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Tschechisches Designkollektiv stellt in Pillnitz aus

Tschechisches Designkollektiv stellt in Pillnitz aus

Sammeln ist eine Leidenschaft, geschieht privat wie museal. Und: Es verändert sich. Die Gegenstände der Sehnsucht landen heute unter Umständen nicht (nur) in Schränken und Vitrinen, sondern - virtuell - auch im Internet, bilden ganze "Sammlungen", die wiederum andere zum Sammeln, eventuell auch zum Gestalten, anregen.

Protagonisten solcherart Suchens und Findens sind die Mitglieder des 2009 in Prag gegründeten Designkollektivs "OKOLO" (Adam Stech, Jakub Stech, Matej Cincera und Jan Kloss). Die studierten Designer und Kunstwissenschaftler erarbeiten Konzepte, Publikationen und Ausstellungen, sie geben Produkte in Auftrag, greifen Zeitphänomene auf, stellen sie dar und vermitteln sie. Das Besondere ihres Tuns: Paradigmatische Exemplare stellen sie auf ihrem Blog okolo.cz vor.

Er ist gewissermaßen das Kernstück ihrer Arbeit, handelt es sich dabei der Sache nach doch um ein stetig wachsendes digitales Archiv für (gestaltungs-)geschichtliches Wissen, zeitgenössische Positionen und neu Gedachtes. Nicht zuletzt dieser Blog machte die tschechischen Designprotagonisten für Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, so interessant, dass sie die Triade ihrer ersten Ausstellungen in Pillnitz unter dem Motto "OKOLO OFFLINE TWO" abschließt.

Natürlich kann eine Museumspräsentation nicht nur digital sein. Dies vermittelt auch deren Titel: "OKOLO OFFLINE TWO". Das "TWO" ist zudem Hinweis, dass es schon eine Ausstellung mit der Gruppe gab, bei Depot Basel (2011). Für Pillnitz haben sich Matylda Krzykowski von dieser Plattform und Adam Stech von OKOLO als Kuratoren zusammen getan, während zwei weitere Mitglieder des tschechischen Kollektivs sie gestalteten. Das Schöne: Die einbezogenen Objekte wurden auch im Pillnitzer Depot gesucht. Dabei handelt es sich sehr häufig um Gegenstände, die wohl deshalb nie an Reiz verlieren, weil in ihnen - beispielhaft sei eine Dose Lüder Baiers genannt - Zeitlosigkeit der Form, Qualität des Materials und der Gestaltung auf unvergleichliche Weise zusammenfinden.

Eingangs widmet sich die Schau Mitteln des Ausstellung Machens: Podeste und Vitrinen aus dem Haus werden zum Schauobjekt. Anschließend begegnet man "Objekten der Begierde" - in einer ungewohnten Präsentationsform: Eine von Max Bill gestaltete Armbanduhr, Levi's Jeans, "Töppe" von Hedwig Bollhagen, Gläser von Wilhelm Wagenfeld und anderes werden, begleitet von Untertext und Kopfhörern, im Video vorgestellt. Das ist interessant und instruktiv, weil auch produktionsgeschichtliche Faktoren vermittelt werden. Dann kann man sich in, in sehr schöner Typografie gestaltete, Positionen zum Thema "Sammeln" vertiefen. Zu den Zitierten gehört auch Bernhard Maaz, Direktor des Kupferstich-Kabinetts und der Gemäldegalerie Alte Meister, der meint: "Sammlungen sind Antworten, zu denen wir die Fragen finden müssen". Und Jörg Knorr, Depotleiter des Kunstgewerbemuseums, der für die Ausstellungskuratoren wohl ein unersetzlicher Ratgeber war, sagt (mit Goethe): "Sammler sind glückliche Menschen". Im Rokoko-Gartensaal trifft man dann auf reale Designobjekte aus Vergangenheit und Gegenwart, arrangiert in Vitrinen, zudem eine Installation aus gut anzusehenden Verpackungen sowie ein Mobile aus Fotografien, das Mitglieder von OKOLO bei ihren verschiedenen Aktivitäten zeigt.

Angetan kann man von den Zusammenstellungen sein. So "klingen" hier - dies nur ein Beispiel - eine japanische Vase mit blauer Glasur aus den 1970ern, die tschechische Glaslampe "Hadovka" von 2011 und ein Holzleuchter von Theodor Arthur Winde miteinander. Die Ausstellung ist nicht riesig, aber man kann viel entdecken und es auch neu sehen. Dazu gehört ein möglicher Online-Ausflug auf okoloweb.cz.

OKOLO OFFLINE TWO ist nicht die letzte Begegnung mit dem Kunstgewerbemuseum in diesem Jahr: Im November ist die Sammlung an einer Schau im Japanischen Palais beteiligt, und im kommenden März ist eine große Eigenproduktion im Lipsiusbau zu erwarten.

Bis 2. November, Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, Bergpalais. täglich 10 bis 18 Uhr (außer Mo) www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2014

Lisa Werner-Art

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