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Ungefiltert: Richter, Fischer, Arnold mit künstlerischen Fotos aus der DDR in der Kunsthandlung Koenitz

Ungefiltert: Richter, Fischer, Arnold mit künstlerischen Fotos aus der DDR in der Kunsthandlung Koenitz

Es war eine Mischung aus Wunsch und Forderung: Die aus der DDR stammenden Fotografien sollten aus ihrem politischen Kontext herausgelöst werden. Dieser Satz ist nun gute sechs Jahre alt und stammt von Andreas Krase, Kustos für Fotografie und Kinematografie an den Technischen Sammlungen Dresden.

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Arno Fischer: New York, Staten Island Ferry, 1978.

Quelle: Arno Fischer (Repro Galerie)

"Alle (in der DDR) entstandenen Kunstfotografien sind mehr oder minder von der Sichtweise auf die Diktatur durchdrungen", begründete Krase das damals und sprach von einer "Engführung" der DDR-Fotografie, die nicht ausreiche. Anlass von Krases Äußerungen war die Tagung "Nachbilder", die sich damals in Dresden jenem Thema widmete.

Im Rückblick auf 2012 lohnt es, auf diese Äußerungen noch einmal zu verweisen. Denn Ausstellungen mit Fotos aus und über die DDR hatten im zu Ende gehenden Jahr Konjunktur. Chronologischer Rahmen: die im Januar zu Ende gegangene Schau "Ostzeit" im Dieselkraftwerk Cottbus und die noch bis 28. Januar 2013 dauernde "Geschlossene Gesellschaft" in der Berlinischen Galerie. Letztere hat sich mit rund 250 Fotos auf die Fahnen geschrieben, einen Querschnitt der künstlerischen Fotografie der DDR zu zeigen.

Drei der in Berlin gezeigten Fotografen widmet, deutlich fokussierter, die Dresdner Kunsthandlung Koenitz besonderes Augenmerk: Evelyn Richter, Arno Fischer und Ursula Arnold. Und auch der Untertitel der 45 Fotos umfassenden Ausstellung zeigt Parallelitäten zu Berlin: "Künstlerische Fotografie in der DDR".

Richter, Fischer und Arnold darf dabei eine Art Gemeinsamkeit attestiert werden: Für alle drei lag der Fokus ihrer Arbeit eher im Sujet als im experimentellen Spiel mit der Technik. Sie haben den Einzelnen gesucht in einem Land des Kollektiven, Porträts abseits des staatlich erwarteten. Der Staat wusste um die Wirkmächtigkeit von Bildern. Institutionell und nachrichtlich forderten die DDR-Verantwortungsträger (für sie selbst wohl folgerichtig) einen positiv dargestellten Sozialismus ein, sprich gefiltertes Leben. Was Richter, Fischer, Arnold und etliche andere Fotografen dagegen suchten und fanden, war etwas ganz anderes: den sozialen Kontext einer Gesellschaft, ganz ohne Ismus.

Die Auseinandersetzung mit ihren Abbildungen sollte dementsprechend nicht nur vor dem Hintergrund einer DDR-Schablone erfolgen, sondern kontextuell erweitert werden - ganz im Sinn der eingangs zitierten Sätze von Andreas Krase. Nicht zuletzt auch deshalb, weil zwar die angesprochene Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft" in Berlin einen Überblick zur künstlerischen Fotografie in der DDR zu geben versucht - sie andererseits aber schon allein durch den Titel der Schau wieder zurückstößt in eine Art geschlossenen Raum. Das aber ist ein Bild, das trotz der Selbstabschottung der DDR besonders für viele Fotografen und ihre Arbeit nicht allgemeingültig ist, auch wenn der Sozialismus fast allgegenwärtig war.

Bei Koenitz kann sich der Besucher davon mehr als nur ein Bild machen. Exemplarisch dafür ist natürlich vor allem die aus Bautzen stammende Evelyn Richter zu nennen. Bilder wie "Pförtnerin im Rathaus", "Kammgarnspinnerei" oder auch "An der Stanze" sind Aufnahmen von Frauen an ihren Arbeitsplätzen. Ungeschönt und abseits des offiziellen Frauenbildes.

Auch Arno Fischer suchte das Abseitige im Normalen. Und fand durchaus erstaunliche (Bild-)Parellelen. Seine Aufnahme aus Berlin-Friedrichshain (1956), wo sich eine Kindergruppe auf einer Straße fast verliert, korrespondiert eigentümlich mit einem Foto von 1978 - allerdings in einer ganz anderen Welt aufgenommen, in New York, auf einer Fähre. Menschen, ebenfalls verloren an der Reling, umgeben von einer weiten Wasserfläche, im Hintergrund Manhattan.

Ursula Arnold ist vertreten mit Straßenszenen. Ob nun Mitte der fünfziger Jahre in Leipzig oder in den Sechzigern in Berlin, verortet sie zwischen Barfußgäßchen und Prenzlauer Berg einen Alltag, der fast nach Allgemeingültigkeit verlangt, dem der ihn umgebende Sozialismus nur eins zu sein scheint: recht egal. Torsten Klaus

bis 5. Januar, Kunsthandlung Koenitz, Obergraben 8, geöffnet Mo-Sa 10-19 Uhr

www.kunsthandlung-koenitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2012

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