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Ursula Geyer-Hopfe ist Dresdner Kunstpreisträgerin 2013 - Ehrung eines Lebenswerks

Ursula Geyer-Hopfe ist Dresdner Kunstpreisträgerin 2013 - Ehrung eines Lebenswerks

Sie hat sich nie in den Vordergrund gespielt, nur selten ganz vorn an der Rampe gestanden, und trotzdem hat sich ihre Gestaltungskunst vielen Theaterbesuchern tief eingeprägt.

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Ursula Geyer-Hopfe (M.) und die Förderpreisträger Elisabeth Werther, Nikolaus Woernle und Barbara Lubich (v.l.) vom FriedrichstadtZentral.

Quelle: Dietrich Flechtner

So etwas braucht freilich Zeit, Jahrzehnte gar, und so kann man der Jury für den Dresdner Kunstpreis doch den Vorwurf der Peinlichkeit ersparen, mit Ursula Geyer-Hopfe reichlich spät eine Schauspielerin zu ehren, die mittlerweile wohl nun doch endgültig von der Bühne abgetreten ist. Für neue Projekte kann sie die 5000 Euro Preisgeld also kaum gebrauchen, vielleicht aber - fest engagierte Schauspieler sind bekanntlich nicht auf Rosen gebettet -, wenn sie ihren 90. Geburtstag feiert. Der freilich kalendermäßig ausfällt, weil 2014 kein Schaltjahr ist.

Den Witz, dass ihre ewige Jugend von daher rühre, dass sie eben an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickte, hat sie oft genug gehört, aber die damit verbundene Herausforderung immer angenommen. Als sie 2007 vom Dresdner Staatsschauspiel offiziell verabschiedet wurde, war die Baucis im zweiten Teil des "Faust" eine ihrer letzten Rollen. Dieses traurige, von Mephisto zynisch kommentierte Vergehen des uralten Paars (mit Wolfgang Sörgel als Philemon) konnte es dann aber doch nicht gewesen sein. Sie "überlebte" die Ära Holk Freytag als Attinghausen, als durchsichtiger Greis in Wolfgang Engels "Tell"-Inszenierung, und als Wilfried Schulz sie 2009 wiederum als Gast holte, war sie durchaus sinnigerweise in den Wittenbrink-Abenden "Denn alle Lust will Ewigkeit" und "Die Lobbyisten" zu erleben, in letzterem als schräge Omi mit Mädchenzöpfen, die singt: "Haben sie schon mal im Dunkeln geküsst?"

Alles will eben erlernt und erfahren sein, und die Geyer-Hopfe tat es zumeist autodidaktisch, brachte es dabei von der Laienschauspielerin bis zur zeitweiligen Oberspielleiterin. Das ging so, weil die Zeiten eben so waren, aber es hatte wohl auch mit ihrem Charakter zu tun: immer neugierig, sich aber nie vordrängen, sondern erst einmal schauen und dann einspringen, wenn man gebraucht wird. Wie damals in ihrer Geburtsstadt Freiberg für Inge Keller in Hauptmanns "Biberpelz", womit ihre Karriere eigentlich begann.

Als Dieter Görne 1995 die 71-Jährige fest ins Ensemble holte, hatte sie sich hier bereits in vielen kleinen Rollen unentbehrlich gemacht. Und einen Lebenstraum erfüllt, wie sie in ihren Erinnerungen gesteht, die im Jubiläumsband "100 Jahre Schauspielhaus" nachzulesen sind. Freilich nicht immer mit der Chance, einen für die Inszenierung wesentlichen Charakter zu zeigen wie etwa mit der Amme in Botho Strauß' "Ithaka" (1998). Aber Freytag ließ sie dann in Shermans "Rose" ein höchst anspruchsvolles Solo spielen, das, wie ihr unvergessener Kollege Heinz Drewniok schrieb, "hätte auch furchtbar danebengehen können ... Denn dass eine alte Jüdin um ein Palästinenserkind trauert, ist ein traurig-schöner Plot, dessen zweifelhafte Wahrhaftigkeit erst einmal durch die Figur bewiesen werden muss." Die Geyer-Hopfe konnte es: das scheinbar Unmögliche mit scheinbar alltäglicher Selbstverständlichkeit herüberbringen. Sie beherrscht aber auch das Hehre oder Strenge, Unerbittliche, kann ebenso eine autoritäre Aura mit einem Zug von Mütterlichkeit verbinden. Das eine war ihr als Chorführerin in "Medea" gelungen, das andere mindestens ebenso eindrucksvoll als "Regentrude" in der Schlüsselinszenierung der Wendezeit am Theater Junge Generation. Damit trat sie aus dem "Schatten", in den sie sich freiwillig begeben hatte, indem sie dort ungezählte Mütter, Großmütter oder Hexen in mehr oder weniger dilettantischen Inszenierungen spielte, Generationen von Dresdner Kindern an die bunte Welt des Theaters heranführte, während die vielen jungen Kollegen, die da kamen und gingen, den meisten Beifall einheimsten.

Dabei hatte sie doch, bevor sie 1959 aus Zwickau nach Dresden kam, gerade noch als Ophelia auf der Bühne gestanden. Sie versuchte, das Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie schließlich auch selbst Regieaufgaben übernahm. Als moralischen Rückhalt jener Zeit nannte sie einmal die Ring-Uraufführung der "Anne Frank", die das Dresdner Kindertheater ins Gespräch brachte. Höhepunkt ihrer Tätigkeit als Oberspielleiterin am TJG war Rudi Strahls "In Sachen Adam und Eva" (1971), das 179 ausverkaufte Vorstellungen erlebte. Doch als dann "die jungen Regisseure von der Schule kamen", ließ sie das Inszenieren sein und arbeitete lieber mit denen zusammen. So etwa 1993 mit Birgit Funke bei Turrinis "Joseph und Maria". Gemeinsam mit Jochen Kretschmer spielte sie die bezaubernde Liebesgeschichte älterer Leute, im sonst eigentlich gar nicht existenten Kleinen Theater Ost. Für die Öffentlichkeit kein besonderes Ereignis, aber ein weiterer Schritt in den Kreis, in dem sie nun als eine der ganz wichtigen Figuren der jüngeren Dresdner Schauspielgeschichte erscheint.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2013

Tomas Petzold

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