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Two Gallants bleiben auch 2013 im Dresdner Beatpol zwei Großmeister der Effizienz

Two Gallants bleiben auch 2013 im Dresdner Beatpol zwei Großmeister der Effizienz

Sie müssen sich nicht laufend herzen, um zu beweisen, dass sie miteinander können. Noch immer können. Es dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben, dass sich Adam Stephens und Tyson Vogel seit frühen Tagen aus einem "Kindergarden" in San Francisco kennen.

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Tyson Vogel (li.) und Adam Stephens ließen es bei ihrem Auftritt im Beatpol so richtig krachen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie küssten und sie schminkten sich - ihre bislang letzte Platte als Two Gallants hat das Beweisfoto auf dem Cover.

Mit "The Bloom And The Blight" von 2012 touren sie jetzt noch einmal durch Europa. Es ist die vierte CD in zehn Jahren. Vogel und Stephens sind jetzt in den Dreißigern, und Gerüchte, wonach sie sich zwischendurch schon mal endgültig zerstritten oder künstlerische Differenzen von Furchen zu Schützengräben ausgehoben hätten, können keinesfalls bestätigt werden. Jedenfalls nicht, dass davon etwas zu spüren wäre. Dresdner Fans mussten zuletzt (wie im Falle Motorpsycho auch) kurz nach Leipzig hüpfen, um sie dort zu erleben. Nun wieder Briesnitz - Ehrensache! 350 kamen. Glückwunsch zur Abendgestaltung!

Im Paket mit Mozes And The Firstborn als Vorband kommt die Präsenz der Two Gallants noch einmal neu zum Vorschein. Mit den Holländern ist auch gut Schreddern, ihr bissfester und forsch gesungener Rock'n'Roll ist keineswegs zu verachten, auch nicht in der Attitüde. Aber sie sind zu fünft. Adam Stephens und Tyson Vogel hingegen spielen ihr Quintett weiterhin als Duo. Da gibt es kein Abducken, da kann keiner einen Gang herunterschalten, ohne aufzufallen.

Two Gallants bringen es an diesem Abend auf knapp zwei Stunden, spielen sich quer durch ihre Werkschau, bringen noch unbetiteltes neues Material, Fragmente, die Improvisation atmen. Sie füttern den harten Kern im Publikum in Sachen Textsicherheitsrisiko an ("Steady Rollin"), machen ausgewählte "The Bloom And The Blight"-Songs nicht unbedingt zur tragenden Wand. Das schafft Wege, um sich Gallants-Debütanten zu packen - mit ihrer berstenden Energie, dem konsequenten Gegenentwurf zum Gniedel-Folk, ihrer beeindruckenden Vielfalt im Klangbild und natürlich ihrer kompromisslosen "Anrockhaltung", die sich nur in flüchtigen Momenten wie ein Parforce-Ritt durch die Populärmusikgeschichte anhört.

Reinheitsgebote waren nie etwas für Two Gallants. Blues, Folk, Country, Punk, Rockabilly, all die Themen und Texte gehen bei den beiden seit jeher durch eigene Kanäle und Filter. Dreck bleibt da genauso hängen wie das Reine der Seele, dabei haben sie immer auch ein weites, blutendes Herz für die Gestrauchelten.

Zwei Männer als Großmeister der Effizienz - Adam Stephens fräst auf drei elektrischen Gitarren, spuckt giftige Riffs in den Saal, liebkost Harmonien, geht nur für wenige Stücke an die Tasten, bläst Mundharmonika, schreit-singt mit seiner rau-hellen Stimme und erfasst damit letzte Winkel. Tyson Vogel drischt zumeist mit Unbarmherzigkeit auf seine Geräte, ohne rhythmisch zu schludern. Die Brüche kommen exakt, vehement, scharf in den Kanten. Er kann aber auch anders - singen, akustische Gitarre spielen, "Broken Eyes" beweinen.

Two Gallants sind roh und behauen, nüchtern und im Fieber, nebenan und von anderen Sternen - und alles innerhalb von drei, vier Minuten, in denen sie die MC 5 schrumpfen, vor Johnny Cash die Mütze ziehen, Tim Buckley aus dem Jenseits trommeln und tief im Mississippi verschlammen. Wem hier auf der Bühne der Bass fehlt, hat keine Ohren! Und in jenem Moment, da Vogel und Stephens einem Interviewer ein in der Tonart schwer gehobenes "Nein, verdammt, ein für allemal: Wir sind nicht die White Stripes" ins Ohr geschnoddert haben, wäre man gern Zeuge gewesen.

Was für eine Band! Sogar dieser verknöcherte Ausruf taugt noch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.05.2013

Andreas Körner

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