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Umfangreiche Schau aktueller Arbeiten Jochen Fiedlers im Landschloß Zuschendorf

Vom Glück des Landschafterns Umfangreiche Schau aktueller Arbeiten Jochen Fiedlers im Landschloß Zuschendorf

Der schlichte Titel dieser üppigen Ausstellung „Landschaft und Garten“ benennt bereits die Themen um die das Schaffen Jochen Fiedlers schon seit vielen Jahren im Wesentlichen kreist. Die Landschaft im Wandel der Jahreszeiten, des Lichts und des Wetters bietet ihm Anregung und Auseinandersetzung in Fülle.

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 Jochen Fiedler. Gartenplatz_Öl_ 2015
 

Quelle: privat

Pirna.  Der schlichte Titel dieser üppigen Ausstellung „Landschaft und Garten“ benennt bereits die Themen um die das Schaffen Jochen Fiedlers schon seit vielen Jahren im Wesentlichen kreist. Die Landschaft im Wandel der Jahreszeiten, des Lichts und des Wetters bietet ihm Anregung und Auseinandersetzung in Fülle. Eine heitere Grundstimmung durchzieht die meisten seiner Arbeiten zu diesem Thema. Es ist als ruhe der Blick eines schon viele Jahre Liebenden auf dem festgehaltenen Landstrich, der ohne zu verklären manche Falte, die auch großer Schönheit widerfahren kann, glättet und den ursprünglichen Charakter unter Auslassung alles Nebensächlichen zutage fördert. Seit 1998 ist der kleine Ort Cunnersdorf am Eingang des Polenztals, Lebens- und Arbeitsmittelpunkt Jochen Fiedlers. Das alte geräumige Haus, ehemaliges Altenteil eines Großbauernhofes, bietet genug Platz für die siebenköpfige Familie, ein geräumiges Atelier, und Besuche von Freunden. Aus großen Fenstern fällt der Blick in den weitläufigen und wenig befriedeten Garten mit dem großen Kirschbaum, der immer wieder und zu allen Jahreszeiten Gegenstand seines Schaffens ist.

Der Fiedlersche Garten ist eine reizvolle Mischung aus Blumen- und Nutzgarten, der genügend Raum einer Wiese gibt. Einer Wiese wohlgemerkt, keinem Rasen, der im Wochenrhythmus mit Rasenmäher und -trimmer traktiert, seines Löwenzahns und seiner Gänseblümchen beraubt ist. Es ist eine Wiese, die nach Herzenslust wachsen und blühen darf, in die - behutsam nur - schmale Pfade geschnitten werden um zu den entlegeneren Teilen des Gartens zu gelangen. Da ist der „Gartenplatz“ unter dem Kirschbaum, inmitten blauer und zartrosa Akelei, ausgestattet mit einladend geschwungenen Gartenmöbeln aus Holz und Eisen. Auf einem der Stühle döst genüsslich eine Katze. Dass es sich nicht um ein Gartenidyll des späten 19. Jahrhunderts handelt, verrät der Glaskolben einer elektrischen Lampe, über dem Tisch und ein älterer Wohnwagen, der im Hintergrund in die Szenerie hineinragt. Er ist ein Verweis auf die große Reiselust des Künstlers, der auch ein beträchtlicher Aspekt seines Schaffens gewidmet ist.

Das Pastell „Mohnblumen am Erdbeerbeet“ vereint das Schöne und das Nützliche harmonisch miteinander. Das Obst und Gemüse ist so malerisch wie die Blumen und obendrein herrlich schmackhaft. Jenseits des Gartens schweift der Blick über benachbarte Gehöfte, die Felder der landwirtschaftlich geprägten Gegend und weitet sich bis hin zum Lausitzer Bergland, dessen Umgebindehäuser sich auch in der Sächsischen Schweiz finden und die Jochen Fiedler seit vielen Jahren immer wieder in seinen „Hausgesichtern“ porträtiert. So liegen alle seine Motive buchstäblich vor der Haustür. Der Spannungsbogen reicht von allumfassenden Panoramablicken über altbekannte Motive wie die Festung Königstein und die Tafelberge des Elbsandsteingebirges bis zu kleinen Landschaftsausschnitten, die sich gelegentlich auf nur wenige Quadratmeter konzentrieren.

