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Uraufführung „Album“ sorgt in Hellerau für einen langen Abend

Ausufernde Befindlichkeiten Uraufführung „Album“ sorgt in Hellerau für einen langen Abend

Das Festspielhaus Hellerau ist für Verwandlungen bestens geeignet, bietet auch immer wieder Gelegenheiten für recht unterschiedliche Formen des Parcours. Kein Wunder also, dass da reichlich viel Spiel-Raum ebenso für das neue Stück von Constanza Macras/DorkyPark zu finden ist.

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Wimmelbild mit wechselnder Staffage - Szene aus der Uraufführung „Album“ von Constanza Macras/DorkyPark im Festspielhaus Hellerau.

Quelle: Thomas Aurin

Dresden. Das Festspielhaus Hellerau ist für Verwandlungen bestens geeignet, bietet auch immer wieder Gelegenheiten für recht unterschiedliche Formen des Parcours. Kein Wunder also, dass da reichlich viel Spiel-Raum ebenso für das neue Stück von Constanza Macras/DorkyPark zu finden ist. Zumal die in Berlin ansässige Regisseurin und Choreografin dafür mit ihrer kunterbunten Gruppe, die sich in üblichen Theaterschubladen kaum verorten lässt, jegliche Chance zu nutzen weiß. So entstehen erfindungsreiche Kunst-Räume, die für die Darsteller „durchlässig“ sind. Und immer wieder wirbeln sie die Szenerie auf, irritieren im Vor-, Rück- und Kreislauf, tauchen auf, entschwinden, verwandeln sich in kurioser Weise.

Was jetzt am Wochenende mit „Album“ im Festspielhaus uraufgeführt wurde, unterscheidet sich deutlich von den bisher in Hellerau gezeigten Produktionen von Constanza Macras/DorkyPark. Zumindest in Hinblick darauf, wie mit den Möglichkeiten des Hauses gespielt wird, wie diverse Räume, der Große Saal, auch Emporen wirkungsvoll einbezogen sind. Das Publikum folgt in mehreren Gruppen quasi Fähnchen-Führern, ist somit häufig in Bewegung. Und es wird nach dem ersten Teil gar noch beköstigt. Im Kern aber bleibt auch hier diese verrückte Performer-Schar, was sie immer ist: ein abenteuerlich-kunstvolles Sammelsurium von Typen, Nationalitäten, Eigenarten. Wo jeder machen darf, was er am besten kann (oder auch nicht), sich dabei ein Stück weit offenbart und schmerzhaft häutet. Darin liegt stets die Stärke der Darsteller, und es ist auch ihre Schwäche zugleich, vielmehr jene der Inszenierung. Dass sie sich im Endlichen verliert, zuweilen auch (gänzlich ungebremst) geschmäcklerisch wird.

„Album“ lebt von den Geschichten dieser Individualitäten. Die alle schon einiges hinter sich haben, geprägt sind von dem, was ihnen in ihrem Leben widerfahren ist. Davon erzählen sie oder deuten es an in der Konfrontation mit raumfüllenden, persönlichen Fotografien und Filmaufnahmen. Wo es um Selbstzweifel geht, um Familiengeheimnisse, Zerwürfnisse, um Bild-Zeugen, die beschönigen, verbergen, offenlegen. So kommt man den Darstellern nahe, wird angeregt zum Nachdenken, sieht sie schließlich auch verändert in ihren Aktionen auf der Bühne.

Was aber kaum darüber hinwegtäuschen kann, dass sie gerade in der Bewegungssprache zuweilen schlecht beraten sind. Das ist nicht zwingend eine Frage der guten, weniger guten oder überhaupt fehlenden Ausbildung. Authentisch zu sein ist jedoch nur das eine – die Bühne, die Öffentlichkeit das andere. Einige deutliche Tanzqualitäten in der Gruppe sprengen da erfreulicherweise den zu eng bemessenen Rahmen, flankiert von den zuweilen hilflosen Versuchen anderer, im Szenario nicht unterzugehen. Was schmerzhafte Momente sind, die aber auch zum Thema passen. Häufig mangelt es der Inszenierung (wie gehabt) am sinnvollen Drauf- und Überblick. Und da hilft es auch nicht, die Personage zuweilen mit Gastperformern gigantisch aufzufüllen, obwohl dazu absolut sehenswerte Akteure gehören.

Keine Frage – der Abend ist schlichtweg zu ausufernd, verliert sich irgendwann in Befindlichkeiten. Wiederholungen machen eben nur Sinn, wenn sie auch – so oder so – variierte Sichtweisen bringen. Ansonsten ermüdet die Schleife, ist längst alles gesagt, was gesagt werden muss, hat der Zuschauer begriffen, was sich begreifen lässt. Das Problem bei DorkyPark und irgendwie wohl auch das Markenzeichen der Gruppe ist, dass jegliche Verkaufsschachtel, in die die Performer eingepasst werden sollen, letztlich aus den Fugen geht. Das macht sie so sympathisch, ist aber auch ein Problem fürs Publikum.

Was bleibt? Wie lang der Abend ist, bei dem verständlicherweise nicht alle Zuschauer bis Mitternacht durchgehalten haben, wird man wohl irgendwann vergessen können. Doch Momente daraus haben sich schon eingeprägt. Zum Beispiel dann, wenn die koreanische Tänzerin und Choreografin Hyoung-Min Kim in ihrer markant- körperbewussten Art so zu erleben ist, dass es einen in den Bann zieht. Oder der Tänzer Emil Bordás, die Schauspielerin Johanna Lemke unverkennbar auf sich aufmerksam machen. Letztlich aber hat in dieser Inszenierung wohl jeder seinen speziellen Auftritt. Und das vergisst man nicht.

Von Gabriele Gorgas

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