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Uschi Brüning und Manfred Krug gastierten im Dresdner Schauspielhaus

Uschi Brüning und Manfred Krug gastierten im Dresdner Schauspielhaus

Ahnungslosigkeit ist ganz gewiss nicht beider Sache. Dafür sind Uschi Brüning und Manfred Krug schon zu lange im Showgeschäft zu Hause, als dass sie wirklich von den ganz besonderen Gegebenheiten an einem Auftrittsort überrascht wären.

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Manfred Krug und Uschi Brüning im Schauspielhaus.

Quelle: Dietrich Flechtner

So kamen die beiden auch just am Abend des diesjährigen Semperopernballs in die Elbestadt und wussten genau, was da gegenüber ihrem Auftrittsort, dem Schauspielhaus, passieren würde. Diese Konkurrenz interessierte die beiden und ihre vier exzellenten Begleitmusiker - Pianist Matthias Bätzel, Bassist Tom Götze, Saxophonist Andreas Bicking und Drummer Wolfgang "Zicke" Schneider) - nicht die Bohne.

Das Sextett zeigte sich nicht im Mindesten genervt, als gleich gegenüber sich das Opernball-Feuerwerk mit einer gehörigen Lautstärke entlud. Ganz das Gegenteil war der Fall. Wie als eine Antwort auf das Krachen der Böller und das Johlen der Zaungäste des Opernballs begründeten Uschi Brüning und Manfred Krug in ihrem Duett "Wir haben einander auserwählt!" die Notwendigkeit ihrer Anwesenheit an diesem Abend in Dresden.

Damit lagen sie auch vollkommen richtig. Denn nicht nur der Opernball konnte mit einem ausverkauften Haus punkten, auch das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf den schwungvollen "Wiener Walzer" allerdings musste man hier verzichten. Denn sowohl Uschi Brüning (Jahrgang 1947) als auch Manfred Krug (Jahrgang 1937) hatten keine zu jener Musik passenden, sondern konträre Botschaften in ihrem Gepäck.

So wirkte bereits John Legends Jazzklassiker "All Of Me" wunderbar inspirierend. Denn darin heißt es bspw. "-my head's underwater". Besser kann man wohl nicht beschreiben, auf welche Art und Weise man sich nervtötenden Störungen entziehen kann. Einfach mal Luft anhalten und wegtauchen. Wie wunderbar Bicking, Götze, Schneider und Bätzel solcherart Intentionen mittrugen bzw. wie sie es vermochten, all dies in ihre Musik einzubauen; das allein schon hebt dieses Konzert auf den Sockel eines ganz besondern Erlebnisses.

Dem entgegen kommt zudem die von jeglicher Eitelkeit befreite Moderation von Brüning und Krug, mit der die beiden es ausgesprochen bildhaft vermochten, ihre Zuhörer bis in jene Zeit zu entführen, als einst alles begann. Als Manfred Krug im Februar 1937 in Duisburg und Uschi Brüning im März 1947 in Leipzig geboren wurden. Es ist heute wohl kaum noch zählbar, wie oft die beiden in Konzerten gemeinsam auf der Bühne standen.

Nachvollziehbar aber wird es, wenn man erlebt, wie sich beide nahezu blind bzw. ohne Worte verstehen. Wie sie in den im Duett gesungenen Jazzstücken miteinander kommunizieren und sich dabei gegenseitig motivieren. Oder wie ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht huscht, als sie ihm zugewandt in einem Solo singt: "Ich bin kein Blitz am Himmelszelt!"

Verständlicherweise ließ man einen Manfred Krug und eine Uschi Brüning nicht vondannen ziehen, ohne einige ganz besondere Ohrwürmer gehört zu haben. Wie zum Beispiel das Duett "Mach's gut, ich muss gehn" oder jenen finalen Song "Alles geht einmal zu Ende!" Und auch den Schlageroldie "Ganz Paris träumt von der Liebe". Den aber widmeten die beiden den Opfern des Anschlags auf die Redaktion des Satireblatts "Charlie Hebdo". Was auf die Art zugleich zu einer politisch engagierten Wortmeldung wurde.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.02.2015

Wolfgang Zimmermann

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