der Künstler, sei weit mehr, und gerade das unterhaltende Theater könne da Menschen ansprechen, die in intellektuellen Diskursen kaum erreicht werden.

Es geht um den Wandel der Familie

Es geht in diesem Stück ja auch um den Wandel der Familie, um die Einsicht, dass dieses „Nest“, so nennt es Uwe Kröger gern, für die Kinder eben auch von Männern oder Frauen gebaut werden könne. Bei ihm war es die Mutter, die ihm mit auf den Weg gab, zu sich zu stehen, anzuerkennen, was er habe, und nicht vorzugeben, ein anderer zu sein.

Von diesem Fundament aus konnte er seinen Weg gehen, der dann von einem Vorort der Stadt Hamm in Westfalen, vom ursprünglich naturwissenschaftlichen Interesse nach Berlin an die Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) führte, wo er erfolgreich den ersten, damals neu begründeten Studiengang im Fach Musical absolvierte. Seine Gesangslehrerin war Vicky Hall, sie sang 1978 die Sophie im „Rosenkavalier“ bei den ersten Dresdner Musikfestspielen.

Unmöglich, die Liste der von ihm oder gar für ihn kreierten Rollen und Partien aufzuzählen. Für Dresdner vielleicht interessant, dass er in der Uraufführung des Musicals „Elisabeth“ die Rolle des Todes in der Regie von Harry Kupfer, 1992 im Theater an der Wien, spielte. An die Zusammenarbeit mit diesem Regisseur und dessen Anweisungen erinnert er sich bis heute, etwa dass Kupfer verlangte, in jeder Szene zu sehen, dass sich der Darsteller auch existenziell entschieden habe und daher, selbst in einer eigentlich nicht existierenden Persönlichkeit, wie eben dem Tod, glaubwürdig sei. Glück und Zufall, auch in „Mozart! (Musical)“ konnte er noch einmal mit Harry Kupfer arbeiten. Über 30 Rollen sind es inzwischen, die Uwe Kröger gespielt hat und noch weiter in Neuinszenierungen oder auf Gastspielen verkörpert. Über 15 CD-Produktionen verzeichnet die Discographie, dazu kommen Arbeiten für den Rundfunk und das Fernsehen und immer wieder Konzertauftritte.

Gegen Klischees und Schubladendenken

Man möchte im Gespräch kaum glauben, dass der Mann im letzten Dezember 51 Jahre alt geworden ist, und das ist für ihn auch kein Problem, im Gegenteil. Für jede Rolle, insbesondere für die der Zaza in „La Cages aux Folles“, hilft ihm die Erfahrung, gegen Klischees und Schubladendenken anzuspielen, Glaubwürdigkeit zu gewinnen, gerade in der Unterhaltungskunst. Nur so kann es funktionieren, die Menschen am Abend im Theater über die Dinge zum Lachen zu bringen, die ihnen am Tage manchmal Angst machen. Es kann ja auch nicht schaden, mal über sich selbst zu lachen, nachdenklich zu werden und im besten Falle doch toleranter gegenüber Menschen, deren Art zu leben und zu lieben einem bisher fremd erschien. Mitunter kann das Theater ja auch helfen, das angeblich so unverständliche Fremde in sich selbst zu entdecken.

Unser Gespräch geht zu Ende. Uwe Kröger muss in die Maske. Die erste Voraufführung steht an für den „Käfig voller Narren“ an der Staatsoperette. Aber das liegt ihm noch am Herzen: Er ist froh, dass er hier ist, dass er mit dieser Rolle sein Debüt in Dresden geben darf, er will sei Bestes geben, denn er sei hier mit offenen Armen und großer Herzlichkeit empfangen worden.

Gut gefüllter Kalender

Und weitere Termine stehen im gut gefüllten Kalender. Demnächst wird Uwe Kröger pendeln, zwischen Dresden, Salzburg, Zürich und dem Zeltpalast Merzig im Saarland. Zu erleben ist er dort in der Deutschen Erstaufführung des Broadway-Musicals „The Addams Family“, und hier, ganz anders, ein Macho, der feurige Spanier Gomez als Chef des Addams-Clans.

„La Cages aux Folles“, Co-Produktion mit dem Salzburger Landestheater, Nach dem Stück „La Cage aux Folles“ von Jean Poiret . Deutsch von Erika Gesell und Christian Severin, Musik und Gesangstexte von Jerry Herman, Buch von Harvey Fierstein

Premiere: Freitag, 29. Februar, 19.30 Uhr
Weitere Vorstellungen: 30./ 31. Januar (Christian Grygas als Albin/Zaza)
www.staatsoperette-dresden.de

Von Boris Gruhl

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