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Uraufführung von "Reckless III - Das goldene Garn" im Schauspielhaus

Nach Osten Uraufführung von "Reckless III - Das goldene Garn" im Schauspielhaus

Zum dritten Mal betritt die Reckless-Welt (ein Gut-Böse-Neuverschnitt-Universum hinter dem Spiegel) von Cornelia Funke in der Bühnenfassung von Robert Koall exklusiv als Uraufführung die Bühne des Dresdner Schauspielhauses.

Karina Plachetka (Fuchs) und Jonas Friedrich Leonhardi (Jacob Reckless).

Quelle: David Baltzer

Dresden. Zum dritten Mal betritt die Reckless-Welt (ein Gut-Böse-Neuverschnitt-Universum hinter dem Spiegel) von Cornelia Funke in der Bühnenfassung von Robert Koall exklusiv als Uraufführung die Bühne des Dresdner Schauspielhauses. Zum zweiten Mal nach "Reckless II - Lebendige Schatten" führt Sandra Strunz auch bei "Reckless III - Das goldene Garn" Regie. Die Reihe startete Ende Oktober 2010 mit "Reckless - Steinernes Fleisch" in der Regie von Frank Panhans. Um Publikumszuspruch muss sich das Theater bei diesen Inszenierungen nicht sorgen, denn die Vorstellungen laufen hauptsächlich in der Vorweihnachtszeit und locken so Schulklassen an den Wochen-Vormittagen und zahlreiche Familien am Wochenende.

In der Buchausgabe "Reckless. Das goldene Garn" gibt es Andeutungen, dass die Reckless-Abenteuer über eine Trilogie hinausgehen. Viele Leser machen sich jetzt schon sogar Hoffnungen auf einen Teil 4, denn der dritte Teil enttäuschte einige von ihnen - es gebe zu wenig Spannung darin, beklagen sie im Internet.

Bevor es auf der Bühne hinter dem Spiegel, der hier ein roter Vorhang ist, weitergeht, werden vor dem Spiegel ein paar Handlungsstränge des bisherigen Geschehens zusammengefasst, um auch Neulingen im Publikum eine Brücke zu bauen. Die Hauptfiguren sind hier versammelt, die Brüder Jacob (Jonas Friedrich Leonhardi) und Will (Thomas Kitsche) Reckless und ihre Begleiterinnen: die Gestaltenwandlerin Fuchs (Karina Plachetka), die Jacob liebt, und Wills Flamme Clara (Schauspielstudentin Henriette Hölzel). Jacob will nur die effizient tötende Armbrust ins Museum bringen, dann wird alles wieder gut, glaubt er. Doch schon bald werden sie zu neuen Abenteuern gedrängt. Ein hinterlistiges Wesen aus Glas und Silber namens Siebzehn (schön kindisch-verschlagen: Schauspielstudent Marius Ahrendt) gibt Clara eine verzauberte Mottenbrosche, so dass sie in einen Dornröschenschlaf umfällt, dann schwingt der Erlelf Oberon (Atef Vogel) den Zauberstock. Sein Ziel ist es, die Feen zu besiegen und die Rückkehr der Erlelfen in die Spiegelwelt zu erzwingen. Zu diesem Zweck muss die dunkle Fee (Ina Piontek) sterben - und zwar von Wills Hand, denn aufgrund älterer Vorkommnisse im Reckless-Dickicht ist er immun gegen sie. So treibt Oberon Will, Fuchs und Jacob hinter den Spiegel, während er die schlafende Clara "wegpustet".

