Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Uraufführung einer neuen Produktion der shotAG in Zusammenarbeit mit dem Societaetstheater Dresden

Uraufführung einer neuen Produktion der shotAG in Zusammenarbeit mit dem Societaetstheater Dresden

Wollen oder nicht wollen, das ist hier die Frage. Und vor allem: was wollen sie denn, wenn sie wollen, und wie lässt sich das benennen, was sie wollen? Wer nach der jüngsten Uraufführung "Ich wollte doch nur-!" der shotAG das Societaetstheater verlässt, wird wohl kaum klüger herausgekommen sein, als er hineingegangen ist.

Voriger Artikel
Doppeltes Dresden-Debüt: Regisseur Andreas Kriegenburg zwischen Oper und Schauspiel
Nächster Artikel
Die Heiterkeit aus Hamburg war in der Scheune Dresden

"Ich wollte doch nur" mit dem Darsteller Wolfgang Boos (l.), der Tänzerin Cindy Hammer und dem Tänzer Dennis Dietrich.

Quelle: Franziska Pilz

Doch dafür hat jeder der Premierenbesucher halbwegs schwer an einem lose geschnürten Fragen-Paket zu tragen, und die Antworten muss er sich halt selbst erarbeiten.

Als "Ein Stück Willkür in Tanz und Sprache" bezeichnet sich die neueste Arbeit der shotAG. Und sie ist - was offenbar auch noch für einige weitere Produktionen gelten wird - in Zusammenarbeit mit dem Societaetstheater Dresden entstanden. Eine erfreuliche Entscheidung des Hauses, zumal ja auch die freie Tanzszene stets aufs Neue Ermutigung wie konkrete Zusagen braucht, um wahrhaft frei und überhaupt arbeiten zu können. Akteure des Stückes sind zwei Tänzer und ein Schauspieler als bereits bewährte Besetzungsmixtur der Tänzerin und Choreografin Nora Schott. Und auch in diesem Stück kommen die Impulse des Wollens quasi von beiden Seiten. Je nachdem, wer nun gerade seine Sprache verloren oder auch wiedergefunden hat.

Worum es geht in dem kunterbunten Geschehen mit einem höchst unterschiedlichen Trio, das in merkwürdiger Szenerie (Ausstattung: Saskia Wunsch) agiert? Irgendwie erinnert das an eine Kleiderkiste, aus der diverse Stücke hervorgezaubert und eine so oder so geartete Geschichte gemacht werden kann. Man trifft, schlägt und verträgt sich, musiziert mit klimpernden Medaillen, bis die Kapuzen rhythmisch übergestülpt werden und sich die Stöckchen in drohende Schlagstöcke verwandeln. Ruft in Megaphone, um Aufmerksamkeit zu bekommen, springt in die Höhe, um gehört zu werden. Eine kleine Schar irgendwie verlorener Seelen - mit Ängsten, Verführungen, Polen der Anziehung wie Ablehnung, mit Zweifeln, Irritationen, Ausflüchten.

Wenn der Schauspieler Wolfgang Boos als Darsteller mit Worthülsen jongliert, um sich aus seiner Anführer-Position reinzuwaschen, oder mit emotional blockierter Sprache erahnen lässt, wie hilflos ihn seine Erfahrungen mit Willkür und Druck gemacht haben, so berührt das auf sehr eindringliche Weise. Eine intensive, sprachlose Situation - das prägt sich ein.

Etwas weniger vielleicht das aufgemischte Nachdenken über das, was man ist oder nicht ist, sein kann, will oder nicht sein kann. Das passiert auf einer wahren Spielwiese mit Fischmonstern, gezacktem Tapetenwechsel und allerlei Schuh-, Klang- wie Spielgerät. Das Trio assoziiert dabei real-sozialistisches Liedgut ebenso wie Märchen, wechselt immer mal wieder die mit Namen zugeordneten Kapuzenjacken, zeigt sich aggressiv, naiv, unentschlossen, verunsichert. Eine verrückte Bild- und Sprachmetapher entsteht beispielsweise, wenn Rotschuhchen (Cindy Hammer) vom rechten Weg abkommt und immer wieder von den mütterlichen Ratschlägen spricht, dabei aber den stetig-sanft auf sie einwirkenden falschen Wölfen auf falschen Wegen in die falsche Richtung folgt. Oder sie gerät als naive Akkordeonspielerin in den Bannkreis anderer, wird manipuliert und navigiert.

Für diese Geschichtenvariationen finden Nora Schott und ihre drei Darsteller mal mehr, mal weniger markante Bilder, assoziieren auch das Erleben der eigenen künstlerischen Entwicklung. Wie beispielsweise Dennis Dietrich, der im Kreislauf zitiert, wie ihm in der Tanzausbildung immer wieder einer als strahlendes Vorbild vorgehalten wurde. Deutlich aber wollen und sollen an diesem Abend keine "allgemeingültigen" Antworten gegeben werden, und das ist auch gut so. Denn viel spannender sind die Fragen, wenn sie als solche tatsächlich auch zu erkennen sind.

Allerdings könnte das Stück von gut einer Stunde noch etwas mehr Substanz und Dichte vertragen. Möglicherweise auch im Sprachlichen, zumal sich das Ganze bewusst auf eigene Texte bezieht. Da braucht es vielleicht einen Gedanken, eine Gedichtzeile, einen Liedtext als Metapher, ein kraftvolles Bild für dieses Gemischtwaren-Angebot. Wobei der leise Ausklang des Abends sehr sympathisch ist - mit Dennis, Gitarre und dem Beharren darauf: Ich will tanzen! Vor langer Zeit klang das so ähnlich (Tanzluder hieß es wohl), als Nora Schott und Ariane Thalheim mit der Band Robert and the Roboters die Überlebensflagge im freien Wind flattern ließen.

"Ich wollte doch nur-!", wieder am 28. und 29. März im Societaetstheater

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.01.2013

Gabriele Gorgas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr