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Um "Richard Wagner in Dresden" kreisen die Beiträge des 112. Dresdner Heftes - Internationales Symposion Ende Januar in Dresden

Um "Richard Wagner in Dresden" kreisen die Beiträge des 112. Dresdner Heftes - Internationales Symposion Ende Januar in Dresden

Nach einem Besuch Richard Wagners bei ihm konstatiert der Schriftsteller und Hoftheater-Dramaturg Eduard Devrient: "Kapellmeister Wagner brachte mir einen Opernentwurf, hatte wieder große sozialistische Rosinen im Kopf.

" Und etwas später: "Der Kerl ist ein Poet durch und durch... Sein Steckenpferd die Vernichtung des Kapitals... Er ist doch der bedeutendste Kopf, von allen, die ich in Dresden kenne."

Ein paar Monate und Barrikadenkämpfe später wurde eben jener Kopf steckbrieflich gesucht, war das "politisch gefährliche Individuum" auf der Flucht. Obwohl Wagner dem sächsischen König Friedrich August II. mit einer Sympathie gegenüberstand, die auf Gegenseitigkeit beruhte, hatte er am gescheiterten Maiaufstand 1849 teilgenommen. Wobei das mit Wagners revolutionärer Gesinnung so eine Sache ist. In seinem Beitrag zum vom Dresdner Geschichtsverein herausgegebenen Dresdner Heft "Richard Wagner in Dresden" widmet sich Matthias Herrmann (Hochschule für Musik Carl Maria von Weber) auch diesem Thema.

Die Publikation beruht weitgehend auf Vorträgen eines Kolloquiums in der Semperoper im September 2012 über jenen Mann, der zwar am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren wurde, aber ein Jahr später nach dem Umzug der Mutter mit ihrem neuen Mann in Dresden landete und hier auch aufwuchs. Schon in diesen Jugendjahren zeichnete sich eine Neigung Wagners ab, die ihn ein Leben lang begleiten wird: Geld auszugeben, das er nicht hat. Aus Friedrich Wiecks Leihbücherei borgt er sich ein Buch - Bernhard Logiers Veröffentlichung "System der Musik-Wissenschaft und der praktischen Komposition mit Inbegriff dessen was gewöhnlich unter dem Ausdruck General-Bass verstanden wird" - und behält das Werk so lange, bis die Ausleihgebühren ins Unbezahlbare angewachsen waren, wie Herrmann verrät, der auch erklärt, dass seit Wagners Flucht "nie wieder ein so hochrangiger Komponist in der Elbestadt ansässig gewesen ist".

Eine weitere Prägung, die Wagner laut Herrmann "in Fleisch und Blut übergegangen" sei: Das "Dresdner Amen", das in Sekundschritten die Quinte aufwärts ausfüllt und durch feierliche Einfachheit besteche. Es werde von Wagner in seiner großen komischen Oper "Das Liebesverbot oder die Novize von Palermo" (1834-1836) zitiert, um eine sakrale Atmosphäre zu erzeugen. Noch intensiver in der Gestaltung und häufig wiederkehrend sei die Einbeziehung des "Dresdner Amen" im "Parsifal".

Elf Aufsätze finden sich in dem ansprechend illustrierten Heft. In der Vielfalt der Stimmen werden Spannweite und Faszination der künstlerischen Welt Wagners und seine Dresdner Wurzeln lebendig nachvollziehbar. Es sind nicht zuletzt einige kleine interessante Details, die das ohnehin komplexe Wagner-Bild um Nuancen ergänzen, etwa wenn Reiner Zimmermann auf eine zunächst belächelte Eigenart Wagners hinweist: Dieser sang den Musikern Stellen aus der Partitur vor, so dass die Musiker schließlich in seinem Sinne spielten.

Christian Thielemann beteuert unter dem Motto "Wagner lesen", dass Richard Wagner ihn gelehrt habe, Partituren zu lesen. Des weiteren wurde ein Gespräch mit Christa Mayer und Georg Zeppenfeld von der Semperoper mit aufgenommen, in dem eruiert wird, was hinter dem Mythos "Wagner-Sänger" steckt und was es wirklich bedeutet, Wagner zu singen. Nike Wagner lässt in ihrem Aufsatz "Dresden in Bayreuth" zu Wagner und Semper wissen, dass beide die Kunst in direkten Zusammenhang mit ihrer gesellschaftlichen Funktion setzten. Beide seien sie exzentrisch gewesen, beide aber auch wunderbar "kompatibel". Und Peter Gülke hält in seinem Aufsatz "Die Dresdner Jahre - Wagners ,Achsenzeit'" u.a. fest: "Dass Wagner das abrupte Ende im Mai 1849 als Befreiung erlebt und beschrieben hat, ist am wenigsten der Neigung zu verdanken, schlimme Situationen, besondere vor seiner Frau, schönzureden."

