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Uraufführung von Visionen - Konzertperformance "Geo-Sounds Future" auf dem Dresdner Ostrale-Gelände

Uraufführung von Visionen - Konzertperformance "Geo-Sounds Future" auf dem Dresdner Ostrale-Gelände

Wie klingt Erde? Sie kann beben, knarzen, scharren und dröhnen. Oder still sein. Sie kann sanft und schrundig sein, wogende Gräser hervorbringen und knorrige Bäume.

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Die Musik fand unterm Dach der sogenannten Heuböden statt und gestaltete sich als wundersames Wandelkonzert.

Quelle: Sophie Renz

Wasser fließt durch sie durch und über sie hinweg, Winde wehen und stürmen, Wetter prallt und passelt auf sie ein. Da bekommen Worte wie Klang-Landschaft einen ganz neuen Sinn. Was Erde aber nicht kann - sich schützen vor Eingriffen. Keine andere Gattung hat die Erde so sehr verändert wie der Mensch. Zumal in Gegenden mit Bodenschätzen, Kohlegebieten etwa, wo der Mensch die Erde gnadenlos umgestülpt und ausgebeutet hat. Die Folge? Zerstörte Natur, geschändete Landschaft, untergegangene Orte und entwurzelte Menschen. Mit dem kurzfristig Gewinn verheißenden Raubbau werden Biografien durchkreuzt und langfristig irreparable Schäden verursacht.

Soll es künftig so weitergehen? Schülerinnen und Schüler aus deutsch-polnischer Grenzregion - allesamt vom Kohleabbau betroffen - haben sich etwa eineinhalb Jahre lang mit diesem Thema beschäftigt und das Resultat dieser Auseinandersetzung auf dem Dresdner Ostrale-Gelände präsentiert. Diese Performance begann im Grunde genommen vor rund 65 Millionen Jahren. Aus Bäumen wurde damals Kohle; heute werden ganze Wälder abgeholzt, um sie zum Verheizen zu gewinnen. Ein ganzes Jahr lang ist diese unvorstellbar lange Epoche in einer Internetkomposition zusammengefasst worden, an der die jungen Leute von deutschen und polnischen Schulen gemeinsam mit dem Klangkünstler Johannes Krause mitgewirkt haben. Das vergangene Jahrhundert des massiv industrialisierten Kohleabbaus hat in diesem Projekt ganze 63 Sekunden gedauert!

Von da an wurde aus dem virtuellen Kunstprojekt ein ganz reales, nun ging es um Gegenwart und Zukunft. Aus den "Geo-Sounds" wurden "Geo-Sounds Future", und deren Uraufführung gab es passenderweise in den ruinösen Hallen der Ostrale auf Dresdens einstigem Schlachthofgelände. Zur Einstimmung aufs Konzert gestalteten die jungen Musiker, die sich gemeinsam mit Komponisten und Geologen sehr intensiv dieser Thematik gewidmet hatten, drei Ausstellungsräume mit Fundstücken aus der Bergbaulandschaft und ihren Visionen dazu.

Das eigentliche Konzert fand unterm Dach der sogenannten Heuböden statt und gestaltete sich als wundersames Wandelkonzert. Insgesamt sieben kleinteilige Ensembles waren im Raum versammelt und wurden für ihre Darbietungen jeweils ins Licht gesetzt. Ihre Musiken sollten im Wechsel Stadtlandschaft und Industrie reflektieren, Energie und Klimawandel ins Verhältnis setzen, Nachdenken über Mobilität und Zukunft auslösen. Dazu haben die jungen Leuten auf ein erfahrenes Ensemble setzen dürfen, denn mit dem Leipziger Mendelssohn Kammerorchester unter der Leitung von Barbara Rucha trat ein äußerst versierter Klangkörper an, der auch dem experimentellen Charakter dieser Musiken bestens gewachsen war. Da gingen melodiösen Phrasen in mechanische Klangstruktur über, wurde gehaucht und gejauchzt, mal rein tonal, dann elektronisch multipel - gerade diese Vielfalt verdeutlichte die Unergründlichkeit des stets am eigenen Ast sägenden menschlichen Daseins. Dessen Irrationalität wurde am deutlichsten durch die Verschiebungen von langsam und schnell, von leisen und lauten bis hin zu sehr lauten Passagen. Neben rein tonalen Sequenzen gab es da schreiende Ausbrüche, instrumentale Variationen und kreischendes Plappern, das wohl die Inhaltsleere moderner Kommunikation der global urbanisierten Menschheit abbilden sollte.

www.geo-sounds.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2014

Michael Ernst

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