Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Tu Fawning ergriffen im Beatpol den ganzen Raum

Tu Fawning ergriffen im Beatpol den ganzen Raum

Sie sagen, beim Scheune-Schaubudensommer im vergangenen Jahr hätten sie sich richtig wohlgefühlt - mit all den Lichtern und Clowns. Wir sagen, beim Konzert im Beatpol am Dienstag haben wir uns richtig wohl gefühlt - mit all dem Raum, der Ur-Kraft und Zeit.

Tu Fawning, die Wundertütler aus Portland/Oregon, werden uns wohl noch das lustvolle Fürchten lehren.

Diese so zerklüftete, rhythmisch wuchtige Musik braucht genau diese von Wänden umgebene Weite. Sie braucht Resonanz und Lautstärke. Die beiden CDs des Quartetts - "Hearts On Hold" und "A Monument" - verkümmern akustisch auf noch dem besten ohrgestöpselten mp3-Player. Für Tu Fawning muss es sich lohnen, den Zorn der Nachbarn zu riskieren. Volume für umme. Und Tu Fawning brauchen Bewegungsfreiheit. Die Band hat zeitig eingesehen, dass ihre Maßgabe des Frühjahrs, 2012 nur Sitzkonzerte spielen zu wollen, Unsinn war. Leider sind daraufhin einige Veranstalter, die zu ihren Entdeckern zählten, über die Klinge gesprungen - eben weil sie keinen "Saal" zu bieten hatten.

Das Gitarre-Stimme-Drums-Duo Sea Of Love war als Vorband nett, gefällig, zahm. Alles, was auf Corrina Repp (Gitarre, Drums, Gesang), Joe Haege (Gitarre, Samples, Drums, Gesang), Toussaint Perrault (Trompete, Drums, Gesang) und Lisa Rietz (Synthesizer, Violine, Gesang) nicht zutreffen will. Nett meint nur die Freundlichkeit in der Konversation, gefällig und zahm geht schon aufgrund der Zutaten nicht. Haege braucht keine zwei Minuten, um das erste Stück am Schlagwerk zu zerdreschen, und wir reden hier nicht von Metal. Die afrikanische Polyrhythmik ist essenzieller Bestandteil dieses Hybrids, aus dem handwerkliche Stile wie Gaze-Fahnen herüberwehen. Nie zu greifen, nie zu dechiffrieren, nie ausgespielt. Beim Hören der Platten sind daran schon einige Menschen verzweifelt. Live formt sich daraus ein homogenes Ganzes. Der Mann am Pult hat Höchstleistungen zu vollbringen, denn hier können sich Stecker von selbst aus Buchsen entfernen. Die Band nimmt solche Zwangspausen galant und jammt ein wenig.

Corrina Repps Stimme wirkt für Neuankömmlinge sogar unentschlossen zwischen New Wave, Oper und Folk. Dabei ist sie einfach nur frei und kollidiert mutig mit diesem kantigen Gospel, den Stammesriten, wild zerfledderten Geigensaiten, per Drumstick angesteuerten Samples und bärbeißigen E-Gitarren. Sie zieht auch mal den Kürzeren dabei. Das kümmert wenig. Zum Vorzeigen gibt es "Bones", jenen Song, der wie ein Voodoo-Sonnentanz beginnt und hernach in weichen, chorgesungenen Pop mündet. Nicht exemplarisch, aber zum Zähmen wie geschaffen.

Toussaint Perrault steht mit Basstrommel und Percussions ein Stockwerk höher auf dem Podest und lässt mit gestopfter Langhals-Trompete einige spitze Jericho-Fanfaren ab, läuft anschließend wie ein Rattenfänger durch den Saal und verweist aufs prächtige Finale. Die vier werden sich - nach einer ziemlich sezierenden Version von "Love Will Tear Us Apart" - komplett zwischen den Zuschauern versammeln und sich mit ihnen ums imaginäre Lagerfeuer schütteln. Auch hier sinnlich, zwingend, laut.

Just jenes "Multiply The House" eröffnete die erste Platte. Mit diesem einen Stück hatten Tu Fawing vor zwei Jahren Menschen, die glaubten, sich nie mehr überraschen lassen zu können, komplett abgeschossen. Tu Fawnings Fundament ist Hand und Fuß. Ihre Musik wächst aus Arbeit und Arbeitslosigkeit zugleich, denn die fast logische Komponente ist kaum klein-, geschweige denn wegzuschreiben. Das muss alles so sein, und es ist verdammt riesig. Andreas Körner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr