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Türkei will Projekt der Dresdner Sinfoniker stoppen

"Angriff auf die Meinungsfreiheiten" Türkei will Projekt der Dresdner Sinfoniker stoppen

Die Türkei hat auf EU-Ebene gegen das Konzertprojekt „Aghet“ der Dresdner Sinfoniker zum Genozid an den Armeniern vor 100 Jahren interveniert. Der türkische EU-Botschafter verlangt nun, dass die Europäische Union die finanzielle Förderung für die internationale Produktion einstellt.

Der Intendant der Dresdner Sinfoniker Markus Rindt spricht von einem „Angriff auf die Meinungsfreiheit“.

Quelle: dpa

Dresden. Nach dem medialen und politischen Rummel um türkische Künstler und Journalisten, die in ihrer Heimat wegen offener Meinungsäußerung mit Haftstrafen, Zensur beziehungsweise Berufsverbot bedroht sind, schwapptdie harte Linie der Erdogan-Politik nun auch bis nach Dresden. Bislang waren das Spektakel um TV-Comedian Jan Böhmermann sowie der Eklat um die Ausweisung des ARD-Journalisten Volker Schwenck noch vergleichsweise ferne Nachrichten, nun betrifft die regle-mentierende Einmischung aber auch die Dresdner Sinfoniker.

Deren Aufklärungsprojekt „aghet – agıt“ soll gut 100 Jahre nach dem türkischen Genozid an Hunderttausenden Armeniern ein Zeichen der Versöhnung sein, wie Intendant Markus Rindt gegenüber den DNN betont. Deswegen sind an diesem musikalischen Gesamtkunstwerk sowohl Armenier und Türken als auch Deutsche sowie Mitglieder des von ex-jugoslawischen Musikern gegründeten No-Border-Orchestra beteiligt.

Die türkische Politik hatte bereits im Jahr 2014 beim Sinfoniker-Projekt „Dede Korkut“ heftig interveniert. Nun hat dieEU-Vertretung der Türkei in Brüssel mit drohenden Worten von der EU-Kommission gefordert, die finanzielle Unterstützung der im vergangenen Jahr bereitsin Berlin präsentierten Produktion zurückzuziehen. Damit wären auch die für den kommenden Herbst geplanten Gastspiele in Belgrad, Istanbul und Jerewan obsolet.

Die Dresdner Sinfoniker und ihre Partner sehen darin einen weiteren Angriff auf die Meinungsfreiheit. Sie wollen nach dem Motto „jetzt erst recht“ Farbe bekennen und möglichst auch den Auftritt in Istanbul realisieren. Denn gerade die neuerlichen Interventionen würden zeigen, wie wichtig solche künstlerischen Projekte im Sinne von Aufarbeitung damaliger Gräuel und einer Aussöhnung der Völker sind.

Unterdessen wurde bekannt, dass die EU-Vertretung der Türkei in Brüssel offenbar nicht nur die Förderung von „aghet – agıt“ unterbinden, sondern jegliche Erwähnung dieses Projekts verhindern will. Die Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur als zuständige EU-Behörde sei der geforderten Stornierung bislang zwar nicht nachgekommen, habe aber die Projektbeschreibung von ihrer Homepage genommen. Angeblich hat Ankara in diesem Zusammenhang auch die Unterstützung der EU-Programme zur Flüchtlingspolitik in Frage gestellt.

Im Festspielhaus Hellerau, wo im Rahmen von „aghet – agıt“ am 30. April Kompositionen des Türken Zeynep Gedizlioglu, des Deutschen Helmut Oehring sowie des Armeniers Surgite Gloriaes erklingen, wird neben einer Fotoausstellung zum Thema Flucht und Vertreibung auch das Theaterprojekt „Dievierzig Tage des Musa Dagh“ zu sehen sein. Dresdner Schülerinnen und Schüler haben in der Regie von Tom Quaas eine eigene Textfassung von Franz Werfels gleichnamigem Roman erarbeitet, der das Massaker von 1915 zum Inhalt hat. Der derzeit in Beirut weilende Hellerau-Intendant Dieter Jaenicke ließ DNN gegenüber verlauten, er stehe voll und ganz hinter diesem wichtigen Projekt der Dresdner Sinfoniker.

Michael Ernst

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Nach türkischem Protest

Das Europäische Zentrum der Künste in Dresden will sich wegen des geplanten Konzertprojektes „Aghet“ über die Massaker der Türken an den Armeniern nicht knebeln lassen. „Wir werden uns davon keineswegs einschüchtern lassen“, erklärte Intendant Dieter Jaenicke.

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