Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Unverfälscht und eigenwillig: Linie 08 überrascht im Festspielhaus Hellerau

Tanz Unverfälscht und eigenwillig: Linie 08 überrascht im Festspielhaus Hellerau

„Linie 08“ wurde als Auftrittsformat vom Europäischen Zentrum der Künste im Festspielhaus Hellerau dafür eingerichtet, dass sich Künstler vor allem der freien Tanzszene mit unterschiedlichsten Partnern ausprobieren können. Dieses Mal wurden Choreografien u.a. von Romy Schwarzer und Ruslan Stepanov vorgestellt.

Voriger Artikel
Einsame Menschen im Schwimmbad: Dresdner Spielstätte Semper Zwei eröffnet
Nächster Artikel
Die Dresdner Band Sir Robin & The Longbowmen spielt wieder in der Stadt

„lemon“ von Ruslan Stepanov mit den beiden Tänzerinnen Laura Keil und Mami Kawabata.

Quelle: Peter Fiebig

Dresden. Man weiß ja nie so ganz genau, was einen erwartet, wenn man sich immer mal wieder bei den steten Aufführungen der „Linie 08“ im Festspielhaus Hellerau einfindet. Was ja irgendwie auch zu akzeptieren ist. Denn schließlich wurde dieses Auftrittsformat vom Europäischen Zentrum der Künste ebenso dafür eingerichtet, dass sich Künstler vor allem der freien Tanzszene mit unterschiedlichsten Partnern ausprobieren können. Und da bleibt es manchmal eben beim Probieren, zuweilen aber sorgen diese Abende auch für Überraschungen.

Wie eben das Solo „Chanson“ von Romy Schwarzer, eine Arbeit, die gut durchdacht und stimmig in den so besonderen Raum vom Nancy-Spero-Saal eingebracht ist. Die Tänzerin, die zunehmend auch mit ihrer unspektakulären, dennoch sehenswerten choreografischen Sichtweise auf sich aufmerksam macht, bezieht das Solo auf die Sprachkapriolen in „Chanson“ aus „Laut und Luise“ von Ernst Jandl. Aber diese spielen zunächst nur unhörbar eine Rolle, bis sie schlussendlich sowohl in der Körpersprache als auch im Text präsent sind.

Da ist alles Überflüssige ausgespart; Romy Schwarzer konzentriert sich auf das „Spiel“, das Jandl deutlich von der Spielerei unterscheidet, denn das Spiel sei auf ein Ziel gerichtet. So zeigt sie auf ihre unverkennbare Art und Weise, wie es sich anfühlt, wenn man an Grenzen stößt, manches noch ungelenk ist, der Weg kaum gangbar scheint. Und dabei ist der Saal so ausgeleuchtet, dass die fragil erhaltenen Wand-Gestalten von Nancy Spero irgendwie mit durch das Geschehen geistern. Für das „Spiel“ von Jandl findet Romy Schwarzer ganz unaufgeregt ein genaues Maß der Annäherung. Möglicherweise ist ja beiden auch die gleiche Art von Humor zu eigen.

Da kommt frischer Fahrtwind auf bei der „Linie 08“, und es bewährt sich auch, wie diese jungen Tänzer, Choreografen und weitere Partner miteinander arbeiten. So stammt beispielsweise der passende Sound von Johannes Till. Und in der dramaturgischen Begleitung ist Johanna Roggan genannt. Wobei die Eigenheiten von Romy Schwarzer spürbar erhalten bleiben. Ganz offenbar hat sie mit ihren Studien kräftig zulegen und überhaupt an Präsenz gewinnen können. Ohne sich zu verbiegen. Das ist eine deutliche Qualität.

Dazu wunderbar passend und quasi als Gast der „Linie 08“ ist an diesem Abend auch die Choreografie „lemon“ von Ruslan Stepanov aus Estland/Deutschland zu erleben, die er gemeinsam mit den beiden Tänzerinnen Laura Keil und Mami Kawabata erarbeitet hat. Eine Art von Understatement im Tänzerischen, wo jede Bewegung lässig hinterfragt ist, ein kleines Netz mit Zitronen zwar auf der Bühne fallengelassen wird, aber letztlich keine Rolle spielt. Die beiden Frauen, speziell aber Laura Keil, müssen fast nichts tun. Sie sind auch so präsent. Und lassen bewusst jede Körperspannung vermissen, was wohl aber ein Trugschluss ist. Das kann man nur, wenn man es kann. Und es sieht gekonnt aus, hat Witz und Charme. Bis schließlich beide zur „Kerze“ aufsteigen. Das wäre doch der passende Schluss. Man kann die Zuschauer ja auch noch etwas warten lassen. Aber eine Rückkehr nach dem Abgang, um den background zu dekorieren, das braucht es nicht.

Als Dritte im Bunde ist an diesem Abend auch die JuWie Dance Company/Cie. Freaks und Fremde im Dalcroze-Saal zu erleben. Mit einer Weiterentwicklung, wie es heißt, von ihrem jüngst im Societaetstheater vorgestellten neuen Stück „Eldorado“. Darüber lässt sich kaum etwas sagen, wenn man es nicht im Ganzen sieht. Denn so wirkt alles reichlich hochgehievt, sind zwar wie stets gute Künstler dabei, doch es mangelt an Prägnanz im Erzählerischen. Immerhin aber ist auch das ein Versuch. Doch der bleibt halt an dieser Stelle im Probieren stecken.

Von Gabriele Gorgas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr