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US-Singer/Songwriterin Aimee Mann kommt zum ersten Mal nach Dresden

US-Singer/Songwriterin Aimee Mann kommt zum ersten Mal nach Dresden

Es ist ein übles Ding mit den Querverweisen. Während einige Menschen dafür dankbar sind, die eine oder andere Schublade geöffnet zu bekommen, um daraus das eine oder andere Aha zu ziehen, verübeln es die nächsten sehr. Denn nichts ist dümmer, als mit etwas Unbekanntem auf etwas Unbekanntes neugierig gemacht zu werden.

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Aimee Mann

Quelle: Photographer: Sheryl Nields

Bei der US-amerikanischen Singer/Songwriterin Aimee Mann muss man sicher nicht beim Urschleim beginnen, doch es gibt freilich andere, durchaus vergleichbare Musikerinnen, die es in 30 Jahren besser geschafft haben, auf sich aufmerksam zu machen. Die Mann war dafür immer ein wenig zu sperrig im Gebaren. An der Musik lag es nicht, denn die ist außergewöhnlich charmant, elegant, rund und im guten Sinne perfekt als Lebensbegleiter. Gut, in erster Linie in den USA, und gut, für die ranzigen Clubs war sie auch nie geschaffen. Aber spätestens seit dem Jahrtausendwechsel ist die 53-Jährige auch in Europa angekommen. Es war vor allem ein Film, der dafür gesorgt hat. Entschuldigung an die, die ihn bis heute nicht gesehen haben, aber für diese beträchtliche Lücke können wir nichts.

US-Regisseur Paul Thomas Anderson veröffentlichte 1999 "Magnolia", eine höchst intensive, episodisch angelegte Geschichte um Verlorene und Verlierer, Zufall, Eigenartigkeit und Wahrnehmung, klassische Aimee-Mann-Themen also. Es ist "der Film mit den regnenden Fröschen", es ist aber der "Film der Aimee-Mann-Songs". Denn Anderson hatte ihre Lieder so adaptiert wie andere Filmemacher Originalbücher zu Drehbüchern machen. Anderson: "Aimee hat die Gabe, solche simplen und direkten Zeilen zu erschaffen, die man selbst a) schon gesagt hat, b) schon gehört hat, oder c) gedacht hat, aber nie aufschreiben würde." Das Großaufgebot erstklassiger (oder, im Falle Tom Cruise, erstklassig spielender) Akteure, u.a. mit Julianne Moore, Jason Robards, Philip Seymour Hoffman, John C. Reilly und William H. Macy scheint direkt aus der Tür der guten Mann'schen Liederstube zu treten. Und am Ende singen die Charaktere Zeilen der todtraurigen Ballade "Wise Up".

Es folgte die Oscar-Nominierung für einen anderen zentralen Song aus "Magnolia", doch nicht "Save Me" und Mann gewannen, sondern ein Mann: Phil Collins für "Tarzan". Man sollte die Frau noch heute besser nicht darauf ansprechen.

Sie hat gewettert, so wie sie sich zeitig gegen alles auflehnte, was ihr künstlerische Beschränkung auferlegen wollte.

Sie stritt mit und klagte gegen Plattenfirmen, löste sich von ihnen, machte nur für Europa Kompromisse mit einem Label, das sie bekannter machen konnte, ohne sie in Schemen zu pressen. Sie tat, wovor Lebensversicherer immer warnen und kaufte früh die Masterbänder ihrer dritten Platte zurück, nachdem sie schon die zweite "I'm With Stupid" (Unter Dummen) genannt hatte. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Singer/Songwriter Michael Penn, begründete sie eine Künstlervereinigung, die Unabhängigkeit propagiert. Aktuell verzweifelt sie am nachlassenden Interesse der Menschen für echte Aufmerksamkeit und Live-Erlebnisse. Leicht soll sie nicht sein, sagt man. Doch warum soll man immer leicht sein?

Aimee Mann bewahrt sich den Status, den vor und neben ihr Kolleginnen wie Joni Mitchell, Rickie Lee Jones oder Lucinda Williams lebten und leben. Das heißt, dass sie vor allem in der Heimat auf einen festen Fankreis bauen können, dass sie der Präsident mag (und zu sich ins Weiße Haus einlädt), weil sie die ur-amerikanischen Tugenden rootsorientierter Rockmusik in sich tragen und sich als begnadete Dichterinnen erweisen. Neue CDs erscheinen weiter auch in Europa, Touren aber sind selten. Wenn Aimee Mann nun das erste Mal nach Dresden kommt, gibt es nur zwei weitere Deutschland-Termine.

Ihr voraus eilt der fast schon gewohnt anerkennende Tenor über die neueste Liedersammlung, die Ende 2012 unter dem Titel "Charmer" (V2) erschienen ist. Vielleicht sind ein paar mehr elektrische Gitarren drauf, ein paar Old-school-Synthis auch, weniger Bläser und Streicher, aber Aimee bleibt Mann. Ihre Eleganz ist entwaffnend, ein nicht zu dunkles, abgetöntes Timbre liegt auf den gesungenen Geschichten.

Aimee Mann hat es immer vermieden, sich ins "Frauenfach" stecken zu lassen, dazu kennt sie die Männer viel zu gut. Auch andere Filmregisseure neben P.T. Anderson könnten sie oder Figuren ihrer Lieder gemeint haben: Almodóvar, Tykwer, selbst Woody Allens gerade im Kino stürzende "Jasmine" ist mit Mann-Typen verwandt. In "The Big Lebowski", dem Kultfilm der Coen-Brüder, spielte sie selbst mit - als verschrobene, fußverletzte Deutsche. Als der britische Autor Nick Hornby eine seiner streng individuellen Songbook-Hitlisten niederschrieb, war ihr "I've Had It" dabei, in einer Rezension ihrer 1999er Platte "Bachelor No. 2" schwärmte Hornby über die eigene "Mann's World". Es wird ihr geschmeichelt haben.

Aimee Mann wurde im September 1960 in Richmond geboren, begann mit 20 ihre Karriere zunächst mit der Punkband The Young Snakes in Boston, wo sie am renommierten Berklee College eingeschrieben war. Der Punk wurde in der Band 'Til Tuesday in New Wave umgeraspelt, behauen und bis 1988 auf drei Platten dokumentiert. Mann spielte dort auch Bass. Sechs Jahre brauchte sie, um sich für einen Solostart zu präparieren, bis heute beschreibt sie sich aber als eher faul, was das Komponieren und Texten angeht. Neun Studioalben, die für sich genommen und im Kontext eine frappierende Qualität und künstlerische Geschlossenheit aufweisen, sind in 20 Jahren so schlecht aber nicht.

iAimee Mann auf Akustik-Tour, Dienstag, 20 Uhr, Lukaskirche

Verlosung

Die DNN verlosen für dieses Konzert fünf mal zwei Eintrittskarten. Wer gewinnen möchte, ruft am Montag zwischen 10.30 und 10.45 Uhr unter Tel. 01805/ 21 81 00 (0,14 Euro/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute) an. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2013

Andreas Körner

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