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Ulrich Bischoff: Kunstmuseen brauchen die Lust für das Fremde

Ulrich Bischoff: Kunstmuseen brauchen die Lust für das Fremde

Die Verbindung von Tradition und Moderne ist das Credo des Kunsthistorikers Ulrich Bischoff. Die Galerie Neue Meister Dresden profitierte von seinem Faible für die Kunst der Gegenwart.

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Die Galerie Neue Meister im Albertinum profitierte von Ulrich Bischoffs Faible für die Kunst der Gegenwart.

Quelle: Dominik Brüggemann

Was ist Ihr „Rezept“ für ein modernes Kunstmuseum?

Bischoff: „Die Lust für das Fremde. Diese Vorliebe kommt aus Erfahrungen, die ich in allen möglichen Bereichen, der Bildenden Kunst, im Theater, im Film, in der Performance, gemacht habe. Mein Konzept von Tradition und Moderne hat sich hier zwar nicht ganz so erfolgreich ausbreiten können, das hätte ich mir schneller und flächendeckender gewünscht. Aber es ist immer wieder etwas hängengeblieben und das ist eine sehr gute Basis für die weitere Entwicklung des Albertinums als Museum der Moderne.“

Was macht ein modernes Kunstmuseum aus?

Bischoff: „Es ist auch Werkstatt für lebende Künstler, nicht nur Bildungs- und Belustigungsort für eine breite Schicht des Bürgertums. Es ist ein Ort neuer Erfahrung für Besucher und Künstler. Ideal für ein Museum ist, die eigenen Schätze im Lichte anderer fremder und nicht bekannter Positionen zu zeigen. Es braucht die Verbindung zwischen Gegenwartskunst und Kunst der Vergangenheit, um diese besser zu verstehen und die Gegenwartskunst auch aus bestimmten Traditionen zu betrachten. Beide Blickrichtungen sind wichtig.“

Wie hat sich die Galerie seit der Wende verändert?

Bischoff: „Sie ist heute vielseitig aufgestellt mit den abgelehnten Künstlern der DDR, die wieder präsent sind wie Glöckner oder Penck und dem Schwerpunkt der Vertriebenen wie Cornelia Schleime und Ralf Kerbach. Dazu kommen die Absolventen der Hochschulen in Leipzig und Dresden. Zudem gibt es den Anschluss an die internationale Moderne mit Scully, Armando, Tuymans. Und die Doppelpräsenz von Gerhard Richter und Georg Baselitz ist einmalig. Die sind Künstler von internationalem Rang, die aus der Region kommen, wie zuvor Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und Ferdinand Rayski.“

Was ist fehlt noch zum Idealmuseum?

Bischoff: „Das neue Albertinum muss seinen Weg zum Museum der Moderne fortsetzen. Vieles ist erreicht, anderes nicht. So gehört die Skulptur eigentlich zum Idealmuseum dazu, denn es muss die Kunst des 19./20. Jahrhunderts umfassend zeigen. In einem Museum der modernen Kunst gehören alle Medien zusammen.“

Simona Block, dpa

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