Minna, die "unterschätzte Frau an Wagners Seite", wird von Sibylle Zehle gewürdigt. Sie wurde im Gegensatz zu ihrem Herrn Gemahl, der sich immer enger an den Kapellmeister, Weltverbesserer und Sozialisten August Röckel anlehnte, nicht von der vormärzlichen Spannung angesteckt, zumal sie sich nach großer Armut in der bürgerlichen Welt gerade eingerichtet hatte. Minnas Ehe scheiterte nicht erst im Exil, auf dem "Grünen Hügel" am Zürichsee, an Wagners Liebe zur jungen Mathilde Wesendonck, sondern bereits in Dresden, wie sich Zehle sicher ist.

"Richard Wagner in Dresden". Dresdner Heft Nr. 112, 100 S., 5 Euro

Internationales Symposion "Richard Wagner in/und Dresden" - "Wagner-Interpretation heute" in Verbindung mit der Sächsischen Staatskapelle, der Sächsischen Staatsoper, der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und der Sächsischen Akademie der Künste

24. Januar, 14 Uhr: Eröffnung & Vorträge

15 Uhr: Friedrich Dieckmann, Berlin: Schwanenrätsel/Wagners Schwester in Wagners Werken

15.45 Uhr: Richard Klein, Horben: Das Weltenfinale, das keines ist. Zeiterfahrung im III. Akt der Götterdämmerung

16.45 Uhr: Udo Bermbach, Hamburg: "Nachschöpferische Aneignung der lebendigen Idee" - Aspekte von Chamberlains Wagner-Rezeption

17.30 Uhr: Peter Gülke, Berlin: Wagners Dresdner Jahre als Quellgrund und Wegweiser für alles Folgende

25. Januar

Symposion Wagner in Dresden - Wagner und Dresden

9 Uhr Helmut Loos, Leipzig; 9.30 Uhr Dr. Thomas Synofzik, Zwickau:

10 Uhr: Heidrun Laudel, Dresden: Gottfried Semper und die Idee des Gesamtkunstwerks

11 Uhr Generalprobe Staatskapelle Dresden zum 6. Symphoniekonzert

14 Uhr: Tobias Janz, Hamburg: Wagners Klangempfinden und Orchestrieren

14.30 Uhr: Peter Damm, Dresden: Der Einsatz des Ventilhorns bei Wagner bis zum Lohengrin

15 Uhr: Ortrun Landmann, Dresden: Wagners Idealvorstellungen von der Kapellentwicklung und deren spätere Realisierung

15.45 Uhr: Sieghart Döhring, Thurnau: Wagner und die Grand Opéra

16.15 Uhr: Wolfgang Fuhrmann, Wien: Vom Werden der Wagnerschen Erinnerungs- und Leitmotivtechnik in Dresden

16.45 Uhr Diskussion

26. Januar

Symposium Wagner in Dresden - Wagner und Dresden

9 Uhr: Eberhard Steindorf, Zwickau: Wagners Dresdner Konzerttätigkeit

9.30 Uhr: Ulrike Thiele, Zürich: Wagners Dresdner Dirigier-Repertoire in der Oper

10 Uhr: Wolfgang Mende, Dresden: Wagner und das Fremde

10.30 Uhr: Lothar Schmidt, Marburg: Wagners Dresdner Schriften

11.15 Uhr: Werner Breig, Erlangen: Frühe Meistersinger-Entwürfe

11.45 Uhr: Björn Dornbusch, Bayreuth: Rollen für eine Sängerin - Wilhelmine Schröder-Devrient und Richard Wagner an der Dresdner Oper

12.15 Uhr: Eckhard Roch, Würzburg: Wagners Dresdner Zeit aus der Perspektive der Cosima-Tagebücher

Richard Wagner-Interpretation heute

14.30 Uhr: Eckart Haupt, Dresden: Lohengrin-Vorspiel - Tradition der Wunderharfe

Roundtable ab ca. 15 Uhr: Christian Thielemann, Dresden, Peter Ühling, Berlin, Steffen Lieberwirth, Leipzig

17 Uhr: Walter Schmitz, Dresden: Parsifal im Tal der Ahnungslosen - Zur Bildung des Publikums

Roundtable ab ca. 17.30 Uhr: Gerhard Koch, Manos Tsangaris, Wilfried Schulz, Johanna Dombois

Abends: Konzert des Orchesters der Musikhochschule zur Wagner-Ehrung, Leitung: Ekkehard Klemm

27. Januar

Richard Wagner-Interpretation heute

9 Uhr: Hella Bartnig, Düsseldorf: Tannhäuser auf den Barrikaden

Zur Inszenierung der Gesellschaft

Roundtable ab ca. 9.30 Uhr: Peter Konwitschny, Evelyn Herlitzius, Aline Fiedler

Die Tagungsgebühr beträgt für die Gesamtdauer der Konferenz 20 Euro, für einen Tag 10 Euro; Studierende frei

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.01.2013

Christian Ruf

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