Die Handlung auf der Bühne wird von drei Strängen getragen: Will und der Goyl-Bastard Nerron (Atef Vogel zeichnet auch für die Kampfchoreografie verantwortlich) machen ein Deal: Nerron bringt Will zur dunklen Fee und bekommt dafür die Armbrust. Will gaukelt Nerron vor, dass er seine Haut aus Jade zurückwill, in Wirklichkeit muss er die Fee töten. Jacob und Fuchs rennen ihnen hinterher, um scheinbar das zu verhindern. Die dunkle Fee ihrerseits reist in japanisch anmutenden Gewand und Musikaura nach Osten ans Ende der Liebe, zusammen mit einem treuen prustenden Begleiter (Rainer Philippi). Die dunkle Fee möchte von der Weberin (Henriette Hölzel) das goldene Garn zerschneiden lassen, das sie mit dem Goyl-König Kam'ien verbindet, der eine andere heiratete und die dunkle Fee aus ihrer Sicht fälschlich des Mordes von seinem Sohn bezichtigt. Und noch ein Kind (noch ungeboren) scheint in Gefahr zu sein: In Rumpelstilzchen-Manier hat Jacob im Labyrinth des Blaubarts Oberon sein erstgeborenes Kind versprochen gehabt - und geht deshalb zu Fuchs auf Distanz, um sie vor diesem Schicksal als potenzielle Mutter zu bewahren. Während solche dunklen Flüche in der Luft schweben, laufen Jacob und Will ebenso nach Osten. Zu ihnen gesellt sich Chanute (Rainer Philippi), Wirt und Schatzsuche-Lehrmeister Jacobs, der zu helfen versucht, allerdings auf so eine verhustete und zappelige Art, dass diese Figur zum Lach-Liebling des Publikums wird. Rainer Philippi sorgt so zusammen mit den zahlreichen Kampf- und Tanz-Beilagen, an denen sich das ganze Darsteller-Team und die Tänzer Florian Busch und Cindy Hammer in vielen kleinen Rollen beteiligen, für Unterhaltung: phantasievolle Geweih-, Hexen-, Nachtgestalten oder lustige Wischmop-Haarige bevölkern die Bühne.

Während Cornelia Funke im ersten Teil von "Reckless" deutsche Märchen, im zweiten englische und französische verarbeitete, sind es diesmal die russischen - etwa die Gestalt von Baba Jaga, klassisch in einem Hühnerbein-Häuschen hockend, die von Atef Vogel eher samurai-artig verkörpert wird. Jacob muss ihr das Tuch "Rushnyky" abtrotzen, um Fuchs vom Silberfluch zu befreien. Passend zur Weiterreise nach "Moskva" wird das Bühnenbild von Sabine Kohlstedt - eine drehbare Treppenkonstruktion mit verschiedenen Spielflächen - entsprechend mit goldenen Türmchen ergänzt. Als Zarenersatz dient der dicke Aleksey (Ina Piontek) mit kullernder Gummiball-Gefolgschaft und als Besitzer einer kuriosen Schatzkammer - dazu gehört zum Beispiel eine Krone, die Kopfschmerzen verursachen soll.

Es gibt noch mehr "russische" Einflüsse, die jedoch geschmäcklerischer Natur sind: "Ukrainien", Kosaken, die angeblich um ihre Freiheit kämpfen (dann aber im Tanz-Kampf als Räuber agieren und vom tapferen Reckless-Team geschlagen werden). Die Musik von Rainer und Karsten Süßmilch sorgt mit Schostakowitsch-Walzer, rhythmischen Balkan-Klängen und geheimnisvoller Geräuschkulisse für vielfältige Stimmungen.

Wehmütige Verzauberung strahlt Ina Piontek als liebeskranke dunkle Fee mit traurigem Gesang aus, die das Schicksalsband der wahren Liebe zerschneiden lässt und dafür den Faden der Unsterblichkeit opfert - mit tödlicher Folge. Der Erlelf triumphiert, denn er hat so die Feen besiegt. Kein Happy End? Ein bisschen schon. Zunächst widersteht Fuchs dem Charme vom Spion Orlando (Schauspielstudent Valentin Kleinschmidt). Dann stoppen Jacob und Fuchs das Zerschneiden ihres goldenen Liebesgarns, wollen zusammen mit ihren Freunden Oberon weiter bekämpfen. Der Schluss der Inszenierung wirkt unentschlossen - so, als ob etwas fehlen würde.

Das Premierenpublikum applaudierte herzlich und wurde mit einer fröhlichen Tanz-Zugabe belohnt.

nächste Aufführungen: 7., 8., 9.11.

www.staatsschauspiel-dresden.de

von Bistra Klunker

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