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Ukulele Orchestra of Great Britain sorgte beim Dresdner Publikum für Begeisterungsstürme

Ukulele Orchestra of Great Britain sorgte beim Dresdner Publikum für Begeisterungsstürme

Von hawaiianischer Folklore über Marilyn Monroes Auftritt in "Manche mögen's heiß" bis zu George Harrisons Popträumereien - kann es sein, dass die Schlüsselrolle der Ukulele Musikhistorikern wie auch Ethnologen stets entgangen ist? Fans des Ukulele Orchestra of Great Britain wissen es besser - wer einmal bei den Hohepriestern des häufig übersehenen Zupfzwerges eingekehrt ist, wird nie wieder anzweifeln, dass Party-Standards wie "Le Freak" oder Robert Johnsons Blues-Nummern erst auf der Ukulele ihre legitime Heimat finden.

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Britisches in der Semperoper.

Quelle: Stephan Floss

Die Anfänge der Gruppe liegen in Birmingham, einer Stadt, als deren einzigen Vorzug der Schriftsteller David Lodge mal die Tatsache bezeichnet hat, dass man aufgrund ihrer zentralen Lage schnell an jedem anderen Ort sein könne. So dürfte auch den Virtuosen um George Hinchliffe lediglich die Flucht in die Weltmusik geblieben sein - heute gastiert das seit 1985 bestehende Ensemble in der Carnegie Hall oder im Sydney Opera House und darf sich zu den herausragenden Botschaftern britischer Comedy- und Musiktraditionen rechnen.

Zur Matinee machten sie in der restlos ausverkauften Semperoper Station und rissen bereits nach wenigen Minuten zu Begeisterungsstürmen hin. Da hätte es nicht einmal der Gastgeschenke (Teebeutel und Noppenfolie) bedurft, um im Publikum Sympathien zu wecken - viel zu raffiniert huldigt die Gruppe am Ort der Hochkultur dem Populären, kündigt als Running Gag immer wieder Stock-hausen-Kompositionen an, nur um dann Ennio Morricones Westernsoundtracks, Kraftwerk-Hits oder funkige Disco-Klänge auf die Opernbühne zu bringen. Der im diesjäh-rigen Dresdner Wagner-Wahn unvermeidliche Walkürenritt wird in drei Minuten abgehandelt und dient nur als Auftakt für herrlichen Rock alter Schule.

Klangzauber und Wortwitz steigern jeweils den Genuss des anderen, denn wäre das Ukulele Orchestra musikalisch nicht eine Klasse für sich, böte auch Hinchliffes verschämter Verweis auf die bescheidenen Möglichkeiten der eigenen "Nürnberger Bratwurstfinger" kaum Anlass zum Schmunzeln, und müsste man um die Wirkung der versammelten Britpop-Evergreens von Blur, Lou Reed oder den Talking Heads fürchten. Doch indem sich die acht Instrumentalisten durch ein Jahrhundert Populärmusik singen, klampfen, zupfen und trommeln, immer wieder eleganten Slapstick der höheren Schule in die kurzweiligen Arrangements einbauen und allen Mitgliedern Raum für individuelle Facetten bleibt, verkommt der hier angerührte Zupf-Kuchen nie zum bloßen Ulk.

So dürfte das Orchestra Comedy-Heiligtümern wie Monty Python näher stehen als den gecoverten, zum Teil schnell verglühten Bands. Kitty Lux gibt mit steinerner Miene die deprimierte Chanteuse, Jonty Bankes (der Junior im Ensemble, da "erst" seit 22 Jahren an Bord) mimt den raubeinigen Bassisten, Dave Suich schüttelt zum Sex-Pistols-Klassiker "Anarchy in the UK" die ergraute Mähne, und Will Grove-White glänzt als Imitator von Cat Stevens und David Bowie. Mit Schuberts "Forelle" und einem auf Händel fußenden Ritt durch mehrere Jahrzehnte Kitsch-Balladen im Ohr geht es nach Hause. Oder ins nächste Musikgeschäft - Ukulele besorgen!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.05.2013

Wieland Schwanebeck

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