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"Unser Weihnachtsbaum" lautet das Motto der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Jägerhof

"Unser Weihnachtsbaum" lautet das Motto der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Jägerhof

Dass unser deutscher Tannenbaum nicht zur Originalausstattung der in Bethlehem angesiedelten Geschichte um Jesu Geburt gehört, ist aus botanischen Gründen klar und daher jedermann einsichtig.

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Museumsmitarbeiterin Elke Birninger an einem Baum mit Stoffbäumen.

Es gibt natürlich auch Weihnachtskakteen, die heißen Schlumbergera opuntioides oder russelliana. Aber nicht nur aus zungenbrecherischen Gründen haben sie sich nicht durchgesetzt in deutschen Wohnstuben. Da ziehen wohl alle eine Nordmanntanne vor, die übrigens nach Alexander von Nordmann benannt ist, einem lange tannenschlanken Wissenschaftler, der 1803 in Ruotsinsalmi bei Kotka am Finnischen Meerbusen geboren wurde.

Zum Weihnachtsfest gehört - wie jedes Kind weiß - ein Weihnachtsbaum. Und zu "Weihnachten im Jägerhof" gehören - wie jeder Dresdner weiß - dutzende Weihnachtsbäume. Sie werden jedes Jahr neu von Freunden des Volkskunstmuseums mit selbstgefertigtem Baumschmuck höchst fantasievoll auf die unterschiedlichsten Arten verziert und geschmückt. Sie flankieren das stimmungsvolle Treiben im Jägerhof: die Stände von Künstlern, Handwerkern und Kreativen, die Konzerte, Veranstaltungen und die Bastelstube für Kinder. "Unser Weihnachtsbaum" lautet nun der Titel der diesjährigen Ausstellung im Jägerhof zu jenem Baum, der auch schon mal gern als "Bodenskulptur des Kleinen Mannes" bezeichnet wird. "Wir hinterfragen, ob er Dekoration oder Symbol ist und wofür - oder etwa ein Medium für Kunst", sagte Igor Jenzen, der Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst.

Ist man die Treppe hochgekommen, erwartet einen erst Mal ein kleiner Schock. Da steht ein Baum, der bereits den Weg allen (Fichten-)Seins gegangen ist. Nicht tadel-, sonder nadellos. Gegen dieses Memento mori ist die Fichte am Striezelmarkt echt eine Augenweide. Und auch sonst stößt der Besucher auf ein paar Bäume, bei denen zumindest der Schmuck so gänzlich anders ist, als man es gemeinhin von einem Weihnachtsbaum erwartet. Ein kleines Bäumchen ist behängt mit lauter Schnullern, ein anderes wird von Plastemüll "geziert", darunter (leeren und gesäuberten) Joghurtbechern oder auch einer Verpackung für mit Meersalz verfeinertem Hinterschinken (immerhin war mal Biofleisch drin). Verweilt man länger vor diesen Baumschmuck-Varianten, wird man die Ideen durchaus pfiffig finden. Doch. Das hat schon was. Jenzen ist Recht zu geben, wenn er erklärt, die Ausstellung sei "klein, aber kreativ und hoffentlich anregend", solle schlichtweg dazu verführen, eigene Bäume herzustellen - "woraus auch immer".

Zwar wird sich vermutlich die Zahl der Nachahmungstäter dieser Art von alternativem Christbaumschmuck trotzdem in Grenzen halten, ein Besuch der Schau sei aber nachdrücklich empfohlen. Sie ist eine recht interessante Auseinandersetzung mit offenen Fragen, etwa der, warum der Baum, dessen Verbreitung gerade mal etwa 100 Jahre zurückliegt, so wichtig wurde. Noch im 19. Jahrhundert war es nicht üblich, dass jede Familie einen Weihnachtsbaum besaß.

Ein Baum ist mit Lametta aus dem Reißwolf behangen

Der Weihnachtsbaum existierte bereits vor den ersten Quellen um 1500. Zunächst als "Fress- oder Naschbäume" und mit Lebensmitteln behängt - von Nüssen und Äpfeln bis zu Würsten, sagt Jenzen. "Erst mit der bürgerlichen Aufklärung und dem Fest am Heiligabend wurde er zum Lichterbaum. Dass die Bescherung am Heiligen Abend erfolgt, und zwar durch das Christkind, ist auch auf Martin Luther und die Reformation zurückzuführen. Vorher wurden Liebesgaben eigentlich vom Heiligen Martin oder dem Heiligen Nikolaus überreicht.

Und auch Kerzen - das Licht am Baum war Symbol der Erleuchtung der Welt durch die Ankunft Christi - aus Bienenwachs waren erst Mal eine teure Angelegenheit. Bis erst Stearin und dann Paraffin die Herstellung billigerer Kerzen ermöglichten. Lametta, das glitzernde Eiszapfen symbolisiert, wurde erst 1878 als Neuerung in Nürnberg entwickelt. In einigen Regionen wie etwa Oberfranken wird übrigens traditionell kein Lametta verwendet, da würde nie einer auf die Idee kommen, zu monieren: "Früher war mehr Lametta". Ein Baum in dieser Schau ist mit Reißwolf-Lametta behängt, also Streifen aus geschredderten Papier.