Neben dem faszinierenden Blick auf die Tafelberge aus dem Hügelland heraus, wird die direkte Auseinandersetzung mit der Felslandschaft für ihn zunehmend interessant. Das Spiel des Lichts zu beobachten, die verschiedenen Farben und Schattierungen, die es auf dem scheinbar gleichmäßig grauen Stein hervorbringt, erfordert Geduld und wiederholtes Hinsehen. Das Ölbild „Langes Horn vom Bauernloch“ ist ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung. Struktur, Licht und Farbe, gebunden an die konkrete Landschaft, geben für Fiedler dem Bild eine zusätzliche Bedeutung. Auf dem Weg zur Verdichtung einer gültigen Aussage sind für ihn immer auch abstrakte Probleme zu bewältigen. Die Transformation der Bildeindrücke erfolgt mal behutsam, mal rigoroser, auf jeden Fall wird die Loslösung vom Abbildhaften weit vorangetrieben. Wichtig und seit mehr als 20 Jahren regelmäßig, ganz in der Tradition der Pleinairisten unternommen, sind die Reisen in Europas Süden. Bevorzugt arbeitet Jochen Fiedler in der Gegend um den Mont Ventoux, wie er überhaupt immer wieder in dieselben Gebiete reist um sie jedes mal besser kennenzulernen und letztlich festzustellen, daß es in Cunnersdorf doch am schönsten ist. Die Reisen halten den Blick weit, das helle Licht des Südens brachte wichtige Impulse für sein Schaffen. Die Palette hellte sich auf, die Farben wurden kräftiger. Die Kompaktheit der Formen lockerte sich zusehends zugunsten einer beschwingten Leichtigkeit.

Mit Nädhamar unweit von Stockholm, wo eine der Töchter seit einigen Jahren lebt, hat er letztes Jahr den bisher nördlichsten Punkt seines Schaffens erreicht und das helle, klare Licht des Nordens in einer Reihe von Pastellen eingefangen. Die „Insel im See bei Nädhamar“ lässt Passagen aus Kurt Tucholskys zauberhaften Sommerroman „Schloß Gripsholm“ aufsteigen: „Einer von den Tagen, wie sie sonst nur im Spätsommer vorkommen: bunt, gesättigt und windstill. …“

Daß Jochen Fiedler ein Landschafter alter Schule ist, wurde schon oft und ausführlich beschrieben. „Ich hole meine Anregungen aus der Natur, warum sollte ich sie dann verleugnen?“ lautet seine rhetorische Gegenfrage auf den eventuellen Vorwurf zur Unzeitgemäßheit seiner Kunst. Ihm in seinen Arbeiten Eskapismus vorzuwerfen läuft ins Leere. Fiedlers Motiven haftet weder Manufactum-Chic noch Landlustmaskerade an. Es gibt bei ihm keinen Bruch zwischen Leben und Werk. Seine Motive sind keine trügerischen Idyllen, es gibt sie wirklich diese Orte, man muß nur zu ihnen hinausgehen und am besten erwandert man sie zu Fuß.

Jochen Fiedlers Lebensmotto könnte einem japanischen Tanka entstammen, einer alten reimlosen Gedichtform, die den Augenblick beschwört und ihn mit Präzision und Musikalität gleichermaßen festhält:

Auch in diesem Jahr

hab’ ich’s wiederum erlebt,

wie die Kirschen blühn-

Es ist doch ein rechtes Glück,

lebend auf der Welt zu sein!

(Motoori Norinaga)

Jochen Fiedler. Landschaft und Garten. 22. Mai - 3. Juli 2016 im Landschloß Pirna Zuschendorf, Am Landschloß 6, 01796 Pirna, Di - So sowie feiertags 10 - 17 Uhr

www.kamelienschloss.de

Anke Rödel

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