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Trotz widriger Bedingungen wollen die Museen der Stadt Dresden 2014 vieles in Bewegung bringen

Trotz widriger Bedingungen wollen die Museen der Stadt Dresden 2014 vieles in Bewegung bringen

Das Bild wirkte bemüht, aber es half Gisbert Porstmann wohl, den Ernst der Lage in eine einigermaßen verniedlichte Form zu gießen. Im Rennen um die besten Besucherzahlen, wie der Leiter der acht städtischen Museen die Konkurrenz mit den anderen Häusern in der Stadt beschrieb, gehe der städtische Museumsbund mit einem Trabant an den Start, für den es noch dazu nur für eine halbe Tankfüllung gereicht habe.

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Teil der Ausstellung "Im Kreuzfeuer": kennardphillipps, Photo-Op, 2005.

Quelle: copyright kennardphillipps/acquisition supported by the Heritage Lottery Fund and the Art Fund

Nur "dem Engagement und der Selbstausbeutung" seiner Mitarbeiter sei es zu verdanken, dass man mit einem guten Ergebnis die Ziellinie erreiche.

Wobei gut noch untertrieben ist. Mit 180 000 Besuchern kamen 2013 zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das Stadtmuseum verbuchte mit 54 000 Besuchern gar einen Zuwachs von 27 Prozent. Am höchsten in der Zuschauergunst rangieren weiterhin die Technischen Sammlungen. Die Städtische Galerie, die dritte große Einrichtung des acht Museen zählenden Verbunds, haben 28 000 Menschen besucht, ein Plus von sechs Prozent. Auch das Kraszewski-Museum, vor etwa einem Jahr mit großem Bahnhof wiedereröffnet, verbuchte mit 5000 Besuchern sein bestes Ergebnis seit Bestehen.

Die Freude über dieses beachtliche Ergebnis war Porstmann bei der gestrigen Jahrespressekonferenz jedoch kaum anzumerken. Wegen des anhaltenden Spardiktats seien die Museen personell unterbesetzt. Sechs neue Mitarbeiter für den museumspädagogischen und den wissenschaftlichen Bereich habe er angefordert, nur eine - die Stadt spricht von zwei Mitarbeitern - erhalten. Er sprach von einem Zustand, der sich nicht fortsetzen dürfe, weil er auf die Gesundheit der 68 Mitarbeiter schlage.

Einstweilen bleibt es dabei, dass sich viel Arbeit auf wenige Schultern verteilt, wie ein Blick auf das Jahresprogramm zeigt. Das Stadtmuseum, wo die mit bisher 16 000 Besuchern sehr erfolgreiche Weihnachtsausstellung "Schokoladenstadt Dresden" noch bis 2. März läuft, widmet sich ab Mai der Künstlerfamilie Schuch (10. Mai bis 28. September). Mit dem Hofkapellmeister und späteren Generalmusikdirektor Ernst von Schuch wird eine prägende Figur an der Semperoper beleuchtet. Er wirkte dort von 1872 bis zu seinem Tod 1914, leitete 2984 Opernaufführungen, wie Museumsleiterin Erika Eschebach sagt, darunter vier Uraufführungen von Richard Strauss. Die Schau, die auch das Wirken der Schuch-Ehefrau und Opernsängerin Clementine sowie der Kinder Hans (Cellist) und Elisabeth (Sängerin) behandelt, soll einen Querschnitt des musikalischen Lebens um 1900 zeichnen.

Für die folgenden zwei Ausstellungen bemüht das Stadtmuseum nicht das eigene, in Umstrukturierung befindliche Depot. Mit "Im Kreuzfeuer" (5. Juli bis 5. Oktober) werden Gemälde, Modelle, Collagen, Fotografien und Inszenierungen zum Thema Krieg gezeigt, die zuvor in Dresdens Partnerstadt Coventry zu sehen waren. Museumsleiterin Eschebach versteht die anlässlich des Gedenkens an beide Weltkriege nach Dresden geholte Ausstellung einerseits als Symbol gelebter Partnerschaft. Andererseits soll sie zum Nachdenken über die Kriege unserer Zeit anregen, da mit Afghanistan, Irak, Nordirland, Afrika auch aktuelle Schauplätze thematisiert werden. Die Weihnachtsausstellung (28. November bis 1. März) wird mit Leihgaben der Hamburger Sammlerin Elke Dröscher bestritten. Zu sehen sind Puppenstuben aus zwei Jahrhunderten.

Die Städtische Galerie widmet sich Manfred Luther (15. Februar bis 18. Mai), der auf philosophischen Überlegungen basierend eine ganz eigene Kunstsprache fand, wie Porstmann ausführt. Er will mit der Ausstellung und dem dazu gehörenden Katalog ein weiteres Mosaikstein zur Aufarbeitung der Dresdner Kunstgeschichte liefern, die "ein Desiderat" ist, wie Porstmann sagt. Weitere Ausstellungen zeigen Werke des Berliner Fotografen Stefan Heyne (14. Juni bis 14. September) sowie Malerei und Holzschnitte von Wilhelm Rudolph (11. Oktober bis 11. Januar).

In den Technischen Sammlungen wird sich ab dem 2. März vieles ändern. Dann werden der neue Eingangsbereich und eine weitere Ausstellungsetage eröffnet, die neuen energieeffizienten Technologien in der Kommunikationstechnik gewidmet ist. Den freigewordenen Raum beim historischen Eingang belegt eine "Ausstellung, die wir seit Jahren dringend benötigen", wie Direktor Roland Schwarz sagt: Unter dem Titel "Kamerastadt Dresden" wird in einer Erweiterung der Dauerausstellung (ab 12. Juli) die Geschichte der Stadt als Produktionsort von Fotoapparaten beleuchtet. Dazu passt eine Sonderschau, die private Fotografien des damals bedeutendsten Portraitfotografen Hugo Erfurth (23. Mai bis 7. September) zeigt. Hinzu kommt eine Werkschau des Fotoclubs 1974 (10. Oktober bis 11. Januar) zu dessen 40-jährigen Bestehens.

Das Kraszewski-Museum zeigt wiederum Bilder des polnischen Fotografen Wojciech Wilczyk (21. Februar bis 11. Mai), auf denen ehemalige Synagogen und jüdische Gebetshäuser in ihrer heutigen Verwendung als Schwimmbäder, Einkaufsmärkte, Polizeiwachen oder Kulturzentren zu sehen sind. Ein eindrucksvolles Dokument der noch heute spürbaren Auswirkungen von Shoa und Vernichtungskrieg in Polen. Im Rahmen der Polnischen Kulturtage (24. bis 28. September) wird an gleicher Stelle eine Ausstellung mit Bildern des polnischen Malers Roman Lipski gezeigt.

Das Heimat- und Palitzsch-Museum in Prohlis wird im April endlich seine Dauerschau komplettieren können. Ergänzend zu 7000 Jahren Siedlungsgeschichte Prohlis' werden Exponate zum Leben des Bauernastronomen Georg Palitzsch und allgemein zur Astronomie zu sehen sein. Das Schillerhäuschen, das wie jedes Jahr ab Ostern öffnet, wird womöglich ab März zur Baustelle. Porstmann habe einen Brief der Eigentümerfamilie Zehe vorliegen. Darin werde versprochen, mit der dringend benötigten Dachsanierung und der Restaurierung der lockeren Bodenfliesen zu beginnen.

@www.museen-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.02.2014

Uwe Hofmann

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