Eine besondere Augenweide: ein Paradiesgarten

Aufgebaut wurde auch eine Art Wohnzimmer mit Basteltisch, dazu steht direkt gegenüber ein Baum, der über und über mit Süßigkeiten behängt ist. Jedes Kind (also nicht Naschkatzen älteren Datums), das einen Baumschmuck gebastelt hat und ihn an die Zweige hängt, darf sich im Gegenzug etwas vom Baum nehmen, dessen "Früchte" im Gegensatz zum Baum der Erkenntnis nicht verboten sind. Angelegt wurde auch eine Plantage aus rund 40 Bäumchen, die sich dann auch noch in Spiegeln wiederfinden, was die Gefahr, dass manche den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, beträchtlich erhöht. Aber es gibt Risiken, die müssen eingegangen werden.

Eine optische Augenweide ist der Paradiesgarten, eine Bastelarbeit von Otto Lange aus Dresden mit 107 000 Zwicken als (Baum-)Nadeln, nach vielen Stunden der stillen Arbeit beendet 1875. Es sei, wie man auf einer Texttafel liest, "ein besonders schönes Beispiel für die unkonventionelle Kreativität autodidaktischer Kunst". Von ähnlicher Güte ist ein Geschenk, dass das Museum für Sächsische Volkskunst unlängst von einem Dresdner namens Windolph vermacht bekam, auch er einer jener ",verrückten' Volkskünstler, die wir so sehr lieben", wie Jenzen erklärte, der es zu schätzen weiß, dass "wir ein Museum sind, das die Leute so reich beschenken". Bei der milden Gabe der Familie Windolph handelt es sich die Darstellung eines Weihnachtsmarktes, wohl auf dem Neustädter Markt, wenn man die Kulisse im Hintergrund eingehender betrachtet. Ein Detail ist schöner als das andere. Das trifft auch auf eine Puppenstube aus der Zeit um 1900 zu - selbst der Nachttopf unterm Doppelbett wurde nicht vergessen. Frisch hinzugekommen zum Fundus des bekanntlich auch über eine famose Theaterpuppensammlung verfügenden Museums ist auch eine nach fünf Jahren "abgespielte" Inszenierung des Figurentheaters Chemnitz. Die von Rainer Schicktanz gefertigten Figuren von Pettersson und Findus nach der Vorlage der Kinderbuchreihe von Sven Nordqvist dürften Kinderherzen höher schlagen lassen.

In einem kleinen Raum hängen alte Fotos, die davon Zeugnis ablegen, dass die Weihnachtszeit seit Jahrzehnten Fotografen - Profis, vor allem aber ungezählte Amateure - anregte, die besondere Stimmung an Heiligabend im Bild festzuhalten. Mal ist der Baum reich, mal ärmlich geschmückt, aber die Freude ist trotz feierlichen Ernstes unverkennbar. So entdeckt man vier Fotos von der Familie Heller aus Laubegast, das erste stammt vom Anfang der 1920er Jahre, das letzte aus der Mitte der 1930er Jahre, das Kind ist ordentlich mitgewachsen.

Auch eine Vitrine voller Pflaumentoffel findet sich. Unter all den Figuren erblickt man auch einen Rübezahl aus Backpflaumen, gebastelt 2011 von Kindern der Rübezahlschule im Gymnasium Dresden-Cotta. Christian Ruf

Sonnabend, 1.12., 11 Uhr: Eröffnung. 15 Uhr: Werkstatt für Darstellendes Spiel mit Ines Hommann

Sonntag, 2.12., 11 Uhr: Adventskonzert mit Anna Piontkowsky und Elisabeth Letocha; 15 Uhr: Adventskonzert mit den Dresdner Blechbläsern "ad libitum"

Sonnabend, 8.12., 11 Uhr: Werkstatt für Darstellendes Spiel mit Ines Hommann. 16 Uhr: "Erzgebirgische Persönlichkeiten, Geschichten, Lieder und Gedichte rund um die erzgebirgische Weihnacht" mit Helga Werner und Wolfgang Ehrhardt Heinold

Sonntag, 9.12., 11 Uhr: Adventskonzert mit Anna Piontkowsky und Elisabeth Letocha. 15 Uhr: Lieder und Geschichten aus dem Erzgebirge mit dem Erzgebirgszweigverein Dresden e. V.

Sonnabend, 15.12., 16 Uhr: Weihnachtskonzert mit dem Männerchor Dresden-Striesen.

Sonntag, 16.12., 16 Uhr: Adventskonzert mit der Kammermusikvereinigung "Il passatempo"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2012

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