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Uraufführung "fuchs & freund" am Theater Junge Generation

Wenn der Ernst des Lebens beginnt Uraufführung "fuchs & freund" am Theater Junge Generation

Ein Theaterkonzert für vier Fahrräder? Hm. Tatsächlich sind vier Fahrräder auf der kleinen Bühne zu sehen. Und wozu dienen die Luftpumpen links und rechts? Tja. Dass herabhängenden Zahnrädern verschiedene Töne zu entlocken sind, kann sich der Theaterbesucher ganz gut vorstellen.

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Ein Hauch von Superman? Fuchs (Hanif Idris, r.) hat es jedenfalls nicht leicht in der Schule. Im Hintergrund Marc Simon Delfs, einer der das Stück tragenden Musiker.

Quelle: Dorit Günter

Dresden. Ein Theaterkonzert für vier Fahrräder? Hm. Tatsächlich sind vier Fahrräder auf der kleinen Bühne zu sehen. Und wozu dienen die Luftpumpen links und rechts? Tja. Dass herabhängenden Zahnrädern verschiedene Töne zu entlocken sind, kann sich der Theaterbesucher ganz gut vorstellen. Wie dann jedoch in der neuen Premiere auf der tjg-Probebühne Bicycle & Co zu Musikinstrumenten werden - das sollte man sich angeschaut haben.

Alles macht Töne: das Trommeln auf dem Sattel, dem Alurahmen, der Fahrradklingel. Eine Luftpumpe wurde als Querflöte umgebaut, ein Fahrradlenker als Trompete. Alles macht Geräusche: Knisterpapier, Maiscracker zwischen den Zähnen, sogar das Aufreißen des Klettverschlusses der Fahrradtasche. Eine Pumpe klingt wie das Bellen eines Hundes - des Hundes vom Hausmeister.

Und der Hausmeister gehört zu der Schule, in die Fuchs kommt. Fuchs - gespielt von Hanif Idris - ist sechs Jahre, kann schon seinen Namen schreiben und fragt sich, ob die Menschen in den Weltraum fallen würden, wenn es die Schwerkraft nicht mehr gäbe. Die Geschichte, die nun erzählt wird, ist vielen Kindern und Eltern bekannt. Nach dem Schulanfangsrap der Vorfreude und dem fröhlichen Buchstabenlied der ersten Schultage kommt das dissonante Chaos der Enttäuschungen, Überforderungen, Verletzungen. Fuchs ist alles zu laut, er will Antworten auf seine Fragen, ihm geht immer so viel im Kopf rum. Fuchs wird wütend, schlägt um sich, geht andere Kinder an. Wir können uns schon vorstellen, was die Lehrerin - dargestellt von Bettina Sörgel - nun denkt. Ist es Zufall, dass sie in ihrer Art an manche Kollegin mit langjähriger Berufserfahrung erinnert?

Aber es wird noch komplizierter mit der Schule, als Fuchs behauptet, dass er im Wald wohnt, fliegen kann, ein Superheld ist - da hat er auch die anderen Kinder gegen sich. Wir können uns schon vorstellen, wie wenig es braucht, um das Etikett "anders" aufgedrückt zu bekommen. Manchmal genügt dafür schon ein feines Ohr - aber der Stempel "irgendwie komisch" blinkt dann ein Leben lang auf der Stirn.

So ist es eben - auf der Bühne wie im Leben. "fuchs & freund" ist ein Stück für alle Kinder mit einer hohen Sensibilität, mit Hang zum Träumen und - mal mehr, mal weniger - Einschlafproblemen. Der Text, wenn auch recht sparsam im Fahrrad-Klang-Konzert platziert, kommt von Nora Mansmann, die auch als Regisseurin an verschiedenen Theatern wirkte. Das Spielen, Musizieren, Singen, Geräuschemachen übernehmen - außer den Genannten - Marc Simon Delfs, Marja Hofmann und Bernd Sikora. Letzterer trägt auch den Hauptanteil an der Inszenierung und führte neben Intendantin Felicitas Loewe die Regie, komponierte die Musik und baute, ja erfand die rädrigen Instrumente. So ist es wohl vor allem Sikoras Projekt - und dessen Wert liegt im ästhetischen Gesamteindruck.

Inhaltlich gibt es ein etwas halbherziges Happy End: Fuchs findet einen Freund, der zwar "anders", aber auch "komisch" ist. Zusammen sind sie also doppelt komisch, aber "anders" und "anders" scheint das Komische auch aufzuheben. Schöner wäre es gewesen, wenn die Geschichte mehr erzählt und damit nacherlebbarer geworden wäre. Wenn sich die Figuren auf einer eher unaussprechlichen, emotionalen Ebene entsponnen und sich ein Gefühl wie ein roter Faden entwickelt hätte. Das Ensemble mit seiner beeindruckenden Gegenwärtigkeit hätte es sicher leisten können. So blieb das Zweirad-Musical mehr im Kopf, vor allem im Ohr.

"fuchs & freund". Uraufführung. Ein Theaterkonzert für vier Fahrräder und fünf SchauspielerInnen. Ab 6 Jahre. Theater Junge Generation, Meißner Landstraße 4. Nächste Vorstellungen 18.1., 21.1., 22.1. um 10 Uhr, 24.1. um 16 Uhr

www.tjg-dresden.de

von Andrea Rook

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