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Ungarn umgarnt - Klassentreffen im Dresdner Kulturpalast: Omega und ihre (gleichaltrigen) Fans samt (jungem) Orchester

Ungarn umgarnt - Klassentreffen im Dresdner Kulturpalast: Omega und ihre (gleichaltrigen) Fans samt (jungem) Orchester

Als würden sie den anstehenden Umbau des Dresdner Kulturpalastes auf besondere Weise kommentieren, treffen sich zeitversetzt vor dem Eingriff ins Innenleben des Hauses also noch einmal Künstler, die schon zur Eröffnung 1969 hätten spielen können: Jethro Tulls Ian Anderson und Omega.

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János "Mecky" Kóbor und György Elefánt Molnár (v.r.): Omega spielten mit Orchester im Kulturpalast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dann kommen die Bagger. Immer wieder wurde über die schlechten akustischen Bedingungen im Großen Saal für Philharmonie und andere klassische Großformationen geklagt. Und es wird gejammert, dass der Palast nun als Mehrzwecksaal verloren geht. Was mussten allerdings auch Rockfans schon in diesem Saal ertragen, vor allem oben im Rang! Leider sprechen zu viele beim Rock'n'Roll über Druck und Lärm, zu wenige über Akustik, Sound und sinnliche Momente oder solche, die verloren gehen, weil es einfach nur nach Gießkanne klingt. Und im Kulturpalast klang es ein paar Mal zu viel nach Kanne. Auch in anstehenden Rockkonzerten im Um-Bau - und es wird sie geben - kann man nur gewinnen.

Omega: 50. Genau am 23. September ist es soweit, 1962 spielten sie ihr erstes Konzert unter Namen und Symbol. Vorgezogenes Klassentreffen also, Ungarn umgarnt von hiesigen Fans. Treue Seelen. Silberplatten, durchaus zweideutig. Parallel zur CD "Rhapsody" hatte sich die Band 2010 entschieden, Songs ihres langen Laufs vom Akademischen Orchester der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg live interpretieren zu lassen. Eine reichliche halbe Stunde, die auf vorzügliche Weise die ohnehin vorhandenen "Art"- Elemente vieler Omega-Stücke herausstellen. Die so entstandene "Sinfonie" behandelt die jungen Orchestermusiker zentral und keinesfalls als Staffage einer Rockband. Omega fahren diesen rein instrumentalen ersten Teil des Abends nur in halber Besetzung, mit Lászlo Benkö (Keyboards), Albert Földi (Keyboards), Ferenc Debréczeni (Drums), aber ohne Gitarrist Tamas Szekeres und Bassistin Katy Zee. Eine konsequente Entscheidung. Denn wo sich Material wie "Mozgó világ", "Nyitany" oder "Metamorfozis II" förmlich auf dem Tablett zur sinfonischen Umsetzung anbietet, begann diese ausgewogen besetzte Orchesterformation spätestens beim treibenden "Nem Tudom A Neved" von selbst zu rocken. Ohne Strenge. Wie freigelassen. Dirigent Matthias Erben nah am Stage-Diving.

War am Anfang im gut besetzten Kulturpalast sehr wohl Skepsis bis leichte Verunsicherung zu spüren, vor allem beim kollektiven Stimmen auch ein zartböser Anflug Häme in Form von dümmlichen Zwischenrufen, riss es die zunächst Ungläubigen bald vom Samt. Das hätten sie wohl nicht gedacht! Das hätten ihre Kinder und Enkel sehen sollen! Und da war Frontmann János Kóbor, mit dem Omega (wie so viele Bands mit Charismatikern am Mikro) steht und fällt noch gar nicht auf der Bühne. Nur im Foyer auf dem Plakat, das irgendwie der Gipfel im sehr eigenen graphischen Universum der Omega-Neu-Zeit ist. Kóbor, der Zauberjános? Kóbor, der Erotikmesseständler?

Die groß gemeinte Umsetzung haben sie sich einfach mal gegönnt, nachdem besagte "Rhapsody"- CD schon das umarrangierte Liedgut zur Symbiose machte. Erwartetermaßen verschoben sich also im zweiten Teil die Anteile. Das Orchester ging ins zweite, eher assistierende, trotzdem munter "schiebende" Glied, die Kernbesetzung trat nach vorn und damit natürlich auch der Showaspekt. Es dauerte eine Weile, bis die Regler ihre Position, bis "Mecky" Kóbor seinen Ton und seine technische Erste Hilfe gefunden hatte, also Hall und Futter, ohne die es kaum geht.

Debréczeni tickt weiter wie ein Uhrwerk, Szekeres ist und bleibt ein richtig Guter, der im Kontext der neuen Arrangements vor allem Eddie-van-Halen-Trümpfe ausspielt. Sinfonie und Rhapsodie, beide Konzertteile also, fließen homogen zusammen, vieles ("Babylon" prägnant) gewinnt durchs Hallenser Orchester live das, was auf CD an Kraft fehlt. Kompaktes wie "Napot hoztam, csillagot" oder "Meghivás" siegen hier, Balladen wie "Egi vándor" dort.

Auch das alte Omega-Manko kommt wieder durch: "Mecky" Kóbor und die englische Sprache wollen nicht zueinander gehören. Im jungen Sänger SID von der gleichnamigen ungarischen Band (in der auch die flippige Bassistin Zee spielt), holte sich der bald 69-Jährige deshalb temporäre Verstärkung. Für eine Handvoll Posen wurde die Musikalität noch lange nicht geopfert, wenngleich die feigenblättrige Komponente nicht zu überhören und vor allem -sehen war. Schließlich wurde gefilmt.

Die Zugaben: Zwangsweise "Gyöngyhajú lány" und auch das tänzelnde "Petróleumlámpa". "Léna" nicht. Der Saal steht trotzdem. Die Band winkt wild und ruft "Bis bald". Von Abschiedstournee wollen Omega nichts wissen. Rock'n'Roller werden alt mit Rock'n'Roll. Auch ein Tischler ist mit 67 für gewöhnlich noch ein Tischler. Muss es. Will es.

"Omega Rhapsody" noch einmal live am 17. August in der Zitadelle Spandau

Ian Anderson (plays "Thick As A Brick"), 29. Mai, Kulturpalast

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2012

Andreas Körner

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