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Türkei verlässt EU-Kulturprogramm „Kreatives Europa“ wegen des Projektes „aghet“ der Dresdner Sinfoniker

Protest Türkei verlässt EU-Kulturprogramm „Kreatives Europa“ wegen des Projektes „aghet“ der Dresdner Sinfoniker

Die Türkei hat Berichten zufolge das EU-Kulturprogramm wegen des Konzertprojekts „aghet“ der Dresdner Sinfoniker aufgekündigt. Die Initiatoren des Projekts – der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, und der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan – verurteilen die Entscheidung.

Am 30. April wurde „aghet“ im Festspielhaus Hellerau aufgeführt.

Quelle: /Martin Morgenstern dpa

Dresden. Die Türkei hat Berichten zufolge und laut Aussage der EACEA (Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur, eine Behörde der Europäischen Union mit Sitz in Brüssel) das EU-Kulturprogramm wegen des Konzertprojekts „aghet“ der Dresdner Sinfoniker aufgekündigt. „Die Türkei hat einseitig beschlossen, das Programm ,Kreatives Europa’ zu verlassen“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission der „Bild am Sonntag“. Die regierungsnahe türkische Zeitung „Habertürk“ hatte schon am vergangenen Montag berichtet, Grund für das Verlassen des Programms sei das umstrittene Projekt „aghet“. Eine offizielle Bestätigung von türkischer Seite lag zunächst nicht vor.

Die Initiatoren des Projekts – der Intendant der Dresdner Sinfoniker, Markus Rindt, und der deutsch-türkisch-armenische Komponist und Gitarrist Marc Sinan – verurteilten die Entscheidung. Die Reaktion der türkischen Regierung treffe vor allem die türkischen Künstler, die von der finanziellen Förderung des EU-Kulturprogramms profitierten, hieß es in einer verbreiteten Mitteilung. „Es ist ein perfider Akt der türkischen Regierung, eine Versöhnungsinitiative als Vorwand zu nutzen, um türkische Künstler zu bestrafen“, teilten die Initiatoren mit. Das EU-Kulturprogramm, das die Türkei 2014 unterzeichnet hat, fördert Künstler europaweit mit insgesamt 1,46 Milliarden Euro über sieben Jahre.

Mit dem „ageht“-Projekt gedenken Musikerinnen und Musiker aus der Türkei, Armenien, Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien des Völkermordes an den Armeniern vor 100 Jahren. Die türkische Komponistin Zeynep Gedizlioğlu, der armenische Komponist Vache Sharafyan und der deutsche Komponist Helmut Oehring haben für das Projekt neue Orchesterwerke geschrieben. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs hatte dagegen auf EU-Ebene protestiert und damit vielfach Empörung ausgelöst. Ankara wehrt sich vehement gegen die Einstufung der Massaker als Völkermord.

Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker

Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker

Quelle: dpa

Nach der Uraufführung im November 2015 in Berlin und der international beachteten Aufführung im Festspielhaus Hellerau in Dresden im April 2016 (DNN berichteten) wird „aghet“ am 5. November in Belgrad und am 10. November in der armenischen Hauptstadt Jerewan gastieren und soll schließlich in einer kammermusikalischen Fassung am 13. November in Istanbul zu erleben sein.

Die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan nehmen ihr bevorstehendes Konzert in Istanbul nun zum Anlass, eine deutsch-türkisch-armenische Freundschaftsgesellschaft zu gründen, teilte Markus Rindt am Sonntag mit. Sie wollen sich damit dem türkischen Philantropen Osman Kavala anschließen, der laut Süddeutscher Zeitung kürzlich deutsche Künstler und Kulturinstitutionen beschwor, die kulturellen Kontakte zu seiner Heimat nicht zu kappen – die Türkei könne sich sonst in einen geschlossenen Staat verwandeln.

Die Initiative sei, so Rindt, an die einst von Mikis Theodorakis gegründete „griechisch-türkische Freundschaftsgesellschaft“ angelehnt. Nach diesem Vorbild streben die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan auf kultureller Ebene nach Verständigung und Versöhnung zwischen Armenien, der Türkei und Deutschland. Bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik aus allen drei Staaten seien laut Markus Rindt unter den Gründungsmitgliedern.

www.aghet.eu

Von DNN/dpa

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Aghet
Die Dresdner Sinfoniker stehen am Abend des 30.04.2016 auf der Bühne nach der Aufführung des Konzertprojektes «Aghet» im Schauspielhaus Hellerau in Dresden (Sachsen).

Zur Aufführung ihres Stückes über die Massaker an den Armeniern haben die Dresdner Sinfoniker den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ins deutsche Generalkonsulat in Istanbul eingeladen. Persönliche Einladungen gingen außerdem an Ministerpräsident Binali Yildirim, Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Kulturminister Nabi Avci